Sabine Gaudzinski-Windheuser


Sabine Gaudzinski-Windheuser (* 25. Juni 1965 in Bottrop) ist eine deutsche Archäologin.

Werdegang

Gaudzinski-Windheuser studierte seit 1984 in Kiel, Tübingen und Köln Ur- und Frühgeschichte, Geologie/Paläontologie und physische Anthropologie. 1992 wurde sie an der Universität zu Köln in Ur- und Frühgeschichte zum Dr. rer. nat. promoviert.

Sie begann ihre Laufbahn als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. In den Jahren zwischen 1996 und 2003 war sie wiederholt am Institute for Evolution, Systematics and Ecology an der Hebrew University in Jerusalem tätig und lehrte an den Universitäten Köln, Basel und Leiden. 2003 wurde sie Professorin an der Universität Mainz. Im selben Jahr übernahm sie die Leitung des Monrepos, Archäologisches Forschungszentrum und Museums für menschliche Verhaltensevolution (damals noch Forschungsbereich Altsteinzeit) des Römisch-Germanischen Zentralmuseums auf Schloss Monrepos in Neuwied. 2004 hielt sie die Rudolf-Virchow-Vorlesung.

Forschungsschwerpunkte

Gaudzinski-Windheuser widmet sich in ihrer Arbeit der Erforschung und Vermittlung der Entwicklung menschlichen Verhaltens des Neandertalers in der Altsteinzeit. Sie fokussiert dabei besonders auf die Evolution frühmenschlicher Subsistenzstrategien und ihre Auswirkungen auf die soziale Organisation und Landschaftsnutzung. Sie ist vor allem durch ihre archäozoologischen Arbeiten zu den Subsistenzstrategien im Paläolithikum Europas und der Levante bekannt geworden.[1][2] Diese Arbeiten demonstrieren die Bandbreite der unterschiedlichen Jagd-, Ernährungs- und Ausbeutungsstrategien früher Menschen. Sie zeigen erstmals, dass Jagd als menschliches Verhaltensmuster bis vor 1,4 Millionen Jahre zurückverfolgt werden kann.[3]

Ihre Arbeiten leisten einen Beitrag zur Methodik der Archäozoologie und Taphonomie.[4][5]

Weiterhin arbeitet Sabine Gaudzinski-Windheuser zur Entwicklung des Siedlungsverhaltens und der sozialen Organisation in frühen modernmenschlichen Gesellschaften.[6]

Gaudzinski-Windheuser unternahm Geländearbeiten an der 400.000 Jahre alten Fundstelle Kärlich-Seeufer,[7] an der 1,4 Millionen Jahre alten Fundstelle ’Ubeidiya in Israel[8] und an dem mittelpaläolithischen eemzeitlichen Platz Neumark-Nord 2.[9]

Schriften (Auswahl)

