Die Besiedlung der Erde - Die ersten Amerikaner

Kategorie:


Die ersten Menschen, die den amerikanischen Kontinent betraten, gehörten vermutlich zu einer Gruppe von Jägern und Sammlern, die den eiszeitlichen Lebensraum westlich der Beringstraße, also in Nordasien, bereits im späten Pleistozän besiedelt hatten. Das war lange bevor sich der moderne nordasiatische Menschentyp ausgeprägt hatte, zu dem man heute auch alle modernen Menschen der heutigen Indianerstämme zählt. So wie es aussieht, bahnte sich zunächst eine archaische Form des Homo sapiens ihren Weg von Afrika nach Asien, um dann von dort aus Australien und Amerika zu besiedeln. Erst viel später folgte den ersten Amerikanern jener Menschentyp, den wir heute im allgemeinen Sprachgebrauch als Indianer bezeichnen.

Alles scheint für eine Theorie der unabhängigen Einwanderungswellen zu sprechen. Alle heute lebenden Indianer Amerikas kann man zum mongoloiden Menschentyp rechnen, ebenso alle Menschenfossilien Amerikas, die jünger als 8.000 Jahre sind. Ältere Fossilien hingegen sind ausnahmslos nicht-mongoloid. Es scheint, als ob es keine Übergänge oder allmähliche Entwicklungen in Amerika selbst gab. Es sieht vielmehr so aus, als ob vor 8.000 Jahren plötzlich andere Menschen aus dem nordost-asiatischen Raum einwanderten und die ersten Ur-Amerikaner verdrängten. Manche Wissenschaftler glauben, vier solcher Einwanderungswellen ausmachen zu können, aber der Kern der Sache bleibt der gleiche: Zunächst kamen Nicht-Mogoloide, dann, als die Mongoloiden den Kontinent betraten, wurde die alte Bevölkerung ersetzt.

Archäologen können dies unter anderem in Zentralbrasilien an einem Wechsel der Steinwerkzeugkultur vor 9.000 bis 7.000 Jahren festmachen. Wie und wann genau die erste Einwanderung - die der nicht-mongoloiden Population - stattfand, vermag die Wissenschaft heute noch nicht zu sagen.

Die Menschen von Clovis und ihre Kultur

In der Nähe der Kleinstadt Folsom, New Mexico, entdeckte 1908 der Vorarbeiter George McJunkin bei seinem Kontrollritt auf der Crowfoot Ranch einige Tierknochen, die nach einem Gewitter aus der Erde ragten. Als Arbeiter der Ranch erkannte er sofort, dass es keine Rinderknochen waren. Sie ähnelten eher denen eines Bisons, doch dafür waren sie eigentlich zu groß. Erst im Sommer 1926 - 18 Jahre später - wurden diese Knochen durch Paläontologen des Naturhistorischen Museums von Colorado als die eines ausgestorbenen Alt-Bisons identifiziert.

Die Wissenschaftler fanden aber noch etwas anderes: Pfeilspitzen und Klingen aus Stein, die als Schlachtwerkzeug gedient haben könnten. Die Paläontologen holten sich Rat bei den führenden Archäologen jener Zeit, und so dauerte es leider weitere drei Jahre, bis man erkannte, dass in Nordamerika bereits viel länger Menschen gelebt haben mussten, als man es bislang für möglich hielt. Die Pfeilspitzen sind heute unter dem Namen Folsom-Spitzen bekannt.

Doch die Hersteller dieser Jagdwaffen waren nicht die ersten Amerikaner, wie sich bald herausstellte. 1932 legte in Colorado ein über die Ufer getretener Fluss nach einem Unwetter die Überreste von Mammuts frei. Bei den anschließenden Ausgrabungen entdeckte man neben den Mammutknochen auch zwei Pfeilspitzen, die etwas anders aussahen als die Folsom-Spitzen. Wie man heute weiß, gehören diese Spitzen zur Clovis-Kultur. Ihren Namen verdankt die Clovis-Kultur einer Reihe von Funden, die man in Blackwater Draw, einem kleinen Ort nahe der Kleinstadt Clovis im Osten New Mexicos machte. Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten wurden hier (Blackwater Locality no. 1) zwischen 1932 und 1936 von Dr. E. B. Howard und Dr. John Cotter durchgeführt.

