Piräus


Dieser Artikel beschreibt die griechische Stadt Piräus. Zum gleichnamigen Präfekturbezirk siehe Piräus (Präfekturbezirk).
Gemeinde Piräus
Δήμος Πειραιά (Πειραιάς)
Piräus (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Attika
Regionalbezirk: Piräus
Geographische Koordinaten: 37° 57′ N, 23° 39′ O37.94777777777823.647222222222Koordinaten: 37° 57′ N, 23° 39′ O
Fläche: 10,865 km²
Einwohner: 163.910 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 15.086,06 Ew./km²
Gemeindelogo:
Sitz: Piräus
LAU-1-Code-Nr.: A40100
Gemeindebezirke: 1 Gemeindebezirk
Ortschaften: 5 Ortschaften
Website: www.pireasnet.gr
Lage in der Region Attika
Datei:2011 Dimos Pireos.png
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Piräus (neugriechisch Πειραιάς (m. sg.) [pirɛˈas], Pireas, altgriechisch Πειραιεύς, Peiraieus) ist eine Gemeinde in Attika, ein wichtiges Industriezentrum in Griechenland und drittgrößter Mittelmeerhafen. Die eigentliche Gemeinde hatte 2011 163.910 Einwohner, zusammen mit den übrigen Gemeinden des Regionalbezirks Piräus ergab sich eine Zahl von 449.070, der gesamte Ballungsraum Athen-Piräus hat insgesamt rund 3,5 Millionen Einwohner. Piräus ist der historische Hafen der griechischen Hauptstadt Athen und südlicher Endpunkt der wichtigen das Land von Thessaloniki bzw. Patras aus durchquerenden Verkehrsverbindungen. Piräus hat mit rund 20 Millionen Passagieren jährlich den größten Passagierhafen in Europa und den drittgrößten der Welt. Mit einem Durchsatz von 1,6 Millionen TEU zählt Piräus zu den ersten zehn Häfen im Container-Verkehr Europas. Bekannt wurde Piräus unter anderem durch den Schlager mit der Anfangszeile „Ich bin ein Mädchen von Piräus“ von Melina Mercouri (griechisches Original: „Τα παιδιά του Πειραιά“) aus dem Film „Sonntags… nie!“ von Jules Dassin und den Sportverein Olympiakos Piräus.

Geschichte

Hafen von Piräus

Piräus (Peiraieus) ist eigentlich der Name der bergigen Halbinsel, acht Kilometer südwestlich von Athen, mit dem bis zu 86,5 m hohen Hügel Mounychia (heute Kastella), der seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. eine Burg trug, und drei tief eingeschnittenen runden Hafenbecken (Piräus, Zea und Mounychia), die Themistokles seit 493 v. Chr. zum Hafen Athens bestimmte und zunächst mit Mauern umgeben ließ. 461–456 v. Chr. wurden die Langen Mauern zwischen Piräus und Athen errichtet.

In perikleischer Zeit wurde von Hippodamos aus Milet die Stadtanlage mit rechtwinklig sich schneidenden Straßen angelegt, die Häfen ausgebaut und mit Säulenhallen und Schiffshäusern versehen. Nach Beendigung des Peloponnesischen Krieges zerstört, blühte Piräus als Handelshafen bald von Neuem auf.

In den Jahren 347–323 v. Chr. wurde das Arsenal des Philon errichtet, das Sulla 86 v. Chr. mit den übrigen Hafenanlagen niederbrannte.

Nach der Verlegung des Hafens gliederte sich das antike Piräus als Hafenstadt von Athen in die Teilhäfen Kantharos, Zea und Mounychia auf. Dabei stellte Kantharos den Handelshafen von Piräus dar, während Zea und Mounychia dem Militär vorbehalten waren. Zea war der größere der beiden Kriegsmarinehäfen.

Im Mittelalter war der Hafen unter dem italienischen Namen Porto Leone bekannt, nach der heute vor dem Arsenal von Venedig stehenden antiken Löwenskulptur (eine Kopie steht heute wieder in Piräus). Der entsprechende türkische Name war Aslan Limani. Die kleineren Häfen Zea und Mounychia sind heutzutage auch als Passalimani (Hafen des Pascha) bzw. Tourkolimano (Türkenhafen) oder auch Mikrolimano (kleiner Hafen) bekannt.

