Omo, Kibish Formation, Äthiopien

Letzte Meldung:   Urmenschen mit Fingerspitzengefühl   –  Senckenberg-Wissenschaftlerin Katerina Harvati widerlegt gemeinsam mit ihrem Team der Universität Tübingen und in enger Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel die bisherige Annahme, dass sich Neandertaler bei dem Einsatz ihrer Hände hauptsächlich auf ihre Kraft verlassen hätten. In einer heute im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Studie zeigen sie....

Fundort: Omo, Kibish Formation, Ostafrikanischer Grabenbruch, Äthiopien
Spezies: Homo sapiens, Homo heidelbergensis
Fossil: Omo I, Omo II
Geschätztes Alter: 145.000 Jahre, Datierung basierend auf Kalium-Argon Methode
Kultur: Moustérien

Die Omo-Überreste sind eine Sammlung von Hominidenknochen, die zwischen 1967 und 1974 an den Kibish Fundstellen in der Nähe des Omo Flusses im Omo National Park im Südwesten Äthiopiens entdeckt wurden. Die Knochen wurden von einem Team der Kenya National Museums unter Leitung von Richard Leakey ausgegraben. Die Überreste von "Kamoyas Hominid-Site" (KHS) tragen die Bezeichnung Omo I, die Überreste von "Pauls Hominid-Site" (PHS) Omo II.

Teile der Funde repräsentieren offensichtlich die ältesten Fossilien, die man Homo sapiens zuordnen kann. Die Altersbestimmung mittels 40Ar/39Ar-Datierung der geologischen Tuffe im Jahr 2004 ergab für die Ebene unterhalb der Fundschicht (Member I) ein Alter von 198.000 ± 14.000 Jahren und für die Ebene oberhalb der Fundschicht (Member III) ein Alter von 104.000 ± 7.000 Jahren. In einem 2005 veröffentlichten Artikel in "Nature News" über die Fossilien wird Äthiopien als die "Wiege des Homo sapiens" bezeichnet.

Die beiden Exemplare Omo I und Omo II unterscheiden sich in ihren morphologischen Merkmalen, wobei Omo II eher archaische Züge aufweist. Studien der postcranialen Überreste von Omo I zeigen insgesamt eine modern-menschliche Morphologie mit nur einigen primitiven Merkmalen. Beide Fossilen stammen aus ähnlichen stratigraphischen Niveaus oberhalb von Member I. Die Autoren, die die neue Datierung vornahmen, gehen davon aus, dass die "bevorzugte Altersschätzung der Kibish Hominiden bei 195.000 ± 5.000 Jahre liegt".

Die Überreste, die aus zwei Teilschädeln, vier Becken, einem Beinknochen, rund 200 Zähnen und einigen anderen Teilen bestehen, wurden zwischen 1967 und 1974 gefunden. Da man in den Schichten nur wenige Überreste der damaligen Tierwelt und nur ein paar Steinartefakte finden konnte, wurde die Zuverlässigkeit der Datierung und die Herkunft der Kibish Hominiden immer wieder in Frage gestellt.

Über 30 Jahre später wurde eine detaillierte stratigraphische Analyse der Umgebung der Fossilien durchgeführt, wobei eine Argon-Datierung von Member I ein Alter von 195.000 Jahren ergab und von Member III ein Alter von 105.000 Jahre. Die mittlerweise zahlreichen neuen Steinwerkzeuge aus Member I und III weisen technologische Kennzeichen der Middle Stone Age auf. Die Schicht unterhalb der Fossil-Schicht ist wesentlich älter als die 160.000 Jahre alten Überreste von Herto (Homo sapiens idaltu), welche bislang als die ältesten Fossilien von Homo sapiens galten.


Literatur

  • McDougall, I., Brown, F. H., & Fleagle, J. G. (2005). Stratigraphic placement and age of modern humans from Kibish, Ethiopia. Nature, 433(7027), 733-736
  • Brown, F. H., & Fuller, C. R. (2008). Stratigraphy and tephra of the Kibish Formation, southwestern Ethiopia. Journal of Human Evolution

Koordinaten

  • 5.427222° N, 35.916111° E von Henry Gilbert,
     

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