Funde von Clovis-Spitzen blieben nicht auf New Mexico beschränkt - man fand sie in der Folgezeit auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent - doch keiner wusste so recht, wie alt die Clovis-Spitzen eigentlich sind. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts fehlte es noch an einer zuverlässigen Methode zur Altersbestimmung. Erst in den 1950er Jahren entwickelte der Chemiker Willard Libby die Radiokarbon-Methode, die auf dem Zerfall eines radioaktiven Kohlenstoffisotops (C14) beruht und mit dem sich das Alter von kohlenstoffhaltigen Fundstücken bestimmen lässt. Da mit den Steinklingen oft Reste von Knochen und Holzkohle gefunden wurden, konnte man das Herstellungsdatum aller Werkzeuge von allen Fundorten auf 10.800 bis 11.200 Jahre v. Chr. eingrenzen. Da bis 1932 und in den Folgejahren auf beiden amerikanischen Kontinenten keine älteren Funde gemacht wurden, nahm man lange an, dass die Clovis-Menschen die ersten Amerikaner waren. Die »Clovis-first« Theorie war geboren.

Doch diese Hypothese wurde bald angezweifelt. Wenn die Clovis-Menschen die ersten Amerikaner waren, dann mussten sie beide Kontinente, Nord- und Südamerika in nur wenigen Jahrhunderten besiedelt haben. War das in dieser kurzen Zeit überhaupt möglich? Waren die Clovis-Menschen während der letzten Eiszeit durch einen eisfreien Korridor des amerikanischen Eisschildes eingewandert? Sehr viel später sollte sich herausstellen, dass es diesen Korridor zwar gab, jedoch nicht zur fraglichen Zeit. Trotzdem scheint sich die Clovis-Kultur vor etwa 11.200 Jahren schlagartig über den ganzen nordamerikanischen Kontinent ausgebreitet zu haben. Woher kamen die Clovis-Menschen? Ihre Speerspitzen wurden weder in Sibirien noch in Asien noch in Alaska gefunden. Ihre Werkzeuge lassen sich höchstens mit der Solutréen-Kultur vergleichen, doch die stammt aus Frankreich und Spanien. Gibt es also eine Verbindung zum eiszeitlichen Europa? Sind europäische Eiszeitmenschen entlang des atlantischen Packeises nach Amerika gelangt? Eine gewagte Hypothese, die nur wenig Anhänger findet.

Die Wissenschaftler fanden aber noch etwas anderes: Pfeilspitzen und Klingen aus Stein, die als Schlachtwerkzeug gedient haben könnten. Die Paläontologen holten sich Rat bei den führenden Archäologen jener Zeit, und so dauerte es leider weitere drei Jahre, bis man erkannte, dass in Nordamerika bereits viel länger Menschen gelebt haben mussten, als man es bislang für möglich hielt. Die Pfeilspitzen sind heute unter dem Namen Folsom-Spitzen bekannt.

Doch die Hersteller dieser Jagdwaffen waren nicht die ersten Amerikaner, wie sich bald herausstellte. 1932 legte in Colorado ein über die Ufer getretener Fluss nach einem Unwetter die Überreste von Mammuts frei. Bei den anschließenden Ausgrabungen entdeckte man neben den Mammutknochen auch zwei Pfeilspitzen, die etwas anders aussahen als die Folsom-Spitzen. Wie man heute weiß, gehören diese Spitzen zur Clovis-Kultur. Ihren Namen verdankt die Clovis-Kultur einer Reihe von Funden, die man in Blackwater Draw, einem kleinen Ort nahe der Kleinstadt Clovis im Osten New Mexicos machte. Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten wurden hier (Blackwater Locality no. 1) zwischen 1932 und 1936 von Dr. E. B. Howard und Dr. John Cotter durchgeführt.

