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Navigatio Sancti Brendani (Abbatis) („Die Seereise [des Abtes] Sankt Brendan“) ist der Titel einer immram (mythische Reiseerzählung), die vermutlich im 9. Jahrhundert aus der Verbindung von keltischen Legenden und christlichen Vorstellungen entstanden ist. Seit dem 12. Jahrhundert ist diese Erzählung, in einige Sprachen übersetzt, in ganz Europa verbreitet. Insgesamt sind nach Forschungen des amerikanischen Gelehrten Carl Selmer rund 120 Versionen erhalten.[1]

Inhalt

Sankt Brendan und das Seeungeheuer, Titelblatt einer deutschen Ausgabe um 1460

Sankt Brendan (lateinisch: Brendanus, irisch: Brénaind) war ein irischer Heiliger und Klostervorsteher von Clonfert aus dem 6. Jahrhundert.

In der Navigatio Sancti Brendani, die er zwischen 565 und 573 mit zwölf Gefährten unternommen haben soll, wird seine Fahrt in den Atlantischen Ozean von Irland aus mit einem Curragh beschrieben. Er wollte die „Terra Repromissionis“, eine verheißene Insel im Westen, erreichen. Auf dem Weg zu dieser Brendaninsel, die in mehreren mittelalterlichen Karten verzeichnet ist, erlebt er viele Abenteuer, die in 29 Kapiteln aufgezeichnet sind.

Nach dem Bau des Bootes auf der Sankt-Enda-Insel (Inishmore, Aran-Inseln) segeln sie auf das offene Meer hinaus, wo sie nach einigen Tagen auf einer Insel landen, die sich als der größte Fisch der Welt, namens Jasconius, herausstellt. Weiters entdecken sie die Mönchsinsel, die Schafinsel und die Vogelinsel, wo sie einen geheimnisvollen Begleiter, den Procurator (in den englischen Übersetzungen als Steward bezeichnet) treffen, der sie nun immer wieder mit Speise und Trank versorgt und ihnen den Weg weist. Er erklärt ihnen, dass sie für sieben Jahre denselben Kreislauf zu diesen Inseln nehmen müssten. Sie beobachten den Kampf zweier Meeresungeheuer, werden vom Vogel Greif angegriffen, kommen zu einem treibenden Kristallpfeiler (einem Eisberg?), werden von den Bewohnern der Vulkaninsel mit glühenden Schlackensteinen vertrieben und fahren durch das „geronnene Meer“ (Treibeis?). Schließlich finden sie die Insel der Seligen, bleiben dort einige Zeit und kehren dann nach Irland zurück. Sankt Brendan erzählt allen Mitbrüdern die erlebten Abenteuer und prophezeit seinen baldigen Tod, der dann auch eintritt.[1]

Timothy Severins Reise

Am 16. Mai (dem Namenstag des Heiligen Brendan) 1976 startete der britische Abenteurer, Historiker und Schriftsteller Timothy Severin mit dem Originalnachbau eines irischen Leder-Curraghs namens Brendan von der Mündung des irischen Brandon Creeks (County Kerry) zu einer Wiederholung der Navigatio. Mit einigen Begleitern durchsegelte er den Nordatlantik in zwei Etappen - mit einer Winterpause in Island. Am 25. Juni 1977 landeten sie in Musgrave Harbor auf Neufundland. Sein Reisebericht erinnert an die Bücher von Thor Heyerdahl (Kon-Tiki und Ra).[2]

Siehe auch

Literatur

  • Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur. Kröner, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-46601-5.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Carl Selmer: Navigatio Sacti Brendani Abbatis.Veröffentlichungen zur Mittelalter-Forschung Band IV, University of Notre Dame Press, Notre Dame Campus/Indiana 1959.
  2. Timothy Severin: Tausend Jahre vor Kolumbus. Auf den Spuren der irischen Seefahrermönche. Hoffmann und Campe, Hamburg 1979, ISBN 3-455-08883-X.

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