Arago, Frankreich

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Fundort: Arago, östliche Pyrenäen, Frankreich
Spezies: Homo heidelbergensis
Geschätztes Alter: 475.000 Jahre, Datierung basierend auf Uran/Thorium-Methode
Kultur: Acheuléen

Die Höhle von Arago (La Caune de l'Arago) ist eine Karsthöhle in den südlichen Ausläufern der Corbières, einem Bergland im südfranzösischen Département Pyrénées-Orientales, in der Nähe der Ortschaft Tautavel.

Die Höhle befindet sich hoch oben über dem Tal des Flusses Verdouble und bietet eine unvergleichliche Aussicht auf die Umgebung. So diente sie wahrscheinlich auch als Beobachtungsposten für prähistorische Jäger, die so die Bewegungen der Tierherden genau verfolgen konnten. Darüber hinaus kamen viele von ihnen an die Ufer des Verdouble, um zu trinken, was ein großer Vorteil der Jäger von Tautavel war.

Während der verschiedenen Epochen der Erdgeschichte herrschten im Tal von Tautavel immer wieder unterschiedliche Landschaftstypen vor. Seit Menschen die Höhle von Arago bewohnten, war das Tal in Zeiten mit nassem und kaltem Klima von Pinienwäldern bedeckt, während in kalten und trockenen Perioden Steppen vorherrschten, in wärmeren Zeiten Wälder und Strauchvegetation.

Die großen Pflanzenfresser bildeten die Grundlage für die Ernährung der großen Raubtiere und der Menschen. Die Überreste zeugen von der Tatsache, dass diese Tiere von den Menschen in der Höhle gegessen wurden. Man fand fossile Knochen von Rothirschen, Damhirschen, Rentieren, Moschusochsen, Pferden, Bisons, Nashörnern, Tahren, Wildschafen und Gämsen.

Es gibt auch eine Reihe von Überresten von Fleischfressern, von denen einige von den Menschen gejagt wurden, andere lebten und starben in der Höhle und hinterließen die Reste ihrer Mahlzeiten. Darunter waren Höhlenlöwen, Wildhunde, Füchse, Wildkatzen, Luchse, Wölfe, Leoparden und Bären.

Die Fossilien von Tautavel gehören zu den ältesten menschlichen Überresten, die jemals in Europa entdeckt wurden. Die zahlreichen Knochen aus der Arago-Höhle stammen von verschiedenen Individuen, so dass die Morphologie der Menschen von Tautavel gut rekonstruiert werden konnte.

Am zahlreichtsten sind Überreste von Schädeln. Der berühmteste ist der Schädel mit der Bezeichnung Arago 21, bei dem Gesicht und Stirn erhalten sind, sowie Arago 47, ein rechtes Scheitelbein. Mit Formguss-Techniken konnten das fehlende Schläfenbein und Bereiche des Hinterhauptbeins rekonstruiert werden, dabei dienten fossile Knochen von zeitgleich auf Java und bei Swanscombe lebenden Menschen als Vorlage. Der Schädel Arago 21 ist mit seiner niedrigen, fliehenden Stirn und den dicken Überaugenwülsten (Torus supraorbitalis) sehr robust. Das Gesicht ist sehr groß, ebenso wie die Augenhöhlen. Der Unterkiefer hat fast kein Kinn.

Anatomisch gesehen, hatten die Menschen von Tautavel alle notwendigen Voraussetzungen für Sprache. Auch zeigt ein Abguss des Schädelinnenabdrucks, dass alle Gehirnzonen vorhanden waren, die für Sprache verantwortlich sind. Allerdings war das Gehirnvolumen, das man auf 1.100 cm³ schätzte, viel geringer als das heutiger Menschen.

Alle diese Merkmale findet man bei jenen Menschen, die vor den Neandertalern Europa bevölkerten und heute als Homo heidelbergensis klassifiziert werden.


Literatur

  • De Lumley, H. und M.-A. de Lumley. 1971. Découverte de restes humains anténéandertaliens date´s du début de Riss á la Caune de l´Arago (Tautavel, Pyrénées- Orientales). C. R. Acad. Sci. Paris 272: 1729 - 1742.
  • Falguéres, C., Yokoyama, Y., Shen, G., Bischoff, J. L., Ku, T. L., & de Lumley, H. 2004. New U-series dates at the Caune de l´Arago, France. Journal of Archaeological Science, 31(7), 941-952

Koordinaten

  • 42.839653° N, 2.754976° E von Henry Gilbert,
     

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