Funde von Clovis-Spitzen blieben nicht auf New Mexico beschränkt - man fand sie in der Folgezeit auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent - doch keiner wusste so recht, wie alt die Clovis-Spitzen eigentlich sind. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts fehlte es noch an einer zuverlässigen Methode zur Altersbestimmung. Erst in den 1950er Jahren entwickelte der Chemiker Willard Libby die Radiokarbon-Methode, die auf dem Zerfall eines radioaktiven Kohlenstoffisotops (C14) beruht und mit dem sich das Alter von kohlenstoffhaltigen Fundstücken bestimmen lässt. Da mit den Steinklingen oft Reste von Knochen und Holzkohle gefunden wurden, konnte man das Herstellungsdatum aller Werkzeuge von allen Fundorten auf 10.800 bis 11.200 Jahre v. Chr. eingrenzen. Da bis 1932 und in den Folgejahren auf beiden amerikanischen Kontinenten keine älteren Funde gemacht wurden, nahm man lange an, dass die Clovis-Menschen die ersten Amerikaner waren. Die »Clovis-first« Theorie war geboren.

Doch diese Hypothese wurde bald angezweifelt. Wenn die Clovis-Menschen die ersten Amerikaner waren, dann mussten sie beide Kontinente, Nord- und Südamerika in nur wenigen Jahrhunderten besiedelt haben. War das in dieser kurzen Zeit überhaupt möglich? Waren die Clovis-Menschen während der letzten Eiszeit durch einen eisfreien Korridor des amerikanischen Eisschildes eingewandert? Sehr viel später sollte sich herausstellen, dass es diesen Korridor zwar gab, jedoch nicht zur fraglichen Zeit. Trotzdem scheint sich die Clovis-Kultur vor etwa 11.200 Jahren schlagartig über den ganzen nordamerikanischen Kontinent ausgebreitet zu haben. Woher kamen die Clovis-Menschen? Ihre Speerspitzen wurden weder in Sibirien noch in Asien noch in Alaska gefunden. Ihre Werkzeuge lassen sich höchstens mit der Solutréen-Kultur vergleichen, doch die stammt aus Frankreich und Spanien. Gibt es also eine Verbindung zum eiszeitlichen Europa? Sind europäische Eiszeitmenschen entlang des atlantischen Packeises nach Amerika gelangt? Eine gewagte Hypothese, die nur wenig Anhänger findet.

Die zum Teil schweren Verletzungen am Skelett zeugen von einem harten Leben, so stammen die gebrochenen Rippen und sein verletzter linker Arm vermutlich von einem Jagdunfall; sein Schädel trug indes Anzeichen von einem Zweikampf: Der Kennewick-Mann wurde von einem von vorn kommenden, rechtshändigen Angreifer mit einem Schlag auf den Kopf getroffen. Doch am bemerkenswertesten ist eine verheilte Wunde, die von einer Speerspitze in seiner rechten Hüfte stammte. War es ein Jagdunfall oder ein Mordanschlag? Jedenfalls hat diese Wunde nicht den unmittelbaren Tod herbeigeführt.

Was können uns also die wenigen Skelettfunde über die ersten Amerikaner verraten? Alle Paläoindianer - zu ihnen zählt man auch den Kennewick-Mann - die älter als 8000 Jahre sind, haben sogenannte »kaukasoide Merkmale« und sehen deutlich anders aus als die heute lebenden Indianer und die Völker Nordasiens sowie Sibiriens, die alle »mongoloide Merkmale« aufweisen. Dies stellt die Annahme in Frage, wonach die Erstbesiedler Amerikas mongoloider Abstammung waren.

»Luzia«

Schädel und Rekonstruktion von Luzia. Einige Wissenschaftler nehmen eine Verwandtschaft mit archaischen, australischen Homo-sapiens-Gruppen an. Vermessungen an verschiedenen Schädeln ließen kaum Zweifel zu, so die Wissenschaftler

Neben dem Kennewick-Mann ist Luzia das wohl bekannteste Skelett Amerikas. Es wird in Rio de Janeiro aufbewahrt und wurde unter einem Felsüberhang bei Lapa Vermelha im Osten Brasiliens gefunden. Eine neuerliche Altersbestimmung ergab, dass Luzia vor ca. 11.500 Jahren noch vor dem Auftauchen der Clovis-Kultur lebte. Seinen Namen hat das weibliche Skelett in Anlehnung an die berühmten Knochen eines Australopithecus afarensis, genannt Lucy, bekommen.

