Amud, Israel

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Fundort: Amud, Wadi Amud, Hokuk, nähe des Sees Genezareth, Israel
Spezies: Homo neanderthalensis
Fossil: Überreste eines erwachsenen Mannes und eines Säuglings
Geschätztes Alter: 60.000 Jahre, Datierung basierend auf Thermolumineszenz-Methode (TL), Elektronenspinresonanz-Verfahren (ESR)
Kultur: Moustérien, Feuer
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Das Wadi Amud verläuft von den Bergen des Oberen Galiläa in der Nähe von Safed durch das Jordan-Tal und mündet in den See Genezareth. Etwa 8 Kilometer oberhalb seines Eintritts in das Jordan-Tal schlängelt sich das Wadi durch eine 60 - 90 Meter tiefe Kalkstein-Schlucht. Etwa 1,6 Kilometer vom unteren Ende der Schlucht ragt eine Säule aus Kalkstein in den Himmel. Diese Säule (Amud auf Hebräisch) ist das Ergebnis selektiver Erosion und des Abbruchs großer Kalksteinblöcke. An beiden Steilhängen der Schlucht befinden sich zahlreiche, vom Wasser ausgewaschene Höhlen, die zu verschiedenen prähistorischen Zeiten von Menschen bewohnt wurden.

Bei archäologischen Grabungen unter Leitung von Hisashi Suzuki in einer dieser Höhlen, direkt neben der Steinsäule, konnte 1961 das Skelett eines Neandertalers geborgen werden. Das als Amud 1 bezeichnete Skelett gehört mit einer Körperhöhe von 1,80 Metern zu den größten bekannten Individuen seiner Art.

Es handelt sich um einen jungen Mann, der im Alter von etwa 25 Jahren starb, was man von den Verwachsungen der Schädelnähte herleiten kann. Besonders bemerkenswert ist - abgesehen von seiner Körpergröße - sein Gehirn, das ein Volumen von 1.740 Kubikzentimeter aufweist und damit das größte aller bekannten Homo-Gehirne ist.

Bei weiteren Ausgrabungen in der Amud-Höhle kamen Anfang der 1990er Jahre die Überreste von vier Menschen ans Licht. Wie man an den Knochen erkennt, starben alle während des ersten Lebensjahres, mit Ausnahme eines Kindes von etwa acht Jahren, auf das ein einziger Zahn hinweist. 1992 wurde Amud 7 gefunden; der Säugling war in einer noch tieferen Schicht der stratigraphischen Höhlenabfolge bestattet als das 1961 entdeckte Neandertaler-Teilskelett Amud 1. Nach dem Entwicklungsstand der Zähne zu schließen, starb der Säugling im Alter von nur zehn Monaten.

Das Alter der Fundstelle konnte mit dem Elektronenspinresonanverfahren auf 40.000 bis 50.000 Jahre datiert werden. Wegen der Datierung, die in die Spätphase der Neandertaler fällt, und wegen der Unterschiede zu den europäischen Neandertalern spekulieren einige, dass Amud 1 möglicherweise ein weiterentwickelte Form des Neandertalers darstellt.


Literatur

  • Suzuki, H. und F. Takai (Hrsg.), 1970. The Amud Man and His Cave Site (University of Tokyo Press,Tokio)
  • Rak, Y., W. H. Kimbel und E. Hovers, 1994. A Neandertal infant from Amud Cave, Israel. Journal of Human Evolution 26: 313 -324.

Koordinaten

  • 32.884342° N, 35.502663° E von Henry Gilbert,
     

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