KNM-WT 17000 »The Black Skull« - Australopithecus aethiopicus

Kategorie:


FUNDFUNDORTALTERENTDECKERDATUM
adultes CraniumWest Turkana, Kenia2.5 Millionen JahreAlan C. Walker29. August 1985
VERÖFFENTLICHUNG
Walker, A. C., R. E. Leakey, J. M. Harris und F. H. Brown, 1986. 2.5-Myr Australopithecus boisei from west of Lake Turkana, Kenya. Nature 322: 517 - 522. DOI:10.1038/322517a0

Australopithecus aethiopicus existierte vor 2,6 bis 2,3 Millionen Jahren. Bekannt geworden ist die Art durch ein eindrucksvolles Fossil, das 1985 von Alan Walker entdeckt wurde und den Spitznamen „The Black Skull“ erhielt. Die außergewöhnlich dunkle Knochenfärbung des Schädels stammt von der manganhaltigen Erde, in der er eingebettet war. KNM-WT 17000, so der offizielle Name des Fossils, stammt von der Westseite des Turkanasees und und steht mit unserer eigenen Gattung Homo offensichtlich kaum in Verbindung.

Trotzdem kann man aus dem Schädel wichtige Rückschlüsse über das Tempo und und die morphologischen Veränderungen ziehen und er beweist, dass es in der Evolution des Menschen mehrere Abstammungslinien gab, die letztendlich in einer Sackgasse endeten. Australopithecus aethiopicus gehört zu einer sehr erfolgreichen, weit verbreiteten und robusten Linie von Australopithecinen, die länger überlebten als ihre grazilen Verwandten.

Sie entwickelten charakteristische Merkmale im Gebiss, die alle eine Anpassung an wenig gehaltvolle Nahrung waren, darunter riesige Mahlzähne (Molaren) und kräftige Kiefer. Die meisten Exemplare der robusten Australopithecinen haben eine sagittale Knochenleiste oben auf dem Schädel (Scheitelkamm), an der die kräftigen Kaumuskeln befestigt waren. Eindrucksvolle Beispiele dafür sieht man an Schädeln von Australopithecus robustus und Schädeln des ostafrikanischen Australopithecus boisei. Zum Zeitpunkt, als Australopithecus aethiopicus der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, ähnelten menschliche Stammbäume einem Ypsilon, wobei man Australopithecus afarensis an den Ausgangspunkt zweier Linien stellte, von der eine zu den robusten Australopithecinen führte, die andere zu unserer eigenen Gattung Homo. Menschenähnliche Fossilien aus der zeit vor zwei bis drei Millionen Jahren fehlten fast völlig, daher erhoffte man sich neue Erkenntnisse von diesem sehr vollständigen Schädel, der aus einem bis dahin kaum bekannten Zeitraum der menschlichen Evolution stammte.

Australopithecus aethiopicus könnte ein Vorfahr von Australopithecus robustus und Australopithecus boisei gewesen sein, denn er vereint eine verwirrende Mischung aus primitiven und fortschrittlichen Zügen in sich. So ist das Gesicht von einer gewissen Prognathie (Hervorspringen) gekennzeichnet, das Gehirn ist mit 410 cm³ verhältnismäßig klein und einige dickwandige Schädelteile, besonders im hinteren Bereich, sind primitiv und ähneln Australopithecus afarensis. Auf der anderen Seite gibt es einen ausgeprägten Sagittal-Kamm, stark vergrößerte Backenzähne und ein flaches, konkaves Gesicht, was alles abgeleitete, also vererbte Merkmale sind und die erdgeschichtlich jüngeren Australopithecinen charakterisieren.

Wie kam es nun, dass ein Fossil aus Kenia den Namen aethiopicus erhielt? Hier trat ein fast vergessenes Fossil wieder in Erscheinung, das eine französische Expedition 1967 in der Shungura-Formation westlich des Flusses Omo im Süden Äthiopiens gefunden hatte. Die beiden Franzosen Camille Arambourg und Yves Coppens vom College de France ordneten ihren Kiefer-Fund anfangs Paraustralopithecus aethiopicus zu. Nach ihrer Ansicht unterschied er sich durch seine V - Form sowie anderen Charakteristika von den übrigen robusten Australopithecinen, doch die meisten Paläoanthropologen wollten den neuen Namen nicht akzeptieren. Obwohl es sich um einen Kiefer handelte, der mit einem Schädel (17000) nicht direkt vergleichbar war, lieferte der nun wieder zu Ehren gekommene Fund Omo 18-1967-18 einen Artnamen (die Gattungsbezeichnung ließ man fallen) für das aufsehenerregende Stück vom Turkanasee: Australopithecus aethiopicus.

