Geten


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Die Geten oder Getai (griech. für Goten) waren ein indoeuropäisches Reitervolk des frühen Altertums, das sich später zur Stammesgruppe der Daker vereinte. Diese sollen ihrerseits von den Thrakern abstammen. Obwohl sie mit anderen Völkern zu den Vorfahren der Rumänen zählen, ist in der Literatur nicht viel über sie zu finden, da sie unter verschiedenen Namen verschiedenen Völkern zugeordnet wurden.

Geschichte

Thrakische Vorzeit

Über die Herkunft der Thraker, Daker oder Geten gibt es keinerlei Quellen. Wie auch die Germanen waren sie ein schriftloses Volk. Ob sie einwanderten oder schon immer dort lebten, ist unbekannt. Da es sich hier um einen seit Urzeiten besiedelten Siedlungsraum handelt, ist die Herkunft dieser Stämme nur genetisch zu ermitteln. Demnach dürften sie alteuropäischer Herkunft sein, d.h. sowohl aus Nord- als auch aus Südeuropa. Jedoch ganz sicher waren sie keine Kelten.

Dies entspricht auch der Überlieferung der Griechen, die die Thraker generell für ein sehr altes Volk hielten. Bekannt ist die Verehrung für Apollon und Dionysus, die möglicherweise auf ein alteuropäisches Pantheon zurückgeht. Die Thraker pflegten friedliche Beziehungen zu verschiedenen Stämmen der Germanen, Sarmaten, sowie zu den Pannoniern, Illyrern und Epiroten. Überliefert ist, dass u.a. ein Stamm des Hohen Nordens - der jedoch nur als Hyperborea bekannt ist - regelmäßig Opfergaben an Heiligtümer im Gebiet des Epirus und ins Apoll-Heiligtum der Daker sandte. Es wird angenommen, dass es sich dabei um eine sehr alte Route zwischen der Ostsee und den Thrakern handelt, die über die Ostgermanischen Stämme führte. Auch eine baltische und an der Oder beginnende Bernsteinstraße führte nach Thrakien und wurde jahrhundertelang intensiv genutzt.

Thrakische (dakische) Zeit

Die Geten siedelten ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. (nach anderen Quellen schon im 7. Jahrhundert) westlich des Schwarzen Meeres zwischen dem Ister (der untersten Donau) und dem östlichen Balkan – also etwa im Gebiet zwischen dem heutigen Moldawien und Ost-Bulgarien, auch beiderseits der unteren Donau (Dobrudscha und Bessarabien).

Das Volk der Geten wird erstmals vom griechischen Historiker Herodot erwähnt. Sie kannten bereits die Eisenverhüttung und -verarbeitung zu Waffen, Arbeitsgeräten und Schmuck, doch haben sie keine Schriften hinterlassen. Fast das gesamte Wissen über sie stammt aus altgriechischen und römischen Quellen.

Griechische Zeit

Damals errichteten Griechen rund um die Schwarzmeerküste verschiedene Handelskolonien und gründeten Stadtstaaten, z.B. 657 v. Chr. Istros (heute Istria in der Dobrudscha), Kallatis (heute Mangalia an der rumänisch-bulgarischen Grenze), und 550 v. Chr. Tomis (Constanța). Im entstehenden Handel tauschten die geto-dakischen Stämme griechische Luxusartikel, Wein und Öl gegen Getreide, Honig und Wachs. Zur Zeit des Lysimachos war Dromichaites König.

Dakisches Reich

Im 1. Jahrhundert vor und nach Christus waren die Siedlungsgebiete der Daker und Geten großteils im Dakerreich vereinigt. Die bekannteste Persönlichkeit dieses ersten Königreichs ist König Burebista (um 70–44 v. Chr.), der als Reichseiniger und Eroberer der griechischen Stadtstaaten an der Schwarzmeerküste um 50 v. Chr. bekannt wurde.