Luzias und andere, jüngere Schädel wurden mit statistischen Methoden vermessen und dann mit modernen Populationen aus aller Welt verglichen. Eigentlich wollte man Belege für die Standardtheorie liefern, wonach die ersten Amerikaner aus Nordasien, bzw. Sibirien über die Beringstraße einwanderten und nicht etwa aus anderen Regionen der Welt stammten. Doch der Vergleich lieferte keine Ähnlichkeiten mit modernen nordasiatischen Menschen und so dehnte man die Untersuchungen und Vergleiche auf andere Populationen des anatomisch modernen Menschen aus, so auf australische Fossilien und auf die Schädel aus der Upper Cave in Zhoukoudian, China, die alle zu einer archaischen Form des Homo sapiens gezählt werden. Diese Untersuchungen brachten sowohl eine gewisse Ähnlichkeit mit den Upper Cave Menschen als auch mit den australischen Fossilien zutage. Man versuchte, diese Ähnlichkeit damit zu erklären, dass die ersten Australier und die ersten Amerikaner ähnlich ausgesehen haben könnten, weil sie gemeinsame Vorfahren in Asien hatten. Während die einen nordwärts wanderten und schließlich Nord- und Südamerika besiedelten, zogen die anderen nach Süden, besiedelten Südostasien und schließlich Australien.

Allerdings sind solche Aussagen nur unter Vorbehalt zu machen. Problematisch ist es, wenn aus einigen wenigen Skelettfunden auf Wanderungswellen geschlossen werden soll, denn Knochen spiegeln nicht nur das genetische Erbe, sondern auch die Lebensbedingungen wider. Ernährung, Klima und Krankheiten schlagen sich ebenfalls in den Knochen nieder. Ein weiteres Problem besteht darin, dass Statistik zwar ein mächtiges Werkzeug ist, aber nur dann, wenn ausreichend viele Einzelproben untersucht werden können. Und die gibt es bei den frühen Menschen Amerikas nicht.

Monte Verde

Eine außergewöhnliche Fundstätte ist Monte Verde in Süd-Chile. Sie liegt südlich der chilenischen Stadt Valdivia, etwa auf dem 40. südlichen Breitengrad. Das Klima wird vom Südpazifik bestimmt und es regnet 250 Tage im Jahr, nachts kann es auch im Sommer empfindlich kalt werden. In dieser Umgebung mit Sanddünen, Marschlandschaften, Galeriewäldern, offenen Wiesen und Mangrovenwäldern hat man zwei archäologische Fundschichten aus unterschiedlichen Zeiten freigelegt, die beide älter sind als die Clovis Kultur. Die eine stammt aus der Zeit vor 12.700 Jahren, die anderen Spuren sind mit 33.000 Jahren wesentlich älter, was dazu führte, dass diese Datierung von vielen Wissenschaftlern angezweifelt wird.

Die Menschen von Monte Verde, die vor 12.700 Jahren hier lebten, errichteten nicht nur einfache Zelte für ein vorübergehendes Lager. Sie ließen sich nieder und steckten sehr viel Arbeit in diese Siedlung. Die Hütten wurden mit Mastodon-Häuten abgedeckt, bzw. der Boden damit ausgelegt, was belegt, dass diese Menschen trotz (vermuteter) Sesshaftigkeit weiterhin auf die Jagd gingen. Sie lebten grundsätzlich anders als die nomadisch lebenden Clovis-Menschen in den Great Plains Nordamerikas. Zwar waren auch sie Sammler und Jäger, dennoch lebten sie in einer dauerhaften Siedlung, in Behausungen, die wiederum in separate Schlafkammern unterteilt waren. Die soziale Struktur dieser etwa 20 bis 30 Köpfe zählenden Gemeinschaft scheint sich stark von derjenigen der nomadisch lebenden Sammler- und Jägergemeinschaften der Prärien zu unterscheiden.

