Dali - Homo sapiens

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FUNDFUNDORTALTERENTDECKERDATUM
adultes maskulines CraniumDali, Provinz Shaanxi, Chinaca. 200.000 JahreLiu ShuntangMärz 1978
VERÖFFENTLICHUNG
Wu, X. 1981. A well-preserved cranium of an archaic type of early Homo sapiens from Dali, China. Scientia Sinica 241: 530 - 539

Der erwachsene männliche Schädel aus Dali in China ist außerhalb Afrikas der beste Kandidat für den frühesten Jetztmenschen. Der Fund spielt in der multiregionalen Theorie für die Entstehung des Homo sapiens eine Schlüsselrolle.

Nach dieser Theorie sind der Fund von Dali und ein älterer, aus dem mittleren Pleistozän stammender Schädel mit Skelett, der in Jinniushan in der chinesischen Provinz Liaoning gefunden wurde, die Bindeglieder zwischen den älteren Fossilien von Homo erectus aus Zhoukoudian und den heutigen Chinesen; demnach gab es in dieser Region eine lange, ununterbrochene Evolution.

In den meisten Schädelmaßen liegt Dali zwischen Homo erectus und dem modernen Homo sapiens. Wie bei erectus ist der Gehirnschädel von Dali dickwandig mit einem sehr großen, dicken Überaugenwulst. In dem unregelmäßig geformten Nackenbereich liegt eine deutliche Verdickung, und oben auf dem Kopf befindet sich ein schwach ausgeprägter Scheitelkamm.

Im Unterschied zu Homo erectus liegt die breiteste Stelle des Schädels bei Dali höher, und die Einschnürung hinter den Augenhöhlen ist geringer. Das geschätzte Gehirnvolumen des Dali-Schädels ist mit 1120 Kubikzentimetern geringfügig größer als bei den Funden von Zhoukoudian. Der Gesichtsschädel lässt das kleine, flache Gesicht und die vorstehenden Wangenknochen der heutigen Chinesen vorausahnen.

Leider fehlen die Zähne, so dass man nicht überprüfen kann, ob die Schneidezahne schaufelförmig sind - heute ein häufiges Merkmal in der asiatischen Bevölkerung. Mit seinen nach vorn weisenden Wangenknochen hatte Dali ein flacheres Gesicht als viele archaische Menschen aus Europa (wie beispielsweise Homo heidelbergensis) oder Afrika, und mit Sicherheit war es viel flacher als bei den Neandertalern. Das Gesicht war relativ gedrungen, aber da sein unterer Teil während der Lagerung im Boden verformt wurde, lässt sich seine Höhe kaum genau messen. Das Gesicht des lebenden Menschen war sicher länger und sprang stärker vor.

Trotz solcher fortgeschrittenen Merkmale ist ein einfaches Bild, wonach der Dali-Schädel das Bindeglied zwischen früheren und späteren chinesischen Homininen darstellt, nicht zu beweisen. In mancherlei Hinsicht ist es schlicht ein typisches Gesicht aus dem mittleren Pleistozän mit Anklängen an die Jetztmenschen von Qafzeh. Wie sich in Analysen der Schädelform gezeigt hat, unterscheidet sich der Dali-Schädel eindeutig sowohl von jüngeren Jetztmenschen aus China (darunter die Schädel aus der Oberen Höhle von Zhoukoudian) als auch von der heutigen chinesischen Bevölkerung.

In seiner Form ähnelt der Fund von Dali sogar eher den heutigen Europäern als den Asiaten, und er hat auch Ähnlichkeiten mit afrikanischen Fossilien aus dem späten mittleren Pleistozän (z.B. mit den von Omo). Statt einer langen regionalen Evolution in China könnte sich in der Form des Dali-Schädels auch die Ausbreitung des Homo heidelbergensis von Europa oder Afrika nach Asien widerspiegeln. Wenn das Alter stimmt, das mit der Uranreihendatierung auf 209.000 ± 23.000 Jahre bestimmt wurde, war Dali vermutlich ein Vorläufer des aus Afrika auswandernden modernen Homo sapiens.


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