Mahican


Traditionelle Wohngebiete der Mahican und benachbarter Stämme um 1600.
Die Mahican siedelten im 17. Jahrhundert am Hudson und dessen Nebenflüssen, dem Mohawk River, Hoosick River sowie Catskill Creek, zogen dann ostwärts nach Massachusetts und später nach Wisconsin im Westen.

Die Mahican, auch Mohican geschrieben, waren Algonkin sprechende Indianer, die im oberen Hudsontal jenseits der Catskill Mountains im heutigen Staat New York lebten. Sie selbst bezeichneten sich als Muhhekunneuw oder Muh-he-con-neok (dt. ‘Leute am Wasser, das immer fließt’), da sie ursprünglich entlang des Hudson Rivers (Mahicannituck - ‘Wasser, das immer fließt’) siedelten. Daher wurden sie von Niederländern und Engländern zusammen mit ebenfalls entlang des Hudson lebenden Stämmen, wie den Munsee oder Wappinger, als River Indians bezeichnet. Die Niederländer verballhornten den Namen des Wolfs-Clans (‘Manhigan’) in Mahigan, Mahikander, Mahinganak, Maikan und Mawhickon. Die Engländer vereinfachten dies zu Mahican oder Mohican. Die Franzosen bezeichneten sie daher auch als Loups (Wölfe). Sie dürfen nicht mit den ebenfalls zu den Algonkin gehörigen Mohegan verwechselt werden, einer einst zu den Pequot gehörenden Stammesgruppe im östlichen Connecticut.

Stammesgebiet

Die Mahican siedelten im 17. Jahrhundert am Hudson und dessen Nebenflüssen, dem Mohawk River, Hoosick River. Ihr Gebiet wurde im Nordwesten vom Lake George sowie dem Lake Champlain, im Nordosten durch die Stammesgebiete der zu den Westlichen Abenaki zählenden Pocumtuc (auch Pocumtuk), Penacook (auch Pennacock, Merrimack oder Pawtucket) und Sokoki, im Südosten vom Housatonic River, im Südwesten vom Catskill Creek, dem Grenzfluß zum Gebiet der Munsee (den sog. Nördlichen Delaware, einer Dialektgruppe der Lenni Lenape) und im Westen durch den Schoharie Creek begrenzt.

Sozio-Politische Organisation

Die Mahican bildeten die sog. Mahican-Konföderation, bestehend aus fünf Stämmen, die von hereditären (erblichen) Sachems geführt und von ernannten Beratern unterstützt wurden:

  • Mahican (lebten in der Umgebung des heutigen Albany westwärts bis zum Mohawk River sowie im Nordwesten bis Lake Champlain)
  • Mechkentowoon (lebten entlang des Westufers des Hudson Rivers oberhalb des Catskill Creeks)
  • Wawyachtonoc (‘eddy people’ oder ‘people of the curving channel’, lebten im heutigen Dutchess und Columbia Counties, New York ostwärts bis zum Housatonic River im Litchfield County, Connecticut, Hauptsiedlung war Weantinock, weitere Dörfer: Shecomeco, Wechquadnach, Pamperaug, Bantam, Weataug, Scaticook)
  • Westenhuck (ist eine Verballhornung von hous atenuc - ‘auf der anderen Seite der Berge’, und bezeichnete ein Dorf nahe dem heutigen Great Barrington, daher meist als Housatonic bezeichnet, lebten im Housatonic River Valley in Connecticut und Massachusetts sowie in der Gegend um Great Barrington, Massachusetts)[1]
  • Wiekagjoc (Verballhornung von wikwajek - ‘Oberlauf eines Baches’, lebten östlich des Hudson Rivers nahe der heutigen Stadt Hudson, Columbia County, New York)[2]