Die Landschaft um Monte Verde war auch vor 12.700 Jahren ökologisch ähnlich vielfältig wie heute. Die Fundstelle liegt unter einer Torfschicht, die den Sauerstoff ferngehalten und somit die vollständige Zersetzung von Pflanzen- und anderem organischen Material verhindert hat. So kamen bei den Ausgrabungen die unterschiedlichsten Arten von Pflanzen zu Tage. Die Reste zeigen, dass die Natur den Menschen als Nutzgarten diente und es ist bereits ein Übergang zum Ackerbau zu erkennen. Mit Steinwerkzeugen und Holz wurde bereits Getreide gemahlen und zum Speiseplan gehörten heimische ebenso wie von anderen Gebieten stammende, wilde Kartoffelarten. Es gibt auch Hinweise auf bewusstseinsverändernd wirkende Pflanzen, die in unmittelbarer Umgebung der Siedlung angebaut wurden. Die Natur versorgte diese Menschen also offenbar auch mit Medizin, nicht nur mit Nahrung.

Die Vorfahren der heutigen Ureinwohner

Die Vorfahren der heutigen Indianer kamen aus Sibirien, soviel scheint festzustehen. Genetische Analysen sowie Untersuchungen der Paläo-Umwelt deuten darauf hin, dass sie den letzen Schritt auf den amerikanischen Kontinent aber erst machten, nachdem sie rund 10.000 Jahre lang auf der Bering-Landbrücke eine Pause einlegten.

Während der langen Eiszeit waren Sibirien und Alaska durch die Bering-Landbrücke miteinander verbunden, die - ganz anders als der Name vermuten läßt - ein wirklich riesiges Gebiet nördlich und südlich von Sibirien und Alaska war, und das heute unter der Tschuktschen-See, der Bering-Straße und dem Bering-Meer liegt. In seiner größten Ausdehnung war Beringia von Norden nach Süden bis zu 1.600 Kilomenter lang und erstreckte sich über etwa 4.800 Kilometer ostwärts vom sibirischen Werchojansker Gebirge bis zum Fluß Mackenzie in Kanada.

Während der letzten Eiszeit erstreckten sich dicke Gletscher bis in den Norden der heutigen Vereinigten Staaten, der Meeresspiegel sank um etwa 125 Meter. Die Eisschilde reichten bis nach Wyoming, Wisconsin und Ohio und bedeckten den nordwestlichen Pazifik. In den großen Weiten Sibiriens und Beringias war es zwar ebenfalls eiskalt, allerdings gab es dort keine Gletscher. Viele Wissenschaftler sind daher der Meinung, dass die Vorfahren der heutigen "Native Americans" nahezu 10.000 Jahre lang auf der Bering-Landbrücke ausharrten, bevor sie, nachdem das Gletschereis geschmolzen war und sich so Wege für eine Migration auftaten, ab etwa 25.000 Jahren bis 15.000 Jahren vor heute nach Nordamerika einwanderten.

Der Anthropologe Dennis O´Rourke von der University of Utah und zwei Kollegen berichten in der Februar-Ausgabe (2014) der Zeitschrift Science über ihre Forschungsarbeit. Die Wissenschaftler haben sich es in ihrer Arbeit zur Aufgabe gemacht, verschiedene Beweise aus der Genetik sowie der Paläoumwelt für eine menschliche Besiedlung auf der Bering-Landbrücke - auch Beringia genannt - in Einklang zu bringen, obwohl archäologischen Beiweise für solch eine Besiedlung fehlen.

"Niemand bestreitet, dass die Vorfahren der amerikanischen Ureinwohner während des "letzten glazialen Maximums, dem Höhepunkt der letzten Eiszeit" von 28.000 bis vor mindestens 18.000 Jahren über den Landweg oder entlang der Küste der Bering-Landbrücke einwanderten", sagt O´Rourke und fügt hinzu: "Das Fehlen von archäologischen Stätten und die unwirtliche Natur der offenen, baumlosen Tundra sind der Grund, warum Archäologen kaum an die Idee glaubten, dass die heute im Meer versunkene Bering-Landbrücke über Tausende von Jahren von Menschen bevölkert war".

