Ringwall Nack

Überreste des Erdwalls

Alternativname(n) Ringwall auf dem Nack
Staat Deutschland (DE)
Ort Idstein
Entstehungszeit Frühmittelalter
Burgentyp Ringwallanlage
Erhaltungszustand Bodendenkmal
Geographische Lage 50° 14′ N, 8° 14′ OKoordinaten: 50° 13′ 59,1″ N, 8° 14′ 6,6″ O
Höhenlage 400 m ü. NHN
Ringwallanlage Nack (Hessen)

Die Ringwallanlage Nack ist eine Ringwallanlage, die nordwestlich von Idstein, zwischen den Ortsteilen Wörsdorf und Niederauroff im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis liegt.

Durch Einheimische wird meist davon ausgegangen, dass es sich hierbei um eine Anlage keltischen Ursprungs handelt. Expertenseitig ordnete man die Anlage aufgrund des Erhaltungszustands und der Bauart bisher dem frühen Mittelalter zu. Begehungen von Sabine Schade-Lindig im Jahr 2019 erbrachten aber mehrere (noch nicht dokumentierte) Funde eindeutig keltischen Ursprungs.[1]

Nicht zu verwechseln ist die Anlage mit der in gleichem Areal etwa 1 km südlich entfernt liegenden Burg Holdersberg.

Lage

Digitales Reliefbild des Geländes

Die Wallanlage befindet sich auf dem nördlichen Sporn der ca. 400 m hohen Bergkuppe Nack, die im Westen von Süd nach Nord halbkreisförmig umlaufend durch Täler des Auroffer Baches und des Kesselbaches begrenzt wird und im Osten flacher in die Wörsbacher Senke (Idsteiner Senke) abfallend durch die hier in Nord-Süd-Richtung verlaufende Autobahn A3 eingeschlossen ist. Berg und Wallanlage liegen aber noch am östlichen Ende des Naturraumes Östlicher Aartaunus. Der Nack hat porphyroidführende geschichtete Gesteine der Spitznack-Schichten (Unterems-Stufe) des Kauber Zugs, die auch als Singhofener Schichten[2] bezeichnet werden.

Beschreibung

Die Anlage weist in Ost-West-Richtung eine Länge von rund 450 m und in Nord-Süd-Richtung eine Breite von rund 180 m auf. Sie ist vergleichsweise gut erhalten. Der ovale Ringwall ist mit Ringwall und vorliegendem Graben an seiner Südfront mit einer Länge von etwa 410 m am besten erhalten. Der etwa 8 m breite Wall erhebt sich an seinen kräftigsten Stellen bis etwa 1,30 m über die Innenfläche bzw. bis etwa 1,40 m über die Sohle des 7 m bis 10 m breiten Grabens. Der Graben ist von außen noch knapp 1,0 m tief.

Der teilweise sehr gut erhaltene Ringwall in relativ ebenem Gelände des flachen Bergkegels, quer zum Sporn, hat eine Ost-West-Ausdehnung von etwa 450 m Länge und 180 m Breite in Nord-Süd-Richtung. Außer neuzeitlichen Wegedurchbrüchen lässt sich kein alter Eingang mit Torflanken finden, wie er eigentlich für Ringwallanlagen typisch wäre. An seinem Westende ist eine Senke vorgelagert, im westlichen