Sts 5 - »Mrs. Ples« Australopithecus africanus

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FUNDFUNDORTALTERENTDECKERDATUM
adultes CraniumSterkfontein, Südafrika2,5 Millionen JahreRobert Broom und John T. Robinson18. April 1947
VERÖFFENTLICHUNG
Broom, R., 1947. Discoveries of a new Skull of the South African ape-man Plesianthropus. Nature 159: 672. DOI: 10.1038/159672a0

Raymond Darts Überlegungen, bei dem Kind von Taung handele es sich um eine neue Spezies von menschlichen Vorfahren, stießen in der Fachwelt fast überall auf Ablehnung. Nicht so bei Robert Broom, einem eher exzentrischen Charakter: Kurz nach der Veröffentlichung von Australopithecus africanus reiste er nach Johannesburg und soll in Darts Labor auf die Knie gefallen sein - „zur Verehrung unseres Vorfahren“, wie er gesagt haben soll [1]. Robert Broom war gebürtiger Schotte und kam 1897 über Australien nach Südafrika, wo er sich von den säugetierähnlichen Reptilien der Karoo-Wüste neue Erkenntnisse über die Evolution erhoffte.

Im August 1936 ließ er sich von Studenten Darts zu einem nordwestlich von Johannesburg gelegenen Kalksteinbruch führen. Die Arbeiten beaufsichtigte G. W. Barlow, der nebenbei an Touristen ein paar Fossilien verkaufte, die er in der Höhle Sterkfontein gefunden hatte. Broom bat Barlow, sein Augenmerk auf Fundstücke zu richten, die auch nur entfernt einem Homininen ähnelten.

Schließlich fand man zwei Drittel eines Schädelinnenabdrucks, der Broom sofort an Darts Kinderschädel aus Taung erinnerte. Als er die Brekzie nach weiteren Fossilien absuchte, fand er Fragmente eines Oberkiefers, ein paar Zähne, eine Schädelbasis Teile eines Gehirnschädels. Broom war bekannt für die schnelle Definition einer neuen Art, und benannte er das Fundstück mit der Inventarnummer TM 1511 als Australopithecus transvaalensis, schon 1938 re-klassifizierte er ihn zu Plesianthropus transvaalensis, was soviel bedeutet wie „Fast-Mensch aus Transvaal“.

Nach einer Pause während des Zweiten Weltkrieges nahmen Broom 1947, inzwischen schon über 80, und sein Assistent John T. Robinson die Fossiliensuche in Sterkfontein wieder auf. Die Gesteinsschichten dort mussten wegen ihrer Festigkeit gesprengt werden - nachdem der Rauch des Dynamits verzogen war, fanden sie am 18. April im Trümmergestein das Cranium eines offensichtlich erwachsenen Australopithecus. Durch die Explosion zerbrach der Schädel in zwei Teile und man konnte in die mit Kristallen besetzte Gehirnhöhle blicken.

Der Fund bekam die Bezeichnung Sts 5 und wurde in vielen Wochen mühsamer Laborarbeit von anhaftendem Schmutz und Gestein befreit. Nach Abschluss der Arbeiten hielt Broom einen fast vollständigen Schädel ohne Zähne in Händen. Da die beiden Forscher glaubten, die Überreste stammten von einem Weibchen mittleren Alters, vergaben sie den Spitznamen „Mrs. Ples“, was eine Abkürzung des ursprünglichen Gattungsnamen Plesianthropus sein soll.

Nachdem Broom und Robinson die anatomische Details an der inneren Schädelunterseite und den Augenhöhlen analysiert hatten, schlossen sie daraus, dass „diese menschenähnlichen Geschöpfe mit ihrem kleinen Gehirn nahezu Menschen gewesen seien“ [1]. Musste sich Dart mit seinem Kind von Taung noch Hohn und Spott gefallen lassen, so wurden nun die südafrikanischen Australopithecinen allgemein als Homininen anerkannt. Betrachtete man den Erwachsenenschädel Sts 5, so konnte kaum einer mehr der Meinung sein, bei dem Kind von Taung handele es sich einfach nur um einen jungen Affen. Sts 5 bewies zweifelsfrei, dass das Kind von Taung, wäre es nicht einem großen Greifvogel zum Opfer gefallen, sich nicht zu einem Affen entwickelt hatte.


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