Literatur

Walker, A. C., R. E. Leakey, J. M. Harris und F. H. Brown, 1986. 2.5-Myr Australopithecus boisei from west of Lake Turkana, Kenya. Nature 322: 517 - 522. DOI:10.1038/322517a0

Leakey, R. and Lewin, R. 1992. Origins reconsidered. Little, Brown and Co. London


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
CKT 43
CKT 43

Homo erectus

Elemente: L. LM2

Zhoukoudian, China

10.12.2020
Fossilien zeigen Folgen der Ozeanerwärmung auf
Forschende aus Berlin und Großbritannien haben die ökologischen Auswirkungen einer raschen und ungewöhnlich intensiven Phase der Klimaerwärmung während der Jurazeit vor etwa 182 Millionen Jahren auf die Meeresfauna erforscht.
03.12.2020
Das älteste “Ortsnamenschild” der Welt
Wissenschaftler der Universität Bonn haben zusammen mit dem Ägyptischen Antikenministerium das älteste Ortsnamenschild der Welt entschlüsselt.
30.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
25.11.2020
Treue Paare im Regenwald
Rote Springaffen verzichten auf Seitensprünge.
24.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Millionen Jahren als Ursache für die Ausbreitung der weithin bekannten Langhalssaurier (Sauropoden).
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge so nicht früh genug vielfältige Nährstoffe für eine Höherentwicklung des Gehirns erhielten.
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde sich nur teilweise mit der des Menschen deckt.
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten menschlichen Fossils, das bis jetzt in der Mongolei gefunden wurde, analysiert: Die 34.000 Jahre alte Frau hatte rund 25 Prozent ihrer DNA von Westeurasiern geerbt.
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler durch Experimente mit einer künstlichen Grammatik herausgefunden. Daraus lässt sich schliessen, dass diese Fähigkeit auf gemeinsame Vorfahren zurückgeht.
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und den vorgelagerten Steppen durch bronzezeitliche Viehhalter im heutigen Süden Russlands.
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde im vergangenen Jahrtausend ausgerottet.
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp berichtet über einen Reaktionsweg, bei dem sich Zucker an Mineralien ohne Wasser bilden.
14.10.2020
Der moderne Mensch kam auf Umwegen nach Europa
Klimatische Bedingungen leiteten die geographische Ausbreitung von Homo sapiens in der Levante vor 43.000 Jahren.
12.10.2020
Reiter wetteiferten vor 3000 Jahren um die ältesten Lederbälle Eurasiens
Wissenschaftler haben in Gräbern von Reitern in Nordwest-China die ältesten Bälle Eurasiens untersucht.
08.10.2020
Forscher rekonstruieren Käfer aus der Kreidezeit
Ein internationales Forscherteam hat vier neu gefundene Exemplare der fossilen Käfer Mysteriomorphidae mithilfe der Computertomographie untersucht und weitestgehend rekonstruieren können. Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse auf die Evolution der Arten während der Kreidezeit zu.
01.10.2020
Jagdverhalten säbelzahntragender Raubtiere erforscht
Ein internationales Team von Forschenden aus dem Vereinigten Königreich und Spanien sowie unter Beteiligung vom Museum für Naturkunde in Berlin, untersuchten über 60 verschiedene säbelzahntragende Tierarten.
25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in der Zeitschrift Science Advances, veröffentlichte Studie ca.
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat die Y-Chromosomen-Sequenzen von drei Neandertalern und zwei Denisova-Menschen bestimmt.
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabungen durch.
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzögertes Wachstum und gesundheitliche Probleme können die Folgen sein.
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspermien. Offenbar hatte das winzige Krustentier sich kurz zuvor gepaart, ehe es im Baumharz eingeschlossen wurde.
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) hat den Einfluss der Umweltvariabilität auf das Verhaltensrepertoire von 144 sozialen Gruppen untersucht.
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa.