Amud, Israel

Fundort: Amud, Wadi Amud, Hokuk, nähe des Sees Genezareth, Israel
Spezies: Homo neanderthalensis
Fossil: Überreste eines erwachsenen Mannes und eines Säuglings
Geschätztes Alter: 60000 Jahre, Datierung basierend auf Thermolumineszenz-Methode (TL), Elektronenspinresonanz-Verfahren (ESR)
Kultur: Mousterien, Feuer

Letzte Meldung:   Papua haben mehrere Denisovaner-Vorfahren   –  Als der moderne Mensch Afrika verließ, vermischte er sich mit dem Neandertaler und dem Denisova-Menschen. Ein Forschungsteam hat nun DNA-Fragmente untersucht, die diese ausgestorbenen Homininen an moderne Menschen weitergegeben haben, deren Nachfahren heute auf den Inseln Südostasiens und in Papua-Neuguinea leben. Dabei stellten sie fest, dass nicht nur eine, sondern zwei verschiedene Denisovaner-Linien – die sich schon vor Hundertausenden von Jahren voneinander getrennt hatten – Erbgut an die Vorfahren der Papua weitergegeben haben. Eine der beiden Denisova-Linien unterscheidet sich von der anderen so sehr, dass es sich bei ihr sogar um eine völlig neue Urmenschen-Gruppe handeln könnte.....

Das Wadi Amud verläuft von den Bergen des Oberen Galiläa in der Nähe von Safed durch das Jordan-Tal und mündet in den See Genezareth. Etwa 8 Kilometer oberhalb seines Eintritts in das Jordan-Tal schlängelt sich das Wadi durch eine 60 - 90 Meter tiefe Kalkstein-Schlucht. Etwa 1,6 Kilometer vom unteren Ende der Schlucht ragt eine Säule aus Kalkstein in den Himmel. Diese Säule (Amud auf Hebräisch) ist das Ergebnis selektiver Erosion und des Abbruchs großer Kalksteinblöcke. An beiden Steilhängen der Schlucht befinden sich zahlreiche, vom Wasser ausgewaschene Höhlen, die zu verschiedenen prähistorischen Zeiten von Menschen bewohnt wurden.

Bei archäologischen Grabungen unter Leitung von Hisashi Suzuki in einer dieser Höhlen, direkt neben der Steinsäule, konnte 1961 das Skelett eines Neandertalers geborgen werden. Das als Amud 1 bezeichnete Skelett gehört mit einer Körperhöhe von 1,80 Metern zu den größten bekannten Individuen seiner Art.


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Es handelt sich um einen jungen Mann, der im Alter von etwa 25 Jahren starb, was man von den Verwachsungen der Schädelnähte herleiten kann. Besonders bemerkenswert ist - abgesehen von seiner Körpergröße - sein Gehirn, das ein Volumen von 1.740 Kubikzentimeter aufweist und damit das größte aller bekannten Homo-Gehirne ist.

Bei weiteren Ausgrabungen in der Amud-Höhle kamen Anfang der 1990er Jahre die Überreste von vier Menschen ans Licht. Wie man an den Knochen erkennt, starben alle während des ersten Lebensjahres, mit Ausnahme eines Kindes von etwa acht Jahren, auf das ein einziger Zahn hinweist. 1992 wurde Amud 7 gefunden; der Säugling war in einer noch tieferen Schicht der stratigraphischen Höhlenabfolge bestattet als das 1961 entdeckte Neandertaler-Teilskelett Amud 1. Nach dem Entwicklungsstand der Zähne zu schließen, starb der Säugling im Alter von nur zehn Monaten.

Das Alter der Fundstelle konnte mit dem Elektronenspinresonanverfahren auf 40.000 bis 50.000 Jahre datiert werden. Wegen der Datierung, die in die Spätphase der Neandertaler fällt, und wegen der Unterschiede zu den europäischen Neandertalern spekulieren einige, dass Amud 1 möglicherweise ein weiterentwickelte Form des Neandertalers darstellt.

Fundstücke Nachfolgende Fotos © Human Evolution Research Center, (US-Lizenz Fair Use)

Homo neanderthalensis
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AMUD 1

CRA, MAN

Homo neanderthalensis
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AMUD 7

MAN, OCC (imm.)


Literatur

Koordinaten