Paläo-Ökologen - das sind Wissenschaftler, die vergangene Umweltbedingungen rekonstruieren - haben in den letzten Jahren Bohrkerne aus dem Beringmeer und den Sumpfgebieten Alaskas geholt. Diese Sedimentproben enthielten Pollen sowie Fossilien von Pflanzen und Insekten, die darauf hindeuten, dass die Bering-Landbrücke nicht nur eine karge, grasbewachsene Tundra war, sondern dass es auch "Refugien" gab, Gebiete mit buschigen Sträuchern und sogar Bäumen wie Fichten, Birken, Weiden und Erlen.

Diese Umwelt mit Bäumen und Sträuchern war ganz anders als die offene Grassteppe. Es waren Rückzugsgebiete, wo die Menschen auf Ressourcen zugreifen konnten, die ihnen das Leben auf der Bering-Landbrücke während der letzten Eiszeit ermöglichten. Das war vielleicht auch entscheidend für das Überleben dieser Menschen, weil sie Holz für den Bau von Hütten und für Lagerfeuer hatten. Sonst hätten sie Knochen verwendet, die aber schwer zu verbrennen sind."

Die Theorie, dass Menschen die Bering-Landbrücke für einige 10.000 Jahre bewohnten, könnte erklären, warum sich das Genom der "Native Americans" von dem seines asiatischen Vorfahren unterscheidet. Für die genetischen Studien haben Wissenschaftler um Professor Laurent Excoffier und Nicolas Ray vom Zoologischen Institut der Universität Bern Genproben von 24 Völkern aus zehn Ländern Nord-, Mittel- und Südamerikas gesammelt und mit Genproben anderer Völker, darunter solchen aus Sibirien, verglichen. Daraus ließen sich Schlüsse ziehen über die genetische Vielfalt und Verwandtschaft sowie über Migrationswege der einzelnen Völker. Die Studie fand heraus, dass das einzigartige Genom (oder der genetische Bauplan) der Indianer bereits irgendwann vor 25.000 Jahren entstand, sich aber erst vor etwa 15.000 Jahren nach Nord- und Südamerika ausbreitete.

Es existierte also irgendwo in Beringia eine beträchtliche Bevölkerung, isoliert vom restlichen Asien, während dessen sich das Genom aus dem asiatischen Eltern-Genom differenzierte. Die Forscher um O´Rourke haben Beringia als Lebensraum für diese isolierte Population vorgeschlagen und meinen, dass sie für mehrere tausend Jahre dort existierte, bevor die Mitglieder dieser Bevölkerung südwärts nach Nordamerika und schließlich Südamerika wanderten, als die sich zurückziehenden Gletscher eisfreie Korridore für eine Migration freigaben.

"Irgendwann unterschied sich die genetische Blaupause, die die heutigen amerikanischen Ureinwohner definiert, von dieser asiatischen Abstammung", erklärt er. "Der einzige Weg, wie das passieren konnte, war eine längere Isolation der Bevölkerung. Die meisten von uns glauben nicht, dass diese Isolation in Sibirien stattfand, weil wir keinen Ort kennen, wo eine Bevölkerung ausreichend isoliert hätte werden können. Sie wären an ihrer Peripherie immer mit anderen asiatischen Gruppen in Kontakt gekommen."

Genetische und paläoökologische Belege

Lange Zeit dachte man, dass die Landbrücke eine einheitliche Tundrasteppe war - windgepeitschtes Grasland ohne Sträucher und Bäume. Aber in den letzten Jahren haben Sedimentkerne aus dem Bering-Meer und entlang der Küste Alaskas - die heute unter Wasser liegenden Niederungen von Beringia - Pollen von Bäumen und Sträuchern zutage gefördert.

