(Weitergeleitet von Giso (Rugier))

Feletheus (auch Feva, Feba, Foeba, Fevva, Fevvanus, Theuvanus; † 487 in Ravenna) war König der Rugier von 475 bis 487.

Familie

Feletheus war der Sohn des Königs Flaccitheus und Bruder des Ferderuchus.

Feletheus heiratete die als grausam beschriebene[1] Gotin Giso (auch Gisa), möglicherweise eine amalische Cousine von Theoderich dem Großen, was das Bündnis mit den Ostgoten einleitete. Mit ihr hatte er den Sohn Fredericus.[2]

Leben

Nach dem Tod seines Vaters[2] nahm Feletheus wahrscheinlich 475[3] den Titel rugorum rex (König der Rugier) an. Rugiland, sein Herrschaftsbereich, erstreckte sich nördlich der Donau von Favianis (Mautern an der Donau) bis Boiodurum (bei Passau). Er teilte die Macht mit seinem Bruder Ferderuchus der im Osten die Gegend um Favianis beherrschte.[4][5]

476 unterstützten rugische Krieger die Heruler und Skiren unter Odoaker beim Sturz des letzten weströmischen Kaisers. In den Augen römischer Beobachter galt Odoakar daher als herulischer oder rugischer König.[6] Das „rugische Regnum“ fungierte daraufhin als einigermaßen berechenbare Schutzmacht über Norikum Ripense etwa zwischen dem Wienerwald und Enns.[7]

Severin von Noricum, der schon seinem Vater beratend zur Seite stand, ermahnte ihn oft von seinen Freveln Abstand zu nehmen.[8] Dennoch hatte der Arianer Feletheus ein gutes Verhältnis zu dem katholischen Abt[2], den er schon von Jugend an kannte und oftmals besuchte. Im Gegensatz dazu war Königin Giso eine überzeugte Arianerin, die Katholiken bekehrte und der Severin feindselig gegenüberstand.[9] Als einige „barbarische“ Goldschmiede, die gefangengehalten wurden um für Feletheus und Giso Schmuck anzufertigen, Fredericus, den Sohn der Königin als Geisel nahmen um ihre Freilassung zu erzwingen, empfand Giso das als Strafe für ihr Verhalten gegen Severin.[9]

Wegen der Bedrohung von Lauriacum durch Thüringer und Alamannen nahm Feletheus die bedeutende Stadt, in der sich zahlreiche Flüchtlinge aufhielten,[10] schließlich (vor 482) selbst ein.[6] Feletheus wollte die romanische Bevölkerung evakuieren und in ihm tributspflichtigen Orten ansiedeln. Severin trat ihm entgegen und bat darum, ihm den Schutz der "Verschleppten" zu übertragen, was der König ihm zugestand.[10]

Als die Rugier vom oströmischen Kaiser Zenon zum Kampf gegen Odoaker angestiftet wurden, kam es zum Konflikt zwischen Feletheus und seinem Bruder Ferderuchus. Da letzterer Odoakar unterstützte, wurde er um 486/487 durch seinen Neffen Fredericus getötet.[11][12][13] Odoaker kam daraufhin selbst einem möglichen Angriff von dieser Seite zuvor und schlug ein rugisches Heer in der Nähe des Wienerwaldes. Das Reich der Rugier wurde, trotz Unterstützung durch die römischen Provinzialen, 487/488 in zwei Kriegen durch Odoaker zerstört. Feletheus und seine Frau wurden gefangen genommen und in Ravenna 487 hingerichtet.[1][2][13][14][15]

Quellen

Literatur

  • Pauly-Wissowa. Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Bd. 6,2. Stuttgart 1909, Sp. 2161f.
  • Friedrich Lotter: Severinus von Noricum, Legende und historische Wirklichkeit: Untersuchungen zur Phase des Übergangs von spätantiken zu mittelalterlichen Denk- und Lebensformen. Stuttgart 1976.
  • Arnold Hugh Martin Jones u. a.: The Prosopography of the Later Roman Empire. Bd. 1, Cambridge 1971, ISBN 0-521-20159-4, ISBN 978-0-521-20159-9.
  • Walter Pohl: Die Gepiden und die gentes an der mittleren Donau nach dem Zerfall des Attilareiches. In: Herwig Wolfram, Falko Daim (Hrsg.): Die Völker an der mittleren und unteren Donau im fünften und sechsten Jahrhundert. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1980, ISBN 3-7001-0353-0, S. 239–305.

Weblinks

Wikisource: Historia Langobardorum – Quellen und Volltexte (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 149: attempt to index field 'data' (a nil value))

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 The Prosopography of the Later Roman Empire, Band 1, Seite 513
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 The Prosopography of the Later Roman Empire, Band 1, Seite 457
  3. Ludwig Schmidt: Die Ostgermanen, München, 2. Aufl., 1941, S. 120
  4. The Prosopography of the Later Roman Empire, Band 1, Seite 465
  5. Eugippius, Vita Sancti Severini Kap. 42
  6. 6,0 6,1 Herwig Wolfram (Hrsg.): Die Geburt Mitteleuropas. Verlag Kremayr und Scheriau, Wien 1987, ISBN 3-218-00451-9, S. 40ff
  7. Heinrich Beck u. a. (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 25, Verlag de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11017-733-1, S. 452ff.
  8. Historia Langobardorum I, 19
  9. 9,0 9,1 Eugippius, Vita Sancti Severini Kap. 8
  10. 10,0 10,1 Eugippius, Vita Sancti Severini Kap. 31
  11. The Prosopography of the Later Roman Empire, Band 1, Seite 484
  12. Patrick J Geary: Die Merowinger. Europa vor Karl dem Großen. Verlag Beck, München 2003, ISBN 3-406-49426-9, S. 14.
  13. 13,0 13,1 Friedrich Lotter: Völkerverschiebungen im Ostalpen-Mitteldonau-Raum zwischen Antike und Mittelalter (375–600). Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde. 39, Verlag de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-017855-9, S. 25f. und 114.
  14. Felix Dahn: Odovakar. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 24, Duncker & Humblot, Leipzig 1887, S. 154–161.
  15. Arnulf Krause: Die Geschichte der Germanen. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-593-37800-8, S. 173.

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