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Gemeinde Lavrio
Δήμος Λαυρεωτικής (Λαύριο)
Lavrio (Griechenland)
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Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Attika
Regionalbezirk: Ostattika
Geographische Koordinaten: 37° 43′ N, 24° 4′ O37.71611111111124.066388888889Koordinaten: 37° 43′ N, 24° 4′ O
Fläche: 176,87 km²
Einwohner: 22.261 (2010[1])
Bevölkerungsdichte: 125,9 Ew./km²
Sitz: Lavrio
LAU-1-Code-Nr.: f11
Gemeindebezirke: 3 Gemeindebezirke
Ortschaften: 3 Ortschaften
Lage in der Region Attika
Bild:2011 Dimos Lavreotikis.png
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Lavrio (neugriechisch Λαύριο, altgriechisch Laurion Λαύριον, amtlich Dimos Lavreotikis Δήμος Λαυρεωτικής) ist eine Gemeinde in Attika und als gleichnamige Kleinstadt Sitz dieser Gemeinde. Diese befindet sich zwischen den antiken Orten Thorikos und Sounion direkt an der Küste des Ägäischen Meeres. Hier befanden sich im Altertum die Silberminen, auf denen zu einem wichtigen Teil der Reichtum der Stadt Athen beruhte.

Die heutige Gemeinde entstand 2010 durch die Eingemeindung der Nachbargemeinden Agios Konstandinos und Keratea. Heute bemüht sich die Gemeinde, an der generellen touristischen Entwicklung Attikas teilzuhaben.

Die Stadt Lavrio vergrößerte sich zusehends ab dem Ende des 19. Jahrhunderts mit der einsetzenden Industrialisierung der Region, dem Bergbau in erster Linie, der Installation eines Elektrizitätswerkes sowie weiteren Industrieanlagen, die viele Arbeitsplätze boten und Arbeitskräfte aus dem gesamtem Griechenland anlockte.

Nach Abwanderung und Zerfall der Stadt in der 2. Hälfte des 20. Jh, setzte in den letzten Jahren wieder eine Zuwanderung ein. Generell ist Lavrion eine aus allen Regionen Griechenlands geprägte Stadt. Als einzige Stadt Griechenlands hat Lavrion auf dem Hauptplatz (Platia) im Zentrum der Stadt keine Kirche, weil sich die jeweiligen Zuwanderergruppen auf keinen Stil einigen konnten.

Geschichte

In der Antike bezeichnete Laurion oder Laureion das gesamte Gebirgsland im südöstlichen Attika, einen Demos dieses Namens hat es nie gegeben. Nach Grabfunden war die Gegend bereits in der Altsteinzeit besiedelt. In Thorikos begann der Bergbau schon im 3. Jahrtausend v. Chr. Bereits in der mykenischen Epoche wurde Silber von hier nach Kreta, Santorin und Ägypten exportiert. Im 6. Jahrhundert v. Chr. begann unter Peisistratos die systematische Ausbeutung der Bodenschätze. Im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. waren Privatunternehmer als Pächter des Staates tätig, sie beschäftigten dabei wohl gegen 20.000 Sklaven (meist nichtgriechischer Herkunft). Einer der bekanntesten Großunternehmer in diesem Bereich war der athenische Feldherr Nikias, der seinen thrakischen Sklaven Sosias mit der Aufsicht über 1000 Bergwerkssklaven beauftragte. Im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. ging die Produktion zurück, auch gab es eine Revolte unter den dort arbeitenden Sklaven (104-100 v. Chr.), wobei auch das nahe Kap Sounion besetzt wurde. Im 2. Jahrhundert n. Chr. spricht Pausanias von der Gegend als Ort, „wo die Athener einst Silberminen hatten“.

1864 wurde der Bergbau von einer französischen Gesellschaft bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts wieder aufgenommen. Nach Schließung der Französischen Gesellschaft zogen sich auch weitere Betriebe aus der Region zurück, worauf eine Rezession mit Verfall der bis dato stattlichen Infrastruktur (Lavrion war mit der ersten Eisenbahnlinie Griechenlands angebunden) und regelrechte Armut in der Region einsetzte.