Das deutet darauf hin, dass Beringia keine einheitliche Steppe war, sondern ein Flickenteppich von unterschiedlichen Umgebungen, einschließlich großer Bereiche mit Strauch-Tundren, die wahrscheinlich Refugien für eine archäologisch kaum greifbare Bevölkerung waren, da das ehemalige Beringia-Tiefland heute untergetaucht ist. Wahrscheinlich gab es im Hochland dieser Steppe große Herdentiere wie Bisons und Mammuts. Viele kleinere Tiere wie Vögel, Elche und Wapitis (die Sträucher statt Gras abweiden) konnten in der Strauch-Tundra ebenfalls angetroffen werden.

Andere Untersuchungen zeigen, dass in großen Teilen von Beringia durchschnittliche Sommertemperaturen vorherrschten, die - vor allem im Tiefland - nahezu identisch mit heute dort herrschenden Temperaturen waren, in einigen Regionen vielleicht etwas kühler. Die lokalen Umweltbedingungen waren wahrscheinlich nicht so schlimm, wie man allgemein angenommen hat. Aber im Winter ging man wahrscheinlich in Deckung, denn es konnte bitterkalt werden.

Unter den Forschern, die sich mit den Wanderungen der frühen Indianer nach dem Rückzug der Gletscher und dem Anstieg des Meeresspiegels beschäftigen, gibt es schon lange die Vorstellung, dass viele Belege der menschlichen Migration nach Nordamerka (und weiter nach Süden entlang der Pazifikküste) heute vom Meer bedeckt sind. Dies könnte auch die Knappheit von archäologischen Stätten im heutigen Alaska und Sibirien erklären. Diese Regionen waren nämlich unwirtliches Hochland, als die Beringia-Landbrücke existierte.

Trotzdem sind O´Rourke und seine Kollegen der Meinung, dass archäologische Stätten dort gefunden werden können, wenn der lange Zwischenstopp der Menschen in Beringia bestätigt wird. Obwohl die meisten dieser Stellen heute unter Wasser sind, könnten einige Zeugnisse menschlicher Besiedlung auch über dem Meeresspiegel gefunden werden, und zwar in den tiefer gelegenen Teilen von Alaska und im Osten der Tschuktschen-Halbinsel in Russland.