Bildungseinrichtungen

  • Universität Piräus
  • Technisches Ausbildungsinstitut Piräus

Sehenswürdigkeiten

Panzerkreuzer Georgios Averoff im Schiffsmuseum Trokadero Marina
  • Haupthafen
  • Passalimani (Zea)
  • Mikrolimano (oder Tourkolimano, das antike Mounychia)
  • Archäologisches Museum beim antiken Theater
  • Schiffsmuseum Trokadero Marina mit dem Panzerkreuzer Georgios Averoff (Paleo Faliro)
  • Schifffahrtsmuseum Piräus (Nautisches Museum)
  • Endbahnhof der Metrolinie 1 ("Ilektrikos") mit Museum zu dieser historischen Bahnstrecke (1869 als erste griechische Eisenbahn bis Athen eröffnet)

Infrastruktur

Der Jachthafen von Piräus

Hafen von Piräus

Der Hafen ist mit 20 Millionen beförderten Gästen der größte Passagierhafen Europas. Er schlägt rund 3 Millionen TEU um.

Im Zuge der griechischen Finanzkrise wurde die Hälfte des Containerhafens 2009 an das chinesische Staatsunternehmen China Ocean Shipping (Group) Company (kurz: COSCO) für ein Dauer von 35 Jahren verpachtet.[2]

Mit der griechischen Bahn OSE ist eine Anbindung des Containerhafens bis Ende 2012 an das internationale Schienennetz geplant.

Bahn- und Busverkehr

Endstation der Linie 1 in Piräus

Der Hafen Piräus ist über die Metrolinie 1, die Vorortbahn (Proastiakos), die Straßenbahn Athen sowie zahlreiche Buslinien und die Fernbahn erschlossen. In der Stadt verkehrt außerdem der 1949 eröffnete Oberleitungsbus Piräus. Seit 1988 ist dieser dabei mit dem größeren Obus-Netz in der benachbarten Hauptstadt Athen verknüpft. Dieser interkommunale Betrieb ist heute mit 366 Fahrzeugen auf 22 Linien das größte Obus-Netz in der EU. Zu erreichen ist Piräus auch durch den Proastiakos, einer Art S-Bahn, die den Hafen mit dem Hauptbahnhof und dem Flughafen Athen. Bis 2017 soll auch die, sich im Ausbau befindliche, Linie 3 der Metro Athen (blaue Linie) Piräus erreichen.[3] Darüber hinaus wird auch über eine Einschienenbahn innerhalb des Hafens von Piräus nachgedacht.[4]

Sport

In Piräus hat der Verein Olympiakos Piräus seinen Sitz. Die Fußballmannschaft spielt im Stadion Karaiskakis, die Basketballmannschaft und Volleyballmannschaft im gegenüberliegenden „Irinis kai Philias“. Beide werden mit der Metro und der Straßenbahn erreicht (Station Faliro). Im Jahr 1969 fanden im Stadion Karaiskakis die Leichtathletik-Europameisterschaften statt während 1985 die Leichtathletik-Halleneuropameisterschaften im „Irinis kai Philias“ ausgetragen wurden.

Wissenswertes

Die deutsch-griechische Sängerin Vicky Leandros war von Oktober 2006 bis zum 28. Mai 2008 Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Kultur und internationale Beziehungen in Piräus. Der ehemalige griechische Ministerpräsident Kostas Simitis vertrat die Stadt von 1985 bis 2009 als Abgeordneter im Parlament.

Söhne und Töchter der Stadt

  • Georgios Seitaridis (* 1981), Fußballspieler
  • Jannis Kounellis (* 1936), Künstler
  • Konstantinos Simitis (* 1936), früherer Ministerpräsident von Griechenland
  • Calliope Tsoupaki (* 1963), Komponistin
  • Yannis Tsarouchis (1910–1989), Maler und Bühnenbildner
  • Giorgos Dalaras (* 1949), Musiker

Städtepartnerschaften

  • FrankreichFrankreich Marseille (Frankreich), seit 1984
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Worcester (Vereinigte Staaten)
  • ArgentinienArgentinien Rosario (Argentinien)
  • TschechienTschechien Ostrava (Tschechien)
  • RusslandRussland St. Petersburg (Russland), seit 1965
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Baltimore (Vereinigte Staaten)
  • RumänienRumänien Galați (Rumänien)
  • BulgarienBulgarien Varna (Bulgarien)
  • China VolksrepublikChina Shanghai (China)

Weblinks

 <Lang> Commons: Piräus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hellenic Statistical Authority: Publication of provisional results of the 2011 Population Census. 22. Juli 2011, abgerufen am 28. November 2012 (PDF, englisch).
  2. Gerd Höhler: Knotenpunkt für Osteuropa. Chinesen übernehmen Hafen in Piräus. In: Handelsblatt Online. 26. November 2008, abgerufen am 21. November 2012.
  3. Alstom: Alstom to supply the extension of Line 3 of the Athens metro to the Port of Piraeus in consortium with J&P Avax and Ghella. In: Alstom Homepage. 1. März 2012, abgerufen am 28. November 2012 (englisch).
  4. AthensNews: Govt plans €350m Piraeus port upgrade. In: Athens News Homepage. 28. Dezember 2011, abgerufen am 28. November 2012 (englisch).

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