Erst ab ca. 1994 wurden hier zaghafte erste neue Unternehmungen gestartet, nachdem der touristische Wert der Umgebung erkannt wurde. So erhielt z.B. die erste privat betriebene Yacht Marina Griechenlands (Olympic Marine) dann ihre Betriebsgenehmigung in Lavrion, und ist heute bereits fast fertiggestellt. Zu den Olympischen Spielen 2004 setzte ein gewaltiger Aufwand ein, um Lavrion den relativ wohlhabenden Nachbargemeinden anzupassen. Noch heute (~2008) wird Tag und Nacht unermüdlich an der Hafenerweiterung, Straßenanbindung und Kanalisation gearbeitet, die 2004 fertiggestellt sein sollten. Durch die Nähe Lavrions zu dem neuen Athener Flughafen und seine vorteilhafte Lage als Ausgangspunkt für Reisen zu den griechischen Inseln wird Lavrion immer attraktiver für Fährschiffverbindungen zur Entlastung des Hafens von Piräus und als Yachtstützpunkt.

Zur Technik

Das Erz wurde teils im Tagbau, teils unter Tage abgebaut. Das Hauptproblem war das Wasser, das man zur Aufbereitung des Erzes benötigte. Das Roherz wurde zuerst von Hand sortiert, dann in Mörsern zerkleinert und in Mühlen gemahlen. Darauf kam es in Waschanlagen. Dabei wurde das Mahlgut auf einen leicht geneigten Waschtisch aufgegeben, auf den aus Düsen Wasser strömte. Das Abwasser wurde wieder gesammelt und in kreisrunde Auffangbecken (auf der oberen Abbildung gut sichtbar) geleitet, wo sich das Unhaltige am Boden absetzte und das Restwasser erneut über den Tisch gespült wurde. Die schwere Erzfraktion, die auf dem Tisch liegen blieb, wurde nach nochmaliger Reinigung in einem Schmelzofen verhüttet. Dies geschah in 2 Phasen:

1. Phase: Trennung des silberhaltigen Bleis von Kupfer, Zinn usw.
2. Phase: Kupellieren: Trennung von Blei und Silber (bei etwa 1100°). Dabei schlug sich das oxidierte Blei an der Wand des Schmelztiegels nieder, während das Silber als Bodensatz zurückblieb.

Das Silber von Laurion hatte einen Reinheitsgrad von 986/1000. Pro Ofen und Tag wurden 4 Tonnen der Schwerfraktion verarbeitet, wozu man eine Tonne Holzkohle brauchte. In der Gegend, die einst als „waldreich“ bezeichnet wurde, wurde praktisch alles abgeholzt.

Waschanlage (Agrileza).
Tetradrachme aus dem 2. Jh. v. Chr. (Silber aus Laurion).

Ausgrabungen

Im Gelände verstreut sind bei Argileza und Thorikos eindrucksvolle Überreste zu finden, insbesondere von Waschanlagen, Zisternen und Kanälen. Eine Karte im Bergbau-Museum von Lavrion erleichtert die Orientierung

Einzelnachweise

  1. Die Einwohnerzahlen stammen aus einer Broschüre des griechischen Innenministeriums vom Mai 2010 anlässlich der Verwaltungsreform nach dem ‚Kallikratis-Gesetz‘: Elliniki Dimokratia, Ypourgeio Esoterikon, Apokendrosis ke Ilektronikis Diakyvernisis: "Programma Kallikratis," Systasi, syngrotisi Dimon, Periferion ke Apokendromenon Diikiseon gia ti Nea Architektoniki tis Aftodiikisis ke tis Apokendromenis Diikisis, Athen 2010.

Literatur

  • August Boeckh: "Über die Silberminen von Laurion". Berlin 1818.
  • Erwin Freund: Art. „Laurion“ In: Siegfried Lauffer (Hrsg.): Griechenland. Lexikon der historischen Stätten. Verlag C.H. Beck, München 1989, S. 372f.
  • Hansjörg Kalcyk: Der Silberbergbau von Laureion in Attika. Antike Welt 14 (1983), 3, S. 12ff.
  • Siegfried Lauffer: "Die Bergwerkssklaven von Laureion". Franz Steiner Verlag, 2. Aufl. Stuttgart 1979.
  • Christopher Mee & Antony Spawforth: Greece. An Oxford Archaeological Guide. Oxford University Press, Oxford 2001, S. 104-110.

Weblinks


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