Literatur

J. F. Hoffecker, S. A. Elias, D. H. O´Rourke. 2014. Out of Beringia?Science, 2014; 343 (6174): 979

DOI: 10.1126/science.1250768


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
W 7-559i
W 7-559i

Australopithecus afarensis

Elemente: R. LM2 or 3

Omo, Äthiopien

09.07.2020
Seidenstraße: Auch Hirten hielten Katzen als Haustiere
Hauskatzen, wie wir sie heute kennen, haben kasachische Hirten schon vor über 1.000 Jahren als Haustiere begleitet..
07.07.2020
Süditalien: Neandertaler starben nicht wegen Kälte aus
Klimaschwankungen werden dafür häufig als Auslöser vermutet – für Süditalien konnte diese Ursache nun ausgeschlossen werden..
18.06.2020
Neandertalergene in der Petrischale
P.
17.06.2020
Ein Neandertaler aus der Tschagyrskaja-Höhle
Bisher hatten Forschende die Genome von zwei Neandertalern in einer hohen Qualität sequenziert..
17.06.2020
Beeindruckende Zeugnisse des Krieges
S.
17.06.2020
Historisches Superfood: Grünkern wussten schon die Kelten zu schätzen
B.
29.05.2020
Wer waren die Kanaaniter?
Die Menschen, die in dem als Südlevante bekannten Gebiet – das heute als Israel, Jordanien, Libanon und Teile Syriens bekannt ist – um 3.500 bis 1.150 v..
29.05.2020
Frauen mit Neandertal-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Eine von drei Frauen in Europa hat den Rezeptor für Progesteron von Neandertalern geerbt - eine Genvariante, die mit erhöhter Fruchtbarkeit, weniger Blutungen zu Beginn der Schwangerschaft und weniger Fehlgeburten in Verbindung steht..
20.05.2020
300.000 Jahre alter Elefant aus Schöningen fast vollständig erhalten
Was am Seeufer geschah: Archäologen dokumentieren Spuren von Steinzeitmenschen und Fußabdrücke von Elefanten.
12.05.2020
Ältester Homo sapiens Europas lebte im Jungpaläolithikum
Ein internationales Forschungsteam berichtet über neue Fossilien des Homo sapiens aus der Bacho-Kiro-Höhle in Bulgarien..
23.04.2020
Evolutionäre Wurzeln des Sprachnetzwerks im Gehirn entdeckt
Das Sprachnetzwerk im Gehirn von Menschen hat einen früheren evolutionären Ursprung als bislang angenommen..
21.04.2020
Das menschliche Gebiss als Spiegel unserer Evolution
Wissenschaftler der Universität Tübingen ermitteln, welche Eigenschaften der Zähne zur Rekonstruktion genetischer Verwandtschaft genutzt werden können.
21.04.2020
300.000 Jahre alter Wurfstock dokumentiert die Evolution der Jagd
Eiszeitmenschen aus Schöningen setzten Holzwaffen bei der Jagd auf Wasservögel und Pferde ein.
09.04.2020
Landwirtschaft begann im Amazonas vor 10.000 Jahren
Wie eine neue Studie zeigt, begannen die Menschen vor mehr als 10’000 Jahren im Südwesten des Amazonas mit dem Anbau von Maniok und Kürbissen, 8'000 Jahre früher als bisher angenommen..
27.03.2020
Auch Neandertaler aßen Muscheln, Fisch und Robben
Bereits die Neandertaler ernährten sich vor über 80.000 Jahren regelmäßig von Muscheln, Fisch und anderen Meeresbewohnern..
03.03.2020
Affen kommunizieren, Menschen haben Sprache
So verzückt Eltern auch sind, wenn ihr Kleines das erste Mal „Ma-Ma“ oder „Pa-Pa“ brabbelt – ehe daraus Sätze entstehen, muss noch viel passieren..
25.02.2020
Ausgewandert
Sibirische Neandertaler stammten von verschiedenen europäischen Populationen ab
25.02.2020
Jede Mittelmeerinsel hat eigenes genetisches Muster
Schon vor der Zeit der mediterranen Seefahrerzivilisationen gab es prähistorische Wanderungen aus Afrika, Asien und Europa auf die Mittelmeerinseln..
18.02.2020
Die Ernährungsweise fossiler Wirbeltiere rekonstruieren
Aus prähistorischer Zeit liegen bisher nur wenig gesicherte Erkenntnisse über die Ernährung der damaligen Tiere und Menschen vor..
18.02.2020
2.700 Jahre alter Tempel im äthiopischen Hochland entdeckt
E.
05.02.2020
Prähistorisches Skelett in Südmexiko entdeckt
Ein prähistorisches menschliches Skelett, das in Südmexiko geborgen werden konnte, ist mindestens 10.000 Jahre alt und stammt wahrscheinlich aus der letzten Eiszeit..
28.01.2020
Neandertaler gingen für ihre Werkzeuge ins Wasser
Neandertaler sammelten Muschelschalen und Bimsstein aus den Küstengewässern, um sie als Werkzeuge zu benutzen.
06.01.2020
Forscher bestimmen das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus
Ein internationales Forscherteam hat das Alter des letzten bekannten Lagerplatzes von Homo erectus bestimmt, einem der direkten Vorfahren des modernen Menschen..
29.11.2019
Affen informieren Gruppenmitglieder über Gefahren
Menschen stehen oft vor der Wahl, ob sie zum Allgemeinwohl beitragen oder sich egoistisch verhalten und andere sich verausgaben lassen möchten..
25.11.2019
Menschliche Musikalität verbindet alle Kulturen: Kognitionsbiologen erforschen universelle Eigenschaften der Weltmusik
Ist Musik wirklich eine "universelle Sprache"? Zwei Artikel in der aktuellen Ausgabe von Science unterstützen die These, dass Musik auf der ganzen Welt – trotz vieler Unterschiede – große Gemeinsamkeiten aufweist..
MAP ERROR