Terra Amata, Italien

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Fundort: Terra Amata, Osthang des Mont Boron, ungefähr 1 Kilometer von Le Lazaret, Italien
Spezies: Homo
Geschätztes Alter: 305.000 Jahre, Datierung basierend auf Paläomagnetismus
Kultur: Acheuléen
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Rekonstruktion einer Hütte bei Terra Amata

Terra Amata ist eine offene archäologische Fundstelle an den Hängen des Mount Boron in Nizza, etwa 26 Meter über dem Meeresspiegel. Die Stelle lag ursprünglich an einem prähistorischen Strand und wurde im Jahr 1966 von Henry de Lumley entdeckt und ausgegraben. Dabei kamen Werkzeuge des unteren Paläolithikums, datiert auf etwa 400.000 vor heute, sowie einige der frühesten Spuren von Feuernutzung in Europa ans Licht. Heute befindet sich an der Fundstelle Terra Amata ein Museum über das prähistorische Nizza, wo einige der entdeckten Objekte zu sehen sind.

Terra Amata wurde im Jahr 1966 beim Bau einer Terrasse in der Nähe des Hafens von Nizza entdeckt. Nach zähen Verhandlungen mit dem Eigentümer des Grundstücks bekam de Lumley die Erlaubnis, von Ende Januar bis Anfang Juli 1966 auf dem Gelände zu arbeiten. Er und sein Team arbeiteten sieben Tage die Woche, und am Ende rund um die Uhr, um ihre Arbeit abschließen zu können.

Laut de Lumley stellt der Fundort eine Siedlung an einem prähistorischen Strand dar. Der Fundort enthält mehrere Schichten mit Anzeichen von Wohnstätten. Diese Hütten wurden auf 380.000 Jahre vor heute datiert und und in der Mitte jeder Hütte befand sich eine Feuerstelle mit Asche, was zeigt, dass die Bewohner das Feuer für sich nutzbar machten. Diese Anzeichen der Feuerbeherrschung sind neben Menez Dregan im Département Finistère in Frankreich, Beeches Pit in Suffolk in England, und Vertesszollos in Ungarn die frühesten bekannten Belege für die Kontrolle des Feuers in Europa.

Die Feuerstellen waren an der nordwestlichen Seite durch niedrige Mauern aus Steinen und Strandkieseln geschützt, vermutlich wegen dem starken Mistral-Wind. De Lumley glaubt, dass die Bewohner die Hütten aus Tierhäuten und Stangen bauten, mit einem Loch in der Mitte, damit der Rauch entweichen konnte. Zwanzig bis vierzig Menschen könnten in einem solchen Zelt Schutz gefunden haben. Wenn de Lumleys Theorie richtig ist, dann wäre Terra Amata eine der ersten von Menschen geschaffenen Behausungen in Europa.

Eine ganz andere Interpretation der Fundstelle wurde später von der Archäologin Paola Villa vorgeschlagen, die einen Teil ihrer Doktorarbeit dem Fundort von Terra Amata widmete. Sie argumentierte, dass die Schlussfolgerungen von De Lumley reine Vermutungen und nicht sehr überzeugend waren. Denn es wäre ebenso wahrscheinlich, so Villa, dass die Steine bei den Feuerstellen durch Wasserströme oder andere natürliche Vorgänge abgelagert worden seien.

Villa hat auch argumentiert, dass die Steinartefakte aus den verschiedenen Wohnschichten zusammengefügt werden könnten, was zeige, dass die Sedimente der Spalte durch geologische Prozesse auf und ab bewegt wurden. So seien die Ansammlungen von Werkzeugen in den vermeintlichen Wohnschichten wahrscheinlich ein Gemisch von Artefakten aus verschiedenen Epochen. Es gebe, so Villa, daher zwingende Beweise, dass die Fundstelle relativ invasiven Ablagerungsprozessen ausgesetzt gewesen sei, was auch die Stein-"Arrangements" erklären würde.

Villa argumentiert, dass de Lumley den Erhaltungszustand des ursprünglichen Standorts stark überschätzt habe, und dass es unmöglich sei, die Objekte genau zu datieren, da man nicht davon ausgehen könne, dass sich die Schichten unabhängig voneinander abgelagert haben. Auch ist Villa der Meinung, dass die Fundstelle nicht 380.000, sondern höchstens 230.000 Jahre alt ist.

Weblink: Musée de Paléontologie humaine de Terra Amata


Literatur

  • Henry de Lumley. 2010. La Grand Histoire des premiers hommes européen. Verlag Odile Jacob
  • Villa, P. 1983. Terra Amata and the Middle Pleistocene archaeological record of southern France. Berkeley: University of California Press.
  • Lumley, H. de .1966. - Les fouilles de Terra Amata à Nice (A.-M.). Premiers résultats. Bulletin du Musée d'Anthropologie préhistorique de Monaco, n° 13, pp. 29-51

Koordinaten


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