Villa Adriana


Der Canopus mit Blick auf das Serapeium

Die Villa Adriana oder Hadriansvilla wurde von 118 bis 134 n. Chr. ca. 30 Kilometer nordöstlich von Rom, 6 km vor Tivoli (antiker Name: Tibur) als Sommerresidenz und Alterssitz des römischen Kaisers Hadrian ausgebaut. Die Anlage umfasste ca. 120 Hektar an bebautem Gebiet und Grünflächen, auf denen Hadrian die Miniaturen vieler Gebäude und Landschaften nachbauen ließ, die er auf seinen Reisen, vor allem in Griechenland und Ägypten, gesehen hatte. Die Villa ist die größte und aufwendigste Palastanlage, die sich je ein römischer Kaiser erbauen ließ, und wird oft mit Versailles verglichen. Die Anlage hatte große Bedeutung für die Entwicklung der Gartenkunst und war Vorbild für viele barocke Gartenanlagen.

Anlage und einzelne Gebäude

Datei:VillaAdrianaRilievoTopografico1905.png
Plan des Geländes und Stand der Ausgrabungen 1905 (stimmt weitgehend bis heute)

Das heute zugängliche Gebiet umfasst ca. 40 Hektar. Im Museum der Villa wird ein Modell ausgestellt, das zeigt, wie die Villa zu Hadrians Zeiten ausgesehen haben könnte.

Die berühmtesten Bauten der Villa Adriana sind der Heliocaminus, der mit Wand- und Deckenheizung ausgestattet war,[1] ein Teil der großen Thermenanlagen, sowie der Canopus, der Nachbau eines Kanals in Ägypten, der die Stadt Canopus mit Alexandria verband, und an dessen Ende sich ein weiteres Triclinium, das nach einer Inschrift Serapeium benannt wurde (dabei Bezug nehmend auf einen Tempel des Gottes Serapis), anschließt, und das sog. Teatro Marittimo, ein rundes Becken mit einer Insel in der Mitte, die man über zwei Drehbrücken erreichen konnte. Auf dieser Insel war eine kleine Villa untergebracht, in die sich Hadrian zurückziehen konnte. Um den Wassergraben verlief ein Säulengang, darum eine kreisrunde Mauer.

Des Weiteren befanden sich in den Anlagen eine griechische und lateinische Bibliothek (eigentlich Sommertriclinien, die ihre fälschlichen Namen in der Renaissance erhielten), Gästehäuser, eine Gladiatoren-Arena, ein griechisches Theater für etwa 500 Zuschauer, ein Palast mit Basilika, die auch als Gerichtssaal diente, das Odeon, ein rundes Gebäude für Theater- und Musikvorführungen und ein Stadion. Die einzelnen Bauteile sind zwar in sich geschlossen, aber frei im Raum kombiniert (Konglomerat). Sie sollen das zusammengesetzte Römische Reich in seiner Vielfalt und Einheit symbolisieren. Die Anlage ist in die hügelige Landschaft integriert. Betonkuppeln bis zu knapp 17 m Durchmesser bilden bei zahlreichen Gebäuden ein bevorzugtes Mittel zum Deckenabschluss:[2]

  • Serapeum: 16,75 m
  • Sommer-Triclinium (Exedra): 12,00 m
  • Heliocaminus: 11,90 m
  • Kleine Thermen: 10,40 m zu 9,40 m
  • Piazza d'Oro (Vestibül): 9,50 m
  • Heliocaminus: 7,60 m zu 6,20 m

Entstehung und Wiederentdeckung

Die Palatinsbibliothek in der Villa Adriana
Fußboden in Opus sectile in den Piccole Terme der Villa Adriana

Der Kern der Villa ist weitaus älter als Hadrian; sie stammt noch aus spätrepublikanischer Zeit, was aus dem Charakter des Mauerwerks geschlossen werden kann. Wer die Vorbesitzer der Villa waren, bleibt jedoch unklar. Zwar könnte der ältere Kern zum kaiserlichen Fiskus gehört haben, da schon Augustus und Claudius Villen in Tibur besaßen, doch spricht dagegen, dass die Villa schon vor Hadrians Regierungsantritt in seinem Besitz war. Deshalb nimmt man an, dass Hadrians Frau Sabina sie mit in die um die Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert geschlossene Ehe einbrachte. Zwischen 118 und 134 n. Chr. ließ Hadrian die Villa als Sommerresidenz und Alterssitz ausbauen. In der weitläufigen Anlage verbrachte Hadrian die letzten Jahre seiner Herrschaft, empfing hier Philosophen und Intellektuelle oder zog sich zurück, um seine Ruhe zu haben.

