Flaccitheus († wohl 475) war von 467 bis zu seinem Tod König der Rugier.

Über Flaccitheus ist nur wenig bekannt, doch sind einige Details in der Vita Sancti Severini des Eugippius überliefert. Die Rugier hatten nach der Schlacht am Nedao außerhalb der römischen Reichsgrenze nördlich der Donau ein eigenes Reich errichtet. Der Zusammenbruch der spätantiken Verwaltungsordnung in Noricum beschleunigte sich infolge der Auswirkungen der Völkerwanderung um die Mitte des 5. Jahrhunderts zunehmend. Der Großteil der regulären weströmischen Truppen wurde abgezogen, ebenso wie die meisten Verwaltungsbeamten diesen Raum verließen. Die Rugier in Noricum (die in der Forschung bisweilen als „Kremser Rugier“ bezeichnet werden) nutzen dies aus, um ihre Machtstellung zu festigen; Flaccitheus selbst residierte gegenüber von Favianis (siehe auch Limes Noricus). Doch schon bald gerieten sie in Konflikt mit den Ostgoten in Pannonien, die die Verbindungswege nach Italien kontrollierten und den Rugiern den Durchzug nach Italien verwehrten. Flaccitheus, der wie die meisten Rugier arianischer Christ war, soll den katholischen Abt Severin von Noricum, der in dem von Rugiern beherrschten Noricum lebte und wirkte, um Rat gebeten haben. Severin soll Flaccitheus geraten haben, in Ruhe abzuwarten, dann werde sich alles von selbst regeln, was Flaccitheus beruhigt haben soll.[1] Nach Flaccitheus' Tod (wohl im Jahr 475)[2] bestieg sein Sohn Feletheus den rugischen Königsthron.

Literatur

  • Friedrich Lotter: Severinus von Noricum, Legende und historische Wirklichkeit: Untersuchungen zur Phase des Übergangs von spätantiken zu mittelalterlichen Denk- und Lebensformen. Stuttgart 1976.
  • John Martindale, John Morris: Prosopography of the Later Roman Empire. Band 2, Cambridge 1980, S. 473.
  • Walter Pohl: Die Gepiden und die gentes an der mittleren Donau nach dem Zerfall des Attilareiches. In: Herwig Wolfram, Falko Daim (Hrsg.): Die Völker an der mittleren und unteren Donau im fünften und sechsten Jahrhundert. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1980, ISBN 3-7001-0353-0, S. 239–305.
  • Edward A. Thompson: Romans and Barbarians. Madison 1982, S. 113ff.

Anmerkungen

  1. Vita Sancti Severini 5.
  2. Vgl. Ludwig Schmidt: Die Ostgermanen. 2. Aufl., München 1941, S. 120.

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Personenleiste“ ist nicht vorhanden.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.