SK48 - Schädel von Australopithecus robustus

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Für den schottischen Paläontologen Robert Broom, der am Transvaal Museum in Südafrika arbeitete, standen nie größere Geldmittel zur Verfügung. Er brauchte 1948 aber dringend neue Finanzspritzen und arbeitete deshalb mit dem reichen jungen Amerikaner Wendell Phillips zusammen, der laut Broom "mehr Geld und Geltungsbedürfnis als wissenschaftliche Fähigkeiten besaß" [1].


Da Broom bereits seit mehreren Jahren in Sterkfontein arbeitete, wusste er über das ganze Tal sehr genau Bescheid, so kannte er auch noch eine andere Höhle, die nur knapp einen Kilometer westlich von Sterkfontein lag und Swartkrans hieß. Er hatte die Hoffnung, dort ebenfalls Homininen zu finden und so ging er im November 1948 an die Arbeit. Es dauerte auch tatsächlich nicht lange bis man die linke Hälfte des Unterkiefers eines jugendlichen Homininen mit fünf Backenzähnen, einen einzelnen rechten zweiten Prämolaren und drei Molaren ausgrub.

Broom war sofort klar, dass der kräftige Kiefer und die großen Zähne mit ihrem dicken Zahnschmelz ganz anders waren als die Funde von Sterkfontein auf der anderen Seite des Tales. Er folgte seiner bekannten Neigung für die Benennung neuer Arten und gab dem Kiefer den Namen Paranthropus crassidens. Zwei Monate später veröffentlichte er über den Fund mit der Inventarnummer SK 6 eine Arbeit, in der er ihn als Holotypus wissenschaftlich beschrieb. In dem Artnamen kombinierte er die lateinischen Wörter crassus ("dick", "fest") mit dens ("Zahn"). Für Broom waren nämlich die rundlichen Zahnhöcker und der dicke Zahnschmelz auf den Zahnkronen besonders auffällig.

Die meisten Paläoanthropologen ordnen die Funde von Swartkrans heute zwar als Australopithecus robustus ein, doch gibt es neuerdings das Bestreben, Paranthropus als Gattung wieder einzuführen [1]. Die Ausgrabungen Brooms in Swartkrans hatten eine beachtliche Homininensammlung zur Folge, in der Zähne und Kiefer die meisten Exemplare darstellten. Am 30. Juni 1950 kam durch eine Bergbau-Sprengung in den Sedimenten ein gut erhaltener Schädel zum Vorschein. Der nur geringfügig zerbrochene Fund SK 48 wurde durch die Explosion zwar beschädigt, doch enthielt noch rechts den Eckzahn und ersten Prämolaren sowie links alle drei Molaren.

Der Schädel SK 48 war vor allem deshalb wichtig, weil man durch ihn neue Rückschlüsse auf die charakteristischen, morphologischen Merkmale der der robusten Australopithecinen ziehen konnte. Broom glaubte, der Schädel gehörte einmal einem Weibchen, da er nur einen kleinen Scheitelkamm besitzt. Die kräftigen Jochbeinbögen ragen in Seitenansicht weit nach vorn, so dass der vertiefte Nasenbereich dahinter verschwindet . Der Eckzahn ist wie der gesamte Schneidezahnbereich recht klein, die Backenzähne dagegen haben stattliche Ausmaße - ein typisches Kennzeichen der robusten Australopithecinen [1].

Literatur

[1] Johanson, D. und Edgar, B. 1996. From Lucy to language. New York: Nevraumont


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