Südliche Pyramide von Masghuna
Die südliche Pyramide von Masghuna; Foto von 1911
Die südliche Pyramide von Masghuna; Foto von 1911
Daten
Ort Masghuna
Erbauer Amenemhet IV. ?
Bauzeit 12./13. Dynastie
Baumaterial Lehmziegel
Basismaß 52,50 m
Kultpyramide nein

Die südliche Pyramide von Masghuna ist ein altägyptisches königliches Grabmal, das während der 12. oder 13. Dynastie errichtet wurde. Das Bauwerk blieb unvollendet. Welcher Pharao hier beerdigt werden sollte, ist unbekannt. Entsprechende Schriftzeugnisse wurden bisher nicht gefunden. Aufgrund baulicher Ähnlichkeiten zur Hawara-Pyramide Amenemhets III. wird sie jedoch meist dessen Sohn Amenemhet IV. zugeordnet. Parallel dazu gilt die Nördliche Pyramide von Masghuna als Grabmal seiner Schwester Nofrusobek, der letzten Herrscherin der 12. Dynastie. Allerdings rechnen einige Forscher beide Bauwerke bereits zur 13. Dynastie. Nach einer neueren Untersuchung scheint allerdings eher die südliche Pyramide von Masghuna das Grabmal der Neferusobek zu sein.[1]

Die bisher einzige Untersuchung der Pyramide fand 1910 durch Ernest Mackay statt.

Die Pyramide

Das unterirdische Kammersystem

Die Pyramide hat eine Seitenlänge von 52,50 m (100 Ellen). Das Kernmauerwerk besteht aus Ziegeln und erreicht nur eine Höhe von ein bis zwei Lagen. Verkleidungssteine wurden nicht gefunden, daher lassen sich keine näheren Angaben über den geplanten Neigungswinkel und die Höhe machen.

Die Substruktur

In der Mitte der Südseite befindet sich der Eingang der Pyramide. Eine Treppe führt hinab zu einer kurzen horizontalen Passage. Hier befindet sich eine Wandnische, von wo aus ein Blockierungsstein in den Gang geschoben worden war. Eine weitere Treppe führt zu einer zweiten Blockierung, die allerdings nicht verschlossen wurde. Über ein U-förmiges Kammersystem gelangt man schließlich in die Grabkammer, die durch ein Giebeldach gekrönt ist. In ihr fand sich ein leerer Granit-Sarkophag sowie einige wenige Grabbeigaben (drei Lampen aus Kalkstein, ein Alabaster-Gefäß in Form einer Ente, ein Schminkgefäß aus Alabaster und ein Stück polierter Speckstein).

Der Pyramidenkomplex

Grundriss des Pyramidenkomplexes

Der Komplex ist von einer wellenförmigen Mauer umgeben. In der Mitte der Ostseite ist darin eine Kapelle eingebaut. Sie besteht aus einer großen zentralen Kammer mit jeweils zwei Magazinräumen an jeder Seite. An die Südwestecke der zentralen Kammer schließt sich eine Opferhalle mit Gewölbedach an.

Literatur

  • Mark Lehner: Das Geheimnis der Pyramiden in Ägypten. Orbis Verlag, München 1999, S. 184–185, ISBN 3-572-01039-X.
  • W. M. Flinders Petrie, G. A. Wainwright, E. Mackay: The Labyrinth, Gerzeh and Mazghuneh. Quaritch, London 1912.
  • Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. Vom Ziegelbau zum Weltwunder (= Kulturgeschichte der Antiken Welt. Band 30). 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Philipp von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-1142-7, S. 250–251.
  • Christoffer Theis: Die chronologische Abfolge der Pyramiden der 13. Dynastie. In: Sokar. Band 19, 2009, S. 52–61.
  • Miroslav Verner: Die Pyramiden (= rororo-Sachbuch. Band 60890). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3-499-60890-1, S. 472–474.

Weblinks

Commons: Südliche Pyramide von Masghuna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Christoffer Theis: Die chronologische Abfolge der Pyramiden der 13. Dynastie. In: Sokar 19 (2009), S. 52–61.

Koordinaten: 29° 45′ 42″ N, 31° 13′ 15″ O

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.