Zwei prunkvolle Vogelfibeln mit Almandinzellwerk aus Saint-Denis

Der Begriff Vogelfibel (Herkunft von lateinisch fibula ‚Nadel‘) bezeichnet eine Variante der Kleinfibeln der Merowinger- und Völkerwanderungszeit in Europa.

Es handelt sich dabei um aus Bronze, Silber oder ganz selten auch Gold gegossene, vogelförmige Gewand­nadeln. Diese dienten als Verschluss der Oberbekleidung, wie erhaltene Textilreste an archäologischen Funden zeigen.

Drei einfache Vogelfibeln aus Rheinland-Pfalz
vergoldete Vogelfibel mit Almandinauge als Kleiderverschluss (Replik)

Vogelfibeln bestehen aus einer Platte in Form eines Vogels, unter der eine Nadel mit Spirale und ein Nadelhalter den Verschluss ähnlich wie bei einer Brosche oder Sicherheitsnadel bilden.

Die Vogelgestalt der Fibel fand eine regional und zeitlich stark wechselnde Ausgestaltung, so waren zum Beispiel im Thüringerreich kerbschnittverzierte Vogelfibeln besonders verbreitet (siehe Bild). Die gesamte Oberfläche oder nur das Auge des Vogels konnten mit Almandinen besetzt sein.

Literatur

  • Heinrich Beck (Hrsg.): Fibel und Fibeltracht.Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Berlin 2000 ISBN 3-11-016858-8
  • Ernst-Günter Strauß: Studien zur Fibeltracht der Merowingerzeit. Dr. Rudolf Habelt, Bonn 1992 ISBN 3-7749-2590-9

Weblink

Commons: Fibeln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.