Manapa-Tarḫunta (auch Manaba-Tarḫunta oder Manabatarḫunta, luwisch: „Tarḫunt sieht ihn“) war ein König des Šeḫa-Flusslandes Ende des 14. Jahrhunderts v. Chr. und Anfang des folgenden Jahrhunderts.

Manapa-Tarḫunta war der Sohn von Muwawalwi und wurde nach dessen Tod von seinen Brüdern vertrieben, worauf Ura-Tarḫunta König wurde. Er floh ins Land Karkiša und wurde dann mit Hilfe der Hethiter von Arnuwanda II. in seine Herrschaft als König von Šeḫa eingesetzt. Als Muršili II. gegen Arzawa zog, schlug sich Manapa-Tarḫunta auf die Seite von Uḫḫaziti, dem Usurpator von Arzawa. Nur mit Mühe und unter Bitten seiner betagten Mutter gelang es ihm nach der Unterwerfung von Arzawa, sich der Strafe Muršilis zu entziehen, der ihn schließlich als Vasallenkönig von Šeḫa vereidigte.

Aus dem sogenannten Manapa-Tarḫunta-Brief (CTH 191), den er an Großkönig Muwatalli II. (ca. 1294–1272 v. Chr.) schrieb, geht hervor, dass ein hethitisches Heer unter Führung eines gewisse Gaššu durch sein Land oder an diesem vorbei zog, um nach Wiluša zu gelangen. Ob der Grund des militärischen Einschreitens eine Aktion durch den Rebellen Piyamaradu war, z. B. eine Besetzung Wilusas, ist unsicher. Zwar kommen im folgenden Text Aktivitäten Piyamaradus ausführlich zur Sprache, jedoch wird er im Absatz zu Wilusa, der zudem durch einen Paragraphenstrich von den folgenden Schilderungen getrennt ist, nicht genannt, zumindest hat sich sein Name nicht erhalten.[1] Obwohl Manapa-Tarḫunta als Vasall zum Stellen von Truppen verpflichtet war,[2] beteiligte er sich nicht an diesem Feldzug und führt im Brief als Grund eine ernste Erkrankung an. Anschließend berichtet Manapa-Tarḫunta von einer schweren Demütigung durch Piymaradu. Daraus wird zuweilen eine schwere militärische Niederlage abgeleitet, die Manapa-Tarḫunta gegen Piyamaradu erlitt,[3] sicher aus dem Text hervor geht aber nur, dass Piyamaradu seinen (zumindest zukünftigen[4]) Schwiegersohn Atpa aus Millawanda dem Manapa-Tarḫunta vorangestellt, Atpa also offenbar zeitweise de facto zum Herrscher über das Šeḫa-Flussland bestimmt, dem sich Manapa-Tarḫunta unterzuordnen hatte.[5] Dem Brief ist ferner zu entnehmen, dass Piyamaradu mit Unterstützung Atpas von der zu Šeḫa gehörenden Insel Lazpa (Lesbos) Sarapitu, wohl Priester oder Handwerker, nach Itamar Singer Purpurfärber,[6] nach Millawanda entführte.

Manapa-Tarḫunta wurde schließlich noch durch Muwatalli abgesetzt. An seiner Stelle wurde Manapa-Tarḫuntas Sohn Mašturi als neuer Vasallenkönig von Šeḫa vereidigt. Der Zeitpunkt des Thronwechsels ist allerdings nicht genau bestimmbar.[7] Beckman, Brye und Cline nehmen an, dass Manapa-Tarḫunta bald nach Verfassen des Briefs durch Muwatalli II. abgesetzt wurde, da er gealtert war, seinen Pflichten (Beteiligung am Eingreifen in Wiluša) nicht nachkam und sich nun auch als schwerkrank bezeichnete. Muwatalli habe jedoch einen starken Vasallenkönig in dieser Region benötigt.[8]

Literatur

  • Susanne Heinhold-Krahmer: Manapa-dU, Manapa-Tarḫunta. In: Dietz Otto Edzard (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie. Band 7, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1987–1990, ISBN 3-11-010437-7, S. 332–446.
  • Harry A. Hoffner: Letters from the Hittite Kingdom. Society of Biblical Literature, Houston 2009, S. 293–296 (Manapa-Tarhunta-Brief).

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Zu einer gewissen Vorsicht bei der (in der Forschung oft vertretenen) Interpretation, Piyamaradu wäre Hauptakteur bei einem Angriff auf Wilusa gewesen, mahnt u. a. Trevor Bryce: The Trojans & Their Neighbours. Routledge, London – New York 2006, S. 184. Aus dem Brief ginge dies nicht zwingend hervor.
  2. Susanne Heinhold-Krahmer: Ist die Identität von Ilios mit Wiluša endgültig bewiesen? in: Studi micenei ed egeo-anatolici. 45, 2004, S. 37.
  3. Wolf-Dietrich Niemeier: Griechenland und Kleinasien in der späten Bronzezeit. Der historische Hintergrund der homerischen Epen. In: Michael Meier-Brügger (Hrsg.): Homer, gedeutet durch ein großes Lexikon. Akten des Hamburger Kolloquiums vom 6.-8. Oktober 2010 zum Abschluss des Lexikons des frühgriechischen Epos (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Neue Folge Band 21). De Gruyter, 2012, S. 165; Konstantinos Kopanias: Deconstructing Achilles. The Stories about Piyamaradu and the making of a Homeric Hero. In: Peter Pavúk, Věra Klontza-Jaklová, Anthony Harding (Hrsg.): EUDAIMON. Studies in honour of prof. Jan Bouzek. Charles University Prag 2018, S. 59 (mit weiteren Einzelnachweisen). online
  4. Dass Atpa Schwiegersohn Piyamaradus war geht zweifelsfrei erst aus dem später datierten Tawagalawa-Brief hervor
  5. so auch Gary M. Beckman, Trevor R. Bryce, Eric H. Cline: The Ahhiyawa Texts (= Writings from the Ancient World 28). Society of Biblical Literature, Atlanta 2011, S. 144
  6. vgl., diesem folgend: Hoffner 2009, S. 294.
  7. Susanne Heinhold-Krahmer: Zur Datierungsgeschichte des „Tawagalawa-Briefes“. In: Yoram Cohen, Amir Gilan, Jared L. Miller (Hrsg.): Pax Hethitica. Studies on the Hittites and Their Neighbours in Honour of Itamar Singer. Harrassowitz, Wiesbaden 2010, S. 202.
  8. Gary M. Beckman, Trevor R. Bryce, Eric H. Cline: The Ahhiyawa Texts (= Writings from the Ancient World 28). Society of Biblical Literature, Atlanta 2011, S. 143.

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