KNM-WT 17000 »The Black Skull« - Australopithecus aethiopicus

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Australopithecus aethiopicus existierte vor 2,6 bis 2,3 Millionen Jahren. Bekannt geworden ist die Art durch ein eindrucksvolles Fossil, das 1985 von Alan Walker entdeckt wurde und den Spitznamen „The Black Skull“ erhielt. Die außergewöhnlich dunkle Knochenfärbung des Schädels stammt von der manganhaltigen Erde, in der er eingebettet war. KNM-WT 17000, so der offizielle Name des Fossils, stammt von der Westseite des Turkanasees und und steht mit unserer eigenen Gattung Homo offensichtlich kaum in Verbindung.

Trotzdem kann man aus dem Schädel wichtige Rückschlüsse über das Tempo und und die morphologischen Veränderungen ziehen und er beweist, dass es in der Evolution des Menschen mehrere Abstammungslinien gab, die letztendlich in einer Sackgasse endeten. Australopithecus aethiopicus gehört zu einer sehr erfolgreichen, weit verbreiteten und robusten Linie von Australopithecinen, die länger überlebten als ihre grazilen Verwandten.


Sie entwickelten charakteristische Merkmale im Gebiss, die alle eine Anpassung an wenig gehaltvolle Nahrung waren, darunter riesige Mahlzähne (Molaren) und kräftige Kiefer. Die meisten Exemplare der robusten Australopithecinen haben eine sagittale Knochenleiste oben auf dem Schädel (Scheitelkamm), an der die kräftigen Kaumuskeln befestigt waren. Eindrucksvolle Beispiele dafür sieht man an Schädeln von Australopithecus robustus und Schädeln des ostafrikanischen Australopithecus boisei. Zum Zeitpunkt, als Australopithecus aethiopicus der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, ähnelten menschliche Stammbäume einem Ypsilon, wobei man Australopithecus afarensis an den Ausgangspunkt zweier Linien stellte, von der eine zu den robusten Australopithecinen führte, die andere zu unserer eigenen Gattung Homo. Menschenähnliche Fossilien aus der zeit vor zwei bis drei Millionen Jahren fehlten fast völlig, daher erhoffte man sich neue Erkenntnisse von diesem sehr vollständigen Schädel, der aus einem bis dahin kaum bekannten Zeitraum der menschlichen Evolution stammte.

Australopithecus aethiopicus könnte ein Vorfahr von Australopithecus robustus und Australopithecus boisei gewesen sein, denn er vereint eine verwirrende Mischung aus primitiven und fortschrittlichen Zügen in sich. So ist das Gesicht von einer gewissen Prognathie (Hervorspringen) gekennzeichnet, das Gehirn ist mit 410 cm³ verhältnismäßig klein und einige dickwandige Schädelteile, besonders im hinteren Bereich, sind primitiv und ähneln Australopithecus afarensis. Auf der anderen Seite gibt es einen ausgeprägten Sagittal-Kamm, stark vergrößerte Backenzähne und ein flaches, konkaves Gesicht, was alles abgeleitete, also vererbte Merkmale sind und die erdgeschichtlich jüngeren Australopithecinen charakterisieren.

Wie kam es nun, dass ein Fossil aus Kenia den Namen aethiopicus erhielt? Hier trat ein fast vergessenes Fossil wieder in Erscheinung, das eine französische Expedition 1967 in der Shungura-Formation westlich des Flusses Omo im Süden Äthiopiens gefunden hatte. Die beiden Franzosen Camille Arambourg und Yves Coppens vom College de France ordneten ihren Kiefer-Fund anfangs Paraustralopithecus aethiopicus zu. Nach ihrer Ansicht unterschied er sich durch seine V - Form sowie anderen Charakteristika von den übrigen robusten Australopithecinen, doch die meisten Paläoanthropologen wollten den neuen Namen nicht akzeptieren. Obwohl es sich um einen Kiefer handelte, der mit einem Schädel (17000) nicht direkt vergleichbar war, lieferte der nun wieder zu Ehren gekommene Fund Omo 18-1967-18 einen Artnamen (die Gattungsbezeichnung ließ man fallen) für das aufsehenerregende Stück vom Turkanasee: Australopithecus aethiopicus.

Literatur

Walker, A. C., R. E. Leakey, J. M. Harris und F. H. Brown, 1986. 2.5-Myr Australopithecus boisei from west of Lake Turkana, Kenya. Nature 322: 517 - 522. DOI:10.1038/322517a0

Leakey, R. and Lewin, R. 1992. Origins reconsidered. Little, Brown and Co. London


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