Die Mahican wohnten teils in befestigten Dörfern mit 20 bis 30 Häusern, die auf Hügeln lagen und von Palisaden umgeben waren, teils in geschlossenen, zwischen Maisfeldern und Wäldern gelegenen Dörfern. Die Mahican besaßen drei Clans: Bär, Wolf, und Schildkröte. Mussten wichtige Angelegenheiten entschieden werden, die die Konföderation betrafen (Krieg oder Frieden, Aufgabe von Dörfern, Erschließung neuer Wohngebiete), versammelten sich die Sachems der verschiedenen Clans und Stämme regelmäßig in ihrer Hauptstadt Shodac (östlich des heutigen Albany), um darüber zu befinden. In Kriegszeiten übertrug der Rat der Sachems seine Autorität auf einen erfahrenen und angesehenen Kriegs-Sachem, der während des Konflikts über fast diktatorische Gewalt verfügte. War der Krieg jedoch beendet übernahmen wieder die zivilen Sachems die Führung der konföderierten Stämme.

Geschichte

Als sie zum ersten Mal mit den Holländern zu tun hatten, lagen die Mahican im Krieg mit den Mohawk, und 1664 mussten sie von Shodac in der Nähe Albanys nach dem heutigen Stockbridge flüchten. Nach und nach verkauften sie ihr Land, sammelten sich 1736 in einer Missionsstation in Stockbridge und wurden als Stockbridge-Indianer bekannt; sie waren die einzigen Mahican, die ihre kulturelle Identität bewahren konnten. Die Stockbridge-Indianer bestanden allerdings nicht nur aus Mahican, sondern auch aus Munsee, Wappingern, Nipmuck und vielen anderen Ethnien, die mit der Zeit in den Stockbridge-Mahican aufgingen und somit ihre eigene Identität verloren. Einer der berühmtesten Flüchtlinge war der Wappinger-Sachem Daniel Nimham, der einige Zeit später auch als Sachem der Stockbridge in die Geschichte einging. Wesentlich auf seine Initiative hin beteiligten sich die Stockbridge-Mahican im Franzosen- und Indianerkrieg auf Seiten der Briten. Andere Gruppen teilten sich auf und vermischten sich mit verschiedenen Stämmen. Während des Franzosen- und Indianerkriegs (1755-1763) kämpften sie mit den Mohawk auf der Seite der Briten. Aber einen über die Stammesgrenzen hinweg bekannten Sachem bekamen sie erst in der Gestalt des Hendrick Aupaumut. Er war es auch, der sein Volk davon überzeugte, während der Amerikanischen Revolution auf Seiten der Amerikaner zu kämpfen. Wegen dieser Rolle im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wird er auch heute noch von vielen Amerikanern verehrt. Allerdings wurde seinen lebenden Nachkommen weniger Respekt entgegengebracht. Denn kaum war der Krieg vorüber, mussten die Stockbridge-Mahican feststellen, dass ihr Land von den weißen Siedlern, also den Amerikanern, übernommen wurde. Die Stockbridge-Gruppe zog deshalb zunächst nach New York und später, dem Rat Hendrick Aupaumuts folgend, nach Wisconsin um.

Demographie

Alle Algonkin-Stämme, die zwischen dem Hudson River und Connecticut River lebten, wurden im Allgemeinen als Mahican bezeichnet und zählten gegen 1600 Schätzungen folgend, ca. 35.000 Personen. Die als Mahican-Konföderation bezeichneten Stämme von Albany hingegen hatten eine Bevölkerung von ca. 8.000. 1672 war die Zahl auf ca. 1.000 Personen dezimiert. Am Tiefpunkt in 1796 gab es nur noch 300 Stockbridge (‘The Last of the Mohicans’ - ‘Die letzten der Mohikaner’), die mit ihren früheren Feinde, den Oneida, in Brotherton, New York, lebten. Zählt man die mit den Wyandot und Lenni Lenape in Ohio lebenden Mahican hinzu, betrug ihre Gesamtzahl zu dieser Zeit ca. 600 Personen. Heutzutage leben ca. 1.500 Stockbridge (staatlich anerkannt) auf oder in der Nähe ihrer Reservation westlich von Green Bay, zudem ca. 1.700 Brotherton Indians (Mahican) (staatlich nicht anerkannt) am östlichen Ufer des Lake Winnebago.