Nach dem Tod Hadrians ging die Villa offenbar in den Besitz des Antoninus Pius über, der sie aber nur noch selten benutzte, wie dies auch in der Folgezeit geschah. Um 300 n. Chr. ließ Kaiser Konstantin I. viele Kunstschätze und kostbaren Marmor aus der Villenanlage nach Byzanz bringen. Die Anlage wurde später zwei Mal zerstört, einmal 600 n. Chr. und einmal 800 n. Chr. Die erste Erwähnung der Villa Hadriana findet sich wieder um 1450 in der Italia illustrata des Flavio Biondo.

Um die Wende zum 16. Jahrhundert begannen unter Papst Alexander VI. erste Grabungen. Zwar wurde der achtlosen Zerstörung Einhalt geboten, nicht aber der Plünderung und Beraubung der Ruine. So schmücken viele Kunstwerke aus der Villa Adriana die Villa des Kardinals d’Este in Tivoli, von dem die ersten archäologischen Aufnahmen und Beschreibungen der architektonischen Reste stammen, oder werden heute in verschiedenen europäischen Museen, unter anderem auch in Rom (z. B. im Vatikanischen Museum) ausgestellt. Besonders hervorzuheben sind dabei die Mosaiken, die 1779 im Triclinium des Kleinen Palastes gefunden wurden. Das Kentauren-Mosaik, eines der schönsten der Welt, befindet sich seit 1848 im Alten Museum, Berlin. Im Jahre 1871 ging die Hadriansvilla in den Besitz der italienischen Regierung über, die Ausgrabungen wurden mit dem Ziel der Erhaltung des Freigelegten fortgesetzt.

Seit 1999 gehört die Hadriansvilla zum Weltkulturerbe der Unesco.

Im Jahre 2010 besuchten ca. 108.800 Menschen die Hadriansvilla, während es im Jahre 2000 noch etwa 187.000 waren. Im Sommer 2011 wurden Teile der Hadriansvilla wegen Einsturzgefahr gesperrt.[3]

Sonstiges

Der deutsche Jurist Carl Hau beging am 5. Februar 1926 in den Ruinen der Villa Adriana Suizid.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Jürgen Rasch: Die Kuppel in der römischen Architektur. Entwicklung, Formgebung, Konstruktion, in: Architectura, Bd. 15 (1985), S. 117–139 (139)
  2. Die folgenden Daten nach Jürgen Rasch: Die Kuppel in der römischen Architektur. Entwicklung, Formgebung, Konstruktion, in: Architectura, Bd. 15 (1985), S. 117–139.
  3. http://www.kleinezeitung.at/magazin/reise/2780386/teile-hadriansvilla-bei-rom-gesperrt.story

Literatur

  • Bernard Andreae: Das Kentaurenmosaik und andere Emblemata aus dem Triklinium der Villa Hadriana. In: ders.: Antike Bildmosaiken. Zabern, Mainz 2003, S. 278–293, ISBN 3-8053-3156-8 (mit der älteren Literatur zum Mosaik).
  • Salvatore Aurigemma: Villa Adriana. 2. Aufl., Rom 1996, ISBN 88-240-3862-X.
  • Marina De Franceschini: Villa Adriana. Mosaici – pavimenti – edifice. Rom 1991, ISBN 88-7062-714-4.
  • Frederico Guidobaldi (Hrsg.): Sectilia pavimenta di Villa Adriana. Rom 1994.
  • Adolf Hoffmann: Das Gartenstadion in der Villa Hadriana. Zabern, Mainz 1980, ISBN 3-8053-0345-9.
  • William L. MacDonald, John A. Pinto: Hadrian's villa and its legacy. Yale Univ. Press, New Haven, Conn. 1995, ISBN 0-300-05381-9.
  • Joachim Raeder: Die statuarische Ausstattung der Villa Hadriana bei Tivoli. Frankfurt 1983, ISBN 3-8204-7578-8.
  • Mathias Ueblacker: Das Teatro Marittimo in der Villa Hadriana. Mit einem Beitrag von Catia Caprino. Zabern, Mainz 1985, ISBN 3-8053-0491-9.
  • Hermann Winnefeld: Die Villa des Hadrian bei Tivoli. Aufnahmen und Untersuchungen. Reimer, Berlin 1895 (Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts / Ergänzungs-Heft ; 3) Digitale Vollversion

Weblinks

 <Lang> Commons: Villa Adriana – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

41.94185612.775276Koordinaten: 41° 56′ 31″ N, 12° 46′ 31″ O


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