Maludong, China

Fundort: Maludong, Jinping, Honghe, China
Spezies: Homo
Geschätztes Alter: 13000 Jahre, Datierung basierend auf Radiokarbon-Methode (C-14)

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Maludong ist eine Fundstelle im Südwesten Chinas. Im März 2012 veröffentlichten Forscher um die Paläoanthropologen Darren Curnoe (University of New South Wales) und Ji Xueping (Yunnan Institute of Cultural Relics and Archeology) einen Fund, der schon einige Jahre zurückliegt. Bereits im Jahr 1989 entdeckten Steinbrucharbeiter in der Höhle von Maludong (oder Rothirsch-Höhle) in der Nähe von Mengzi im Südwesten Chinas mindestens drei Fossilen, die erst 2008 untersucht wurden.

Die Forscher nennen die Menschen von Maludong "Rothirschvolk", da sie offensichtlich eine Vorliebe für Rotwild hatten, das sie in der gleichnamigen Höhle verzehrten.

Ein viertes Fossil, das den Fossilien aus Maludong stark ähnelt, wurde bereits im Jahr 1979 von einem Geologenteam bei Longlin entdeckt und drohte im Keller eines archäologischen Instituts in Vergessenheit zu geraten.

Datiert auf nur 14.500 bis 11.500 Jahre, zeigen die Fossilien eine höchst ungewöhnliche Mischung aus archaischen und modernen anatomischen Merkmalen. Das Besondere an diesen Funden ist ihr sehr geringes Alter, gepaart mit einem archaischen Aussehen. Diese Menschen waren nämlich offensichtlich Zeitgenossen des modernen Homo sapiens, der zu dieser Zeit bereits Ackerbau betrieb.

Details der Entdeckung wurden in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht. Wegen ihrer ungewöhnlichen Merkmals-Mischung sind die Forscher allerdings vorsichtig, wenn es um die Klassifizierung geht: "Diese neuen Fossilien könnten zu einer bisher unbekannten Menschenart gehören, die erst am Ende der letzten Eiszeit vor rund 11.000 Jahren verschwand", so Darren Curnoe, "oder sie stellen eine sehr frühe und bislang unbekannte Migration des modernen Menschen aus Afrika dar, eine Population, die genetisch nicht zur heutigen Bevölkerung beitrug."

Alles in allem sind die Menschen von Maludong die jüngste Bevölkerung auf der ganzen Welt, deren Anatomie nicht so einfach in das Raster des modernen Menschen zu passen scheint, ob er nun vor 150 oder vor 150.000 Jahren lebte, stellen die Forscher fest.


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Schädel eines Angehörigen des "Rothirschvolkes". Forscher erkennen an dem Exemplar Merkmale, die man weder beim heutigen Homo sapiens noch bei archaischen Abstammungslinen des Menschen findet.



Literatur

Koordinaten