Fontana Ranuccio, Italien

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Fundort: Fontana Ranuccio, Valle del Sacco Liri, Italien
Spezies: Homo erectus
Geschätztes Alter: 458.000 Jahre, Datierung basierend auf Kalium-Argon Analyse von archäologischen Schichten
Kultur: Acheuléen

Fontana Ranuccio ist ein Fundort in der Ciociaria, einer Landschaft in Mittelitalien östlich von Rom. Der Fundort befindet sich in der Nähe der Stadt Anagni in der italienischen Provinz Frosinone in der Region Latium.

Fontana Ranuccio ist eine von mehreren paläontologischen Fundstellen im Seenbecken von Agnani. Die Gesamtfläche des Beckens beträgt 20 Quadratkilometer und im Kern befindet sich eine dicke Schicht aus Lehm und Schluff. Die Ränder des Beckens wurden zu verschiedenen prähistorischen Zeiten von einer reichhaltigen Fauna bevölkert, darunter auch von Menschen.

Im Jahr 1976 entdeckte man in einem Steinbruch westlich von Anagni beim Abbau von Puzzolan die Überreste einer prähistorischen Lagerstelle. Bereits ein Jahr danach begann man mit interdisziplinären, archäologischen Grabungsarbeiten. Im Jahr 1983 wurden die Steinbrucharbeiten eingestellt. Seitdem wurden unter Leitung von A. G. Segre der nordwestliche Teil der fossilführenden Schicht freigelegt und einige außergewöhnliche archäologische und paläontologische Entdeckungen gemacht.

Die Schichten bei Fontana Ranuccio stammen aus einer Zeit vulkanischer Aktivität in der Region Latium. Sie sind etwa 12 Meter dick und können in drei Gruppen eingeteilt werden. An der Basis befindet sich eine dicke Schicht aus Puzzolan, das in den Steinbrüchen abgebaut wurde. Die Schicht wurde auf ein Alter zwischen 528.000 bis 487.000 Jahre datiert. Ihr folgt eine zweite Schichtengruppe, die sich aus vulkanischen Sedimenten und Paläoböden zusammensetzt. Sie wurde auf ein Alter zwischen 487.000 und 366.000 Jahre datiert. In dieser Gruppe befindet sich die einzige fossilführende Schicht, die auf ein Alter von 458.000 Jahren datiert werden konnte. Die oberste Gruppe besteht aus pyroklastischen Schichten, in der man zahlreiche Steinwerkzeuge fand.

Die menschlichen Überreste, die man bei Fontana Ranuccio fand, bestehen aus zwei Schneidezähnen und zwei Backenzähnen, die vermutlich von einem Homo erectus stammen. Die Faunengemeinschaft korreliert mit der Sauerstoff-Isotopenstufe (OIS) 11 und datiert in das Pleistozän.

Darüber hinaus fand man eine Sammlung von Stein- und Knochenwerkzeugen, die man in vier Gruppen einteilen kann:

  1. kleine Artefakte aus grauem Feuerstein, meist Abfallprodukte, aber auch einige einfache Werkzeuge wie Schaber usw.
  2. Bifaces aus Feuerstein oder Lava, die auf die zweite Phase des Acheuleen datieren
  3. Grobe Knochenwerkzeuge, meist aus Langknochen von Elefanten oder Hornträgern (Bovidae)
  4. Eine kleine Anzahl meisterlich gefertigter, retuscherter Werkzeuge

Obwohl viele Werkzeuge und Knochen noch keiner detaillierten, taphonomischen Untersuchung unterzogen wurden, kann man behaupten, dass das Fundareal von Fontana Ranuccio nur geringfügig jünger als Bilzingsleben in Deutschland ist.


Literatur

  • Segre, A., & Ascenzi, A. 1984. Fontana Ranuccio: Italy`s earliest middle pleistocene hominid site. Current Anthropology, pp. 230-233
  • Muttoni, G., Scardia, G., Kent, D. V., Swisher, C. C., & Manzi, G. 2009. Pleistocene magnetochronology of early hominin sites at Ceprano and Fontana Ranuccio, Italy. Earth and Planetary Science Letters, 286(1-2), pp. 255-268

Koordinaten

  • 41.758060° N, 13.102505° E von Henry Gilbert,
     

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