  • Wisentjäger in Wallertheim. Zur Taphonomie einer mittelpaläolithischen Freilandfundstelle in Rheinhessen. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 39, 1995, 245-423.
  • Kärlich-Seeufer. Untersuchungen zu einer altpaläolithischen Fundstelle im Neuwieder Becken (Rheinland-Pfalz). In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 43, 1998, 3-239.
  • Subsistenzstrategien frühpleistozäner Hominiden in Eurasien. Taphonomische Faunenbetrachtungen der Fundstellen der 'Ubeidiya Formation (Israel). Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 61, Habelt, Mainz & Bonn 2005.
  • mit R. Rabinovich, L. Kindler, N. Goren-Inbar: The Acheulian site of Gesher Benot Ya'aqov. Mammalian Taphonomy. The assemblages of Layers V-5 and V-6. Springer, Dordrecht 2011.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. S. Gaudzinski-Windheuser: Subsistenzstrategien frühpleistozäner Hominiden in Eurasien. Taphonomische Faunenbetrachtungen der Fundstellen der ’Ubeidiya Formation (Israel). Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 61, Habelt, Mainz & Bonn 2005.
  2. S. Gaudzinski-Windheuser, L. Niven: Hominid subsistence patterns during the Middle and Late Paleolithic in Northwestern Europe. In: Jean-Jacques Hublin, M. P. Richards (Hrsg.): The Evolution of Hominin diets. Springer, Dordrecht 2009, 99–111.
  3. S. Gaudzinski: Subsistence patterns of Early Pleistocene hominids in the Levant – Taphonomic evidence from the ’Ubeidiya Formation (Israel). In: Journal of Archaeological Science. Band 31, 2004, 65–75.
  4. R. Rabinovich, S. Gaudzinski-Windheuser, L. Kindler, N. Goren-Inbar: The Acheulian site of Gesher Benot Ya’aqov. Mammalian Taphonomy. The assemblages of Layers V-5 and V-6. Springer, Dordrecht 2011.
  5. S. Gaudzinski-Windheuser, L. Kindler: Research perspectives for the study of Neanderthal subsistence strategies based on the analysis of archaeozoological assemblages. In: Quaternary International. Band 247, 2012, 59-68.
  6. S. Gaudzinski-Windheuser: Indication for social interaction during the Central European Late Upper Palaeolithic: Evidence from the Magdalenian site of Oelknitz, Structure 1 (Thuringia, Germany). In: Quaternary International. Band 252, 2012, 165–174.
  7. S. Gaudzinski, F. Bittmann, W. Boenigk,M. Frechen, T. van Kolfschoten: Palaeoecology and Archaeology of the Kärlich-Seeufer Open-Air Site (Middle Pleistocene) in the Central Rhineland, Germany. In: Quaternary Research. Band 46, 1996, 319-334.
  8. S. Gaudzinski: Early hominid subsistence in the Levant. Taphonomical studies at the Plio/Pleistocene ’Ubeidiya Formation (Israel): Evidence from layer II-24. In: N. Goren-Inbar, J. D. Speth (Hrsg.): Human Paleoecology in the Levantine Corridor. Oxbow Books, Oxford 2004, 75-87.
  9. S. Gaudzinski-Windheuser, L. Kindler (Hrsg.): The evolution of hominin food resource exploitation in Pleistocene Europe: Recent studies in Zooarchaeology. In: Quaternary International 252, 2012, 1-202.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages

Elemente:

,

08.03.2021
Fossile Homininen-Hand könnte evolutionäre Geheimnisse lüften
Ein 4,4 Millionen Jahre altes Skelett könnte zeigen, wann Vormenschen begannen aufrecht zu gehen, so eine neue Studie von Forschern der Texas A & M Universität.
07.03.2021
Werkzeugkulturen von Neandertalern und modernen Menschen existierten über 100.000 Jahre nebeneinander
Untersuchungen der School of Anthropology and Conservation der University of Kent haben ergeben, dass eine der frühesten Steinwerkzeugkulturen, die als Acheuleen bekannt ist, wahrscheinlich Zehntausende von Jahren länger bestand als bisher angenommen.
06.03.2021
Ursprung des europäischen Haushundes im Südwesten Deutschlands vermutet
Ein Team der Universität Tübingen hat gemeinsam mit internationalen Forschenden die Anfänge der Domestizierung von Wölfen in Europa untersucht.
02.03.2021
Wie sind Hunde nach Amerika gekommen?
Forscher analysierten das mitochondriale Genom des Hundes und kamen zu dem Schluss, dass das Tier zu einer Linie von Hunden gehörte, deren Entwicklungsgeschichte bereits vor 16.700 Jahren von der der sibirischen Hunde abwich.
18.02.2021
Neandertaler-Gene und Covid-19 Verläufe
Letztes Jahr entdeckten Forscher, dass wir den wichtigsten genetischen Risikofaktor für einen schweren Verlauf der Krankheit Covid-19 vom Neandertaler geerbt haben.
29.01.2021
Als Flüsse durch eine grüne Sahara flossen
Große Teile der heutigen Sahara-Wüste waren vor Tausenden von Jahren grün.
29.01.2021
Beweglicher Daumen ebnete den Weg zur menschlichen Kultur
Präzise Greifen und grazilere Werkzeuge herstellen: Vor rund zwei Millionen Jahren verschaffte ihre bessere Feinmotorik den ersten Menschen einen evolutionären Vorteil
23.01.2021
Befreundete Schimpansen kämpfen gemeinsam gegen Rivalen
Menschen kooperieren in großen Gruppen miteinander, um Territorien zu verteidigen oder Krieg zu führen.
21.01.2021
Über 18.000 Funde: Forschungsgrabung in Untermaßfeld abgeschlossen
Seit vier Jahrzehnten wird in der thüringischen Wirbeltierfundstelle Untermaßfeld regelmäßig ausgegraben.
21.01.2021
Was das Genom des Lungenfischs über die Landeroberung der Wirbeltiere verrät
Das vollständig sequenzierte Genom des Australischen Lungenfisches ist das größte sequenzierte Tiergenom und hilft, den Landgang der Wirbeltiere besser zu verstehen – Evolutionsbiologen der Universität Konstanz sind maßgeblich beteiligt
21.01.2021
Alte DNA gibt Aufschluss über die Besiedlung der Marianeninseln
Im Vergleich zur Erstbesiedlung Polynesiens hat die Besiedlung der Marianen im Westpazifik vor etwa 3.500 Jahren bisher nur wenig Beachtung gefunden.
21.01.2021
Asiatische Gewürze erreichten den Mittelmeerraum vor mehr als 3000 Jahren
Der LMU-Archäologe Philipp Stockhammer fand Hinweise über asiatische Gewürze wie Kurkuma und Früchte wie die Banane im Mittelmeerraum schon viel früher als bislang gedacht.
10.12.2020
Fossilien zeigen Folgen der Ozeanerwärmung auf
Forschende aus Berlin und Großbritannien haben die ökologischen Auswirkungen einer raschen und ungewöhnlich intensiven Phase der Klimaerwärmung während der Jurazeit vor etwa 182 Millionen Jahren auf die Meeresfauna erforscht.
03.12.2020
Das älteste “Ortsnamenschild” der Welt
Wissenschaftler der Universität Bonn haben zusammen mit dem Ägyptischen Antikenministerium das älteste Ortsnamenschild der Welt entschlüsselt.
30.11.2020
Der Popa-Langur: ein neu entdeckter Affe aus Asien
Erbgutanalysen, unter anderem an hundert Jahre altem Museumsexemplar, erlauben Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haubenlanguren.
25.11.2020
Treue Paare im Regenwald
Rote Springaffen verzichten auf Seitensprünge.
24.11.2020
Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier
Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Millionen Jahren als Ursache für die Ausbreitung der weithin bekannten Langhalssaurier (Sauropoden).
03.11.2020
Neanderthaler-Mütter stillten nach fünf bis sechs Monaten ab
Als Grund für das Aussterben der Neanderthaler vermuten einige Forscher, dass die damaligen Mütter ihre Säuglinge lange stillten und die Säuglinge so nicht früh genug vielfältige Nährstoffe für eine Höherentwicklung des Gehirns erhielten.
31.10.2020
Populationsgeschichte der Hunde deckt sich nur teilweise mit der des Menschen
Wissenschaftler haben die Genome von bis zu 10.900 Jahre alten Hunden untersucht und zeigen, dass die Populationsgeschichte der prähistorischen Hunde sich nur teilweise mit der des Menschen deckt.
30.10.2020
Denisovaner-DNA im Erbgut früher Ostasiaten
Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten menschlichen Fossils, das bis jetzt in der Mongolei gefunden wurde, analysiert: Die 34.000 Jahre alte Frau hatte rund 25 Prozent ihrer DNA von Westeurasiern geerbt.
24.10.2020
Bissspuren und ausgefallene Zähne bringen Licht ins Fressverhalten von Dinosauriern
Forscherteam der Universität Tübingen untersucht 160 Millionen Jahre alten Fressplatz im Nordwesten Chinas.
22.10.2020
Kognitive Bausteine der Sprache existierten schon vor 40 Millionen Jahren
Nicht nur Menschen, sondern auch Affen und Menschenaffen erkennen Regeln in komplexen sprachlichen Konstruktionen. Dies haben Sprachwissenschaftler durch Experimente mit einer künstlichen Grammatik herausgefunden. Daraus lässt sich schliessen, dass diese Fähigkeit auf gemeinsame Vorfahren zurückgeht.
21.10.2020
Mehr noch als Fleisch und Milch
Stabile Isotopendaten von Menschen- und Tierknochen zeigen eine sehr effektive Nutzung des vielfältigen Nahrungsangebots im nördlichen Kaukasus und den vorgelagerten Steppen durch bronzezeitliche Viehhalter im heutigen Süden Russlands.
18.10.2020
Madagaskar: Mensch und Klima verursachten Massenaussterben
Die gesamte endemische Megafauna Madagaskars und der östlich davon gelegenen Inselkette der Maskarenen, zu der Mauritius und Rodrigues zählen, wurde im vergangenen Jahrtausend ausgerottet.
17.10.2020
Chemische Evolution - Am Anfang war der Zucker
Der Ursprung allen Lebens liegt in organischen Molekülen. Doch wie sind diese aus anorganischen Stoffen entstanden? Der LMU-Chemiker Oliver Trapp berichtet über einen Reaktionsweg, bei dem sich Zucker an Mineralien ohne Wasser bilden.