Mahican in der Literatur

Der amerikanische Schriftsteller James Fenimore Cooper zeichnete ein romantisierendes Portrait der dahinschwindenden Mahican in seinem Buch Der letzte Mohikaner (1826). Indessen existierte bei den Mahican niemals ein gewisser Uncas, einen solchen gab es jedoch bei den Mohegan. Dieser Mohegan-Sachem lebte aber nicht zur Zeit der Romanhandlung, sondern genau ein Jahrhundert früher. Das einzige, was er mit dem gleichnamigen Romanhelden gemeinsam hatte: Er war Verbündeter der Briten. Aber er kämpfte nicht etwa gegen die Franzosen, sondern gegen sein eigenes Volk. Dazu folgende Erklärung: Die Mahican, Mohegan und Pequot waren einmal ein Volk. Lange bevor die Weißen kamen, trennten sich die Pequot von den Mahican und zogen Richtung Osten ins heutige Connecticut. Bei den Pequot gab es zwei miteinander rivalisierende Sachems, nämlich Sassacus und Uncas. Als ersterer zum neuen Obersachem gewählt wurde, trennte sich Uncas mit seinen Anhängern vom Stamm und bildeten fortan die Mohegan. Als Sassacus schließlich gegen die Briten kämpfte (im sog. Pequot-Krieg), stand Uncas auf der Seite der Briten gegen die Pequot und half, diese völlig zu vernichten.

Es ist aber auch durchaus möglich, dass der Wappinger-Sachem Daniel Nimham Cooper als historisches Vorbild für seinen Chingachgook diente, denn seine Freundschaft mit dem Waldläufer und Grenzer Robert Rogers ist historisch verbürgt. Zudem nahm Daniel Ninham mit seinen Mahican, als Teil der Rogers' Rangers (Robert Rogers’ Miliz), an den maßgeblichen Schlachten des Franzosen- und Indianerkriegs teil. Diese Ereignisse könnten Cooper als Grundlage für seine Lederstrumpfromane gedient haben.

Heutige Situation

Die "Stockbridge-Munsee" leben heute in Wisconsin. Frühere Traditionen sind vollkommen verloren gegangen, sie sind auf der Suche nach einer Identität. Die Stockbridge-Munsee-Gruppe war von der Ostküste über den halben nordamerikanischen Kontinent getrieben worden. Sie wurden oft entwurzelt und mussten immer wieder umsiedeln, bis sie nach Wisconsin zu den Oneida kamen. Edwin Martin, ein Mahican, entwarf das Logo "Many Trails" ("Viele Pfade"), das diese Umstände und die Durchhaltekraft dieser indigenen Gruppe ausdrücken soll: Ausdauer, Kraft und Hoffnung.

Siehe auch

Literatur

  • Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Vol. 15. Northeast. Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 1978 ISBN 0-16004-575-4

Einzelnachweise

  1. Donald B. Ricky: Indians of Maryland Past and Present, Verlag: Somerset Pubs, 1999, ISBN 978-0403098774
  2. Allen W. Trelease, William A. Starna: Indian Affairs in Colonial New York Indian Affairs in Colonial New York: The Seventeenth Century the Seventeenth Century, Seite 8, University of Nebraska Press; 1997, ISBN 978-0803294318

Weblinks

 <Lang> Commons: Mahican – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Mohican History auf der Website der Stockbridge-Munsee Community, englisch, abgerufen am 25. September 2012
  • Mahican History von Lee Sultzman auf der Website dickshovel.com (Stand: 1997), englisch, abgerufen am 25. September 2012

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