Die Villeneuve-Saint-Germain-Gruppe (VSG, französisch Group de Villeneuve-Saint-Germain) ist die älteste Kulturgruppe der Jungsteinzeit (franz. Neolithique ancien) im Nordwesten Frankreichs, insbesondere in der Bretagne und im Pariser Becken sowie in Belgien, wo sie als Blicquien bezeichnet wird. Sie verdankt ihren Namen dem Fundplatz Villeneuve-Saint-Germain an der Aisne, existierte zwischen etwa 5100 und 4700 v. Chr. und bereitet die früheste europäische Megalithphase vor.

Sie ist, wie die gleichzeitige an der Loire­mündung verbreitete Gruppe Neolithique ancien atlantique und die östlich verbreitete La-Hoguette-Gruppe, die schnell von der Bandkeramischen Kultur (LBK) überlagert wurde, ein Ausläufer (Epikardial) der im Südfrankreich und im westmediterranen Raum verbreiteten Cardial- oder Impressokultur.

Der Stier von Aubevoye ist ein zoomorphes Hohlgefäß der Villeneuve-Saint-Germain-Gruppe.

Literatur

  • Rose-Marie Arbogast: Les faunes du groupe de Villeneuve-Saint-Germain de la vallée de l’Oise et leur contexte en Bassin Parisien. In: Bulletin de la Société préhistorique française. Band 92, Nr. 3, 1995, S. 322–331, doi:10.3406/bspf.1995.10033.
  • Anne Hauzeur, Paul-Louis van Berg: Südliche Einflüsse in der Blicquy – Villeneuve-Saint-Germain Kultur. In: Jens Lüning, Christiane Frirdich, Andreas Zimmermann (Hrsg.): Die Bandkeramik im 21. Jahrhundert. Symposium in der Abtei Brauweiler bei Köln vom 16.9.–19.9.2002 (= Internationale Archäologie. Arbeitsgemeinschaft, Symposium, Tagung, Kongress. 7). Leidorf, Rahden/Westfalen 2005, ISBN 3-89646-437-X, S. 147–177.
  • Frédéric Prodéo: La céramique du site Villeneuve-Saint-Germain de Longueil-Sainte-Marie „La Butte de Rhuis III“ (Oise). In: Marc Durand (Hrsg.): 19ème Colloque Interrégional Néolithique. Amiens 1992 (= Revue archéologiques de Picardie. No spécial. 9, ISSN 1272-6117). Amiens 1995, S. 41–61, doi:10.3406/pica.1995.1830.

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