Apidima, Griechenland

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Fundort: Apidima, Halbinsel Mani, südlicher Peloponnes, Griechenland
Spezies: Homo heidelbergensis
Fossil: Apidima I, Apidima II, Apidima III
Geschätztes Alter: 440.000 Jahre
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Vergleich der beiden wichtigsten Schädelfunde aus Griechenland

Der Apidima Höhlenkomplex befindet sich an der Westküste der Halbinsel Mani, zwischen dem Golf von Lakonia und dem Golf von Messene, auf dem südlichsten Teil des Peloponnes.

An den steilen Klippen entlang der Küste von Mani gibt es zahlreiche Höhlen und Hohlräume, die sich im Kalkstein gebildet haben. Sie enthalten Quartärablagerungen, in denen man auch oft archäologische Funde machen kann, aber nur wenige der Höhlen sind zugänglich oder haben die Erosion überstanden. Die Sedimente liegen in der Regel in Form von zementierten - und häufig fossilführenden - Brekzien oder als Geröll- und Schuttkegel vor.

Die Ausgrabungen, die zwischen 1978 und 1985 durchgeführt wurden, konzentrierten sich auf vier Höhlen (A-D) in 4 bis 24 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Bislang kamen mehr als 30.000 Faunenreste und menschliche Hinterlassenschaften zum Vorschein. Insbesondere die Entdeckung zahlreicher fossiler Knochen von Menschen, die von 6-8 verschiedenen Individuen stammen, macht Apidima zum wichtigsten paläoanthropologischen Fundort Griechenlands.

Die menschlichen Schädel (Apidima I und II) stammen aus der Höhle A. Apidima I wurde in situ (am ursprünglichen Ort) auf der Oberfläche einer Brekzie-Tasche gefunden, eingekeilt zwischen den Höhlenwänden. Der zweite Schädel, Apidima II, wurde etwas später ganz in der Nähe des ersten Schädels gefunden, als man dabei war, einen Block zur Weiterbearbeitung im Labor aus der Brekzie herauszulösen. Zusammen mit dem Schädel aus Petralona stellen diese beiden Exemplare die wichtigsten Fundstücke Griechenlands aus dem Unteren Paläolithikum dar.

Apidima II ist in einem besseren Zustand als Apidima I, der weniger vollständig ist und erst vor kurzem komplett gereinigt wurde. Obwohl Apidima I und II von großer Bedeutung für die menschliche Evolution in Eurasien sind, liegen bis heute noch keine absoluten Datierungen vor. Der Chef-Ausgräber, der Paläoanthropologe T. Pitsios, ordnet beide Schädel einer archaischen Form von Homo sapiens zu. Dabei stützt er sich auf den geologischen Kontext und die Morphologie von Apidima II und schlägt einen chronologischen Zeitraum zwischen 100.000 und 300.000 Jahren vor (Pitsios, 1995). Bei einer internationalen "Konferenz über die Paläoanthropologie der Halbinsel Mani" verglich man Apidima II mit dem Schädel aus Petralona und kam zu dem Schluß, dass beide viele Gemeinsamkeiten haben, obwohl Apidima graziler ist (Harvati und Delson, 1999). Aber man erkannte auch Ähnlichkeiten mit dem Neandertaler und so stimmten die meisten Teilnehmer überein, dass es einige Gesichtsmerkmale gibt, die deutlich an den Neandertaler erinnern, wenn auch nicht in der ganzen klassischen Morphologie.

Bei Apidima III handelt es sich um ein weitgehend vollständiges Skelett eines modernen Homo sapiens, vermutlich von einer Frau. Da das Selett in einer zusammengekauerten Position entdeckt wurde, geht man davon aus, dass es sich um ein Begräbnis handelt. Die kurze Beschreibung der Steinartefakte läßt auf die Kulturstufe des Aurignacien schließen, was besonders interessant ist, da solche Funde in Griechenland sonst fast völlig fehlen. Das Skelett wurde auf 30.000 Jahre vor heute datiert.


Literatur

  • Pitsios T. K. 1999. Paleoanthropological research at the cave site of Apidima and the surrounding region (south Peloponnese, Greece). Anthropol. Anzeiger 57:1-11
  • Harvati, K., Delson, E. 1999. Conference report: paleoanthropology of the Mani Peninsula (Greece). J. Hum. Evol. 36: 343-348
  • Pitsios, T. K. 1995. Paleoanthropological research at the cave site of Apidima, Laconia, Greece. Acta Anthropol. 1: 1-180

Koordinaten

  • 36.653610° N, 22.372499° E von Henry Gilbert,
     

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