Fontechevade, Frankreich

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Fundort: Fontechevade, Charente, Fontéchevade, Frankreich
Spezies: Homo, (sapiens oder neanderthalensis?)
Fossil: Fragmentarische Schädelteile, Merkmals-Mix aus neanderthalensis und sapiens
Geschätztes Alter: 160.000 Jahre, Datierung basierend auf Radiokarbon-Methode (C-14)
Kultur: Moustérien, Tayacien

Fontéchevade ist der Name einer prähistorischen Höhle in der Nähe der Dordogne bei Montbron, 27 km östlich von Angoulême im Départemet Charente.

1947 fand Germaine Henri Martin in der Höhle menschliche Überreste und Werkzeuge, die möglicherweise zwischen 200.000 und 120.000 Jahre alt sind. Die Funde bestehen aus zwei Fragmenten einer Schädelkalotte, die man in einer "Prä"-Mousterien-Schicht unter einem Stalagmitenboden fand. Außerdem kamen bei den Ausgrabungen Reste von Schildkröten, Damhirschen, Murmeltieren, Nashörnern und wiederkäuenden Paarhufern zutage, die allesamt mit einem warmen bis gemäßigten Klima in Zusammenhang gebracht werden können.

Das Fossil mit der Bezeichnung Fontechevade 1 ist ein Fragment des Stirnbeins und beschränkt sich auf die Glabellaregion und einen Teil der Schuppe [?]. Die Schicht, in der das Fossil freigelegt wurde, wird mit der Tayacien-Industrie in Verbindung gebracht, die im Riss-Würm Interglazial vor weniger als 100.000 Jahren bis zum Zwischenstadim von Riss oder Riss II vor etwa 250.000 Jahren vorherrschte.

Fontechevade 1 ist wegen seiner Merkmale besonders interessant. Im Gegensatz zur Schädelmorphologie, die in jener Zeit dominierte und die man bei den Neandertalern antrifft, weist Fontechevade 1 eindeutig moderne Tendenzen auf: eine eher nicht breite und sehr hoch gelegene Stirnhöhle (Sinus frontalis), eine Stirn ohne Überaugenwulst (Torus surpaorbitalis), eine geringe Dicke der Stirnschuppe.

Das Fehlen von Überaugenwülsten deutet zusammen mit einer weinig ausgeprägten Stirnhöhle darauf hin, dass bestimmte Ähnlichkeiten mit der Sapiens-Morphologie bereits vor der Würmvereisung existent waren.

Das zweite Fragment mit der Bezeichnung Fontechevade 2 ist eine Schädelkalotte, die mit einem schätzungsweise 1470 cm³ großen Gehirnvolumen ebenfalls an modern-menschliche Verhältnisse denken lässt. Die enorme Knochendicke zeugt jedoch von einem ausgeprägten Archaismus.

Viele Schädelmerkmale, die bei den europäischen Menschen des Mittleren Pleistozäns anzutreffen sind, bestätigen auch für die Menschen aus Fontechevade evolutive Tendenzen, die nicht auf der Linie der Neandertaler liegen.

Die Überreste von Fontechevade dienten H. V. Vallois (1958) dazu, die Menschen jener Zeit als "repräsentativste Exemplare der Prae-Sapiens-Linie zu bezeichnen.


Literatur

  • Dibble, H. L., McPherron, S. J. P., Chase, P., Farrand, W. R., & Debénath, A. 2006. Taphonomy and the concept of Paleolithic cultures: the case of the Tayacian from Fontéchevade. PaleoAnthropology, 2006, 1-21
  • Chase, P. G., Debénath, A., Dibble, H. L., McPherron, S. P., Schwarcz, H. P., & Stafford, T. W. 2007. New dates for the Fontéchevade (Charente, France) Homo remains. Journal of Human Evolution 52(2), 217-221

Koordinaten

  • 45.678299° N, 0.478889° E von Henry Gilbert,
     

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