Römisches Reich und Völkerwanderung

Während und nach der Römerherrschaft (106–270) vermischten sich beide Völker mit Einwanderern unterschiedlichster Herkunft und bildeten nach Ansicht der meisten Ethnologen die Basis des heutigen rumänischen Volkes. Aus dieser Zeit stammt auch der Name, den die Römer gemäß ihrem Selbstbildnis den Namen Romania gaben, um damit die dakisch-thrakische Vergangenheit auszulöschen und ihren Anspruch auf das Land geltend zu machen. Bekannt ist auch, dass dakische, thrakische und getische Reiter in den entlegensten Gebieten des Römischen Reiches dienten. Dementsprechend siedelten sie ausgemusterte Soldaten und Puffervölker wie z.b. die Bastarnen in ihrem Romania an und versklavten vorwiegend die einheimische dakische und getische Bevölkerung in den Bergwerken um für Roms Armee Erze zu brechen. Weitere Anteile kamen mit der Völkerwanderung und den Wanderungswellen des 3. bis 8. Jahrhunderts, u.a. (Goten, Hunnen, Slawen und Awaren) hinzu. Die ab 900 im Westen und Siebenbürgen dominierenden Magyaren assimilierten sich hingegen kaum.

Oströmisches Reich

Im 6. Jahrhundert n. Chr. erklärt der spätantiker römisch-gotischer Gelehrter und Geschichtsschreiber des 6. Jahrhunderts Jordanes, die Geten für identisch mit den ostgermanischen Goten.

Slawische Zeit

Stattdessen heißen die Geten in den nachfolgenden Jahrhunderten nun Tiwerzen und werden als Slawen betrachtet. Sie bewohnen zwischen dem 8. und dem 12. Jahrhundert die Gebiete zwischen den Flüssen Pruth und Südlicher Bug bis zur Küste des Schwarzen Meeres. Die Hauptstadt der Tiwerzen hieß Peresetschen und war eine Gründung der Petschenegen. Den Chroniken zufolge nahmen sie am Russisch-byzantinischen Krieg 907 teil und zogen mit dem Kiewer Fürsten Oleg gegen Konstantinopel. Das Gleiche wiederholte sich auch während des Krieges 941−944 unter Fürst Igor. Kurz darauf wurden sie Bestandteil der Kiewer Rus. Unter dem Druck der Petschenegen und Polowzer zogen sie im 12. Jahrhundert nach Norden. Im Gebiet zwischen Dnestr und Pruth sind Reste von einigen slawischen Siedlungen erhalten (z.B. in Alcedar und Echimăuţi), die mit den Tiwerzen in Verbindung gebracht werden.

Tiwerzen (Тиверцы) auf der Karte ostslawischer Stämme im 7. bis 8. Jahrhundert

Rumänische Sprache

Im Süden und Osten des geto-dakischen Gebiets, der späteren Walachei- und Moldau-Fürstentümer, entwickelte sich die (Dako)rumänische Sprache, bzw. am Unterlauf der Donau (Ister) das Istrorumänische. Der rumänische Wortschatz enthält ca. 10-15 % slawische Wörter. Dazu kommen Entlehnungen aus unterschiedlichsten Quellen so u.a. aus dem Altdeutsch, das durch Einwanderungen im 11. Jh. in die Walachei gelangte aber auch Worte aus dem Dakischem, dem Awarischem, einer Turksprache der Petschnegen und einem dutzend weiteren Völkern. Auch ein altthrakisches Substrat wird vermutet. Dieses Gemisch macht das unverwechselbare Flair der rumänischen Sprache aus.

Mittelalter

Der Volksname der Geten ging in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten in den Dakern auf und verschwand damit aus der Geschichtsschreibung. Die dako-thrakische Sprache gilt heute als ausgestorben, dennoch haben sich kulturelle Bestandteile natürlich erhalten, ergänzt durch die Traditionen der zahlreichen Einwanderer. Ethnologisch ist der Übergang zu den erst um 1300 genannten „Walachen“ eher unwahrscheinlich. Der Begriff Walachen bzw. Walachei stammt von den im 12. Jh. eingewanderten Siebenbürger Sachsen. Weitere Einwanderer aus dem Rhein-Main-Gebiet, den Niederlanden und der französischen Wallonie sind ebenfalls belegt. Bis heute gibt es kleinere deutsche Sprachinseln die jedoch langsam aussterben. Insbesondere das Siebengebirge war immerwieder Ziel deutscher Auswanderer, die zwar nie die Mehrheit, aber doch immerwieder ein kulturelles Substrat beisteuerten. Die Walachei und das Siebengebirge spielt daher in der mittelalterlichen Märchenwelt der Deutschen eine große Rolle, die es als sagenumworbenes Reich darstellen.

Mythologisches Verständnis

Die Geten sind Teil verschiedener Sagas, die auf recht komplizierte Weise miteinander verbunden sind. Dabei werden sie von ca. 200 bis 400 als Goten bezeichnet. Um 800 in der Gotenchronik des Jordanes als Amaler, Terwingen und Greutungen bezeichnet. Unter der Führung des suebischen Quaden Vithimiris kämpfen sie dann im Westen gegen Alanen und Hunnen, gründen dort ein Ableger der als Donau- oder Neckar-Sueben bekannt wird, welches bei Jordanes als Suevia bezeichnet wird und das seinerseits einen Ableger in Galizien hat, wo 409 bis 438 Ermenrich (germanisch ‘Armerich, latein Hermanarici span. und port. Hermerico; * um 360; † 441) regiert, von wo sie aus sie nach Irland übersetzten und als godelisch gallische Milesier (Irland) gelten. Der andere Teil der Goten, die Ostgoten schließen sich dem Attila an. Nach dessen Tod bilden sie eine Allianz der Unzufriedenen aus Gepiden, Heruler, Skiren (unter Edekon, Rugier und Ostgoten. Sie besiegen unter dem Gepidenkönig Ardarich Attilas Sohn Ellac. Dort gründet Edekon ein Reich der Skiren in der Ungarischen Tiefebene. Somit sind sie im 5. und 6. Jh. nur noch als Ostgoten bekannt.

Sie werden Teil eines gewaltigen Mythenkomplexes rund um die mythischen Nibelungen, Attila und die Völkerwanderung. Vor allem im Sagenzyklus der mittelhochdeutschen Dietrichepik des 13. Jahrhunderts und in der Thidrekssaga erscheint Ermanarich in der Rolle des Widersachers des Dietrich von Bern, die im älteren Hildebrandslied des 9. Jahrhunderts Odoaker, Sohn des Edekon (Edika) einnimmt, über dessen Herkunft es kaum Information gibt. Man weiß aber das er die Skiren und Ostgoten anführte und sein Vater Edekon gemeinsam mit Ardarich Attilas Sohn Ellac schlug. Laut der Irischen Landnahme ist er ein Bruder des Hunimund Filius Hermanarich, der Attila diente. Daneben gehören auch die Heldenliedern Guðrúnarhvöt und Hamðismálder älteren Edda zu dem Mythenkomplex. Die Sage findet sich in verschiedenen Varianten aber auch bei Snorri, in der Völsunga saga und bei Saxo Grammaticus. In Deutschland wird dieser Sagenstrang dagegen nie literarisch. Allerdings tauchen Elemente daraus in den Quedlinburger Annalen (die Namen lauten hier Hemidus, Serila und bei Ekkehard von Aura (Hamidiecus, Sarelo) auf. Darüber hinaus kommt Ermanarich auch im altenglischen Heldenepos Beowulf, in Widsith und Deor vor. Es ist möglich, dass in die mittelhochdeutsche Ermenrichsage neben dem Gotenkönig auch Überlieferungen zum gleichnamigen Suebenkönig Ermenrich, einem bedeutenden germanischen Heerführer der Völkerwanderung des frühen 5. Jahrhunderts, eingeflossen sind.

In der Gudrunsaga bzw. der Völsungasaga geht die Gotin Ildikó auf, die im Deutschen als Krimhild bestens bekannt ist. Zudem gibt es auch noch ein tschuwaschische Epos zum Sagenkreis der Nibelungen namens Attil und Krimkilte. Daneben sind sie Bestandteil der Getica von Jordanes der den westgotischen Getenkönig Ermanarich der Greutungen und galizischen Quaden-König Ermenrich gleich setzt und ihm ein sagenhaftes Alter von 110 Jahren bescheinigt. Das erklärt sich dadurch, dass der Erbe des Ermanarich der Quade Vithimiris wiederum einen Sohn Namens Ermenrich hatte, der zum König des Suebenreiches (409 bis 438) in Galizien wurde und als Goidelischen Kelten betrachtet werden. Dessen Sohn Hunimund (Donau-Sueben) „Filius Hermanarici“ (* um 395; † nach 469 in „Suavia“) alias Fridrec in der Thidricksaga sendet seinen Sohn Agilulf (* um 420; † um 482) alias Agnomain nach Irland das aber nur sein Sohn erreicht und damit zu einem mythischen Stammvater der irischen Milanesier wird. Ardarich nutzte den Zerfall des hunnischen Herrschaftsraumes geschickt aus und gründete daraufhin das Reich der Gepiden zwischen Donau, Theiß, Alt und Karpaten, das bis ins 6. Jahrhundert bestehen blieb. Ab dem 8. Jahrhundert wird dieses Volk als slawischen Volk der Tiwerzen in den russischen Chroniken bezeichnet. Währenddessen gehen sie in die Lebor Gabála Érenn („Buch der Landnahme Irlands“) als Skythen ein, während sie mit ihrer westlichen Gründung in Galizien als Gallier bezeichnet werden. Dem entspricht dann auch wiederum die Erwähnung, dass ihr Geschlecht auch mal König in Rom war, denn Odoaker wurde ja König von Rom. Darüber hinaus kommt Ermanarich auch im altenglischen Heldenepos Beowulf, in Widsith und Deor vor. Es ist möglich, dass in die mittelhochdeutsche Ermenrichsage neben dem Gotenkönig auch Überlieferungen zum gleichnamigen Suebenkönig Ermenrich, einem bedeutenden germanischen Heerführer der Völkerwanderung des frühen 5. Jahrhunderts, eingeflossen sind. Auch die Tiwerzen spielen bei den Kriegen der Kiever Rus bzw. der russischen Könige eine wichtige Rolle, so dass hier die Saga weiter geht. Daneben werden sie von der Forschung teilweise auch noch als Thraker betrachtet, da man sie aufgrund der Chaotischen Bezeichnungen bisher kaum erfassen konnte.

Die Quedlinburger Annalen sind um die Jahrtausendwende entstanden, aber nur in einer einzigen Handschrift aus dem 16. Jahrhundert überliefert. Sie berichten von einem gotischen König Ermanarich, der nach dem Tod seines einzigen Sohnes Friedericus seine Neffen Embrica und Fritila am Galgen aufhängen ließ. Auch zwang er seinen Neffen Theodericus (entspricht Dietrich von Bern) auf Anstiften seines (anderen) Neffen Odoaker, aus Verona zu fliehen und bei König Attila ins Exil zu gehen.

Im 16. Jahrhundert wird im niederdeutschen Sprachraum die Ballade Koninc Ermenrîkes Dôt mit stark verändertem Inhalt auf einem fliegenden Blatt gedruckt.

Siehe auch

Dacia (Provinz), Daker, Thraker, König Decebalus, Geschichte Rumäniens, Liste der Statthalter von Dakien, Liste der Herrscher von Rumänien, Zamolxis

Literatur

  • Dumitru Berciu: Daco-Romania. – Archaeologia Mundi, 191 S., Heyne, München 1981, ISBN 3-453-35028-6
  • Beowulf: Ein altenglisches Heldenepos. Übersetzt und herausgegeben von Martin Lehnert, Stuttgart: Reclam 2004, (S. 192) ISBN 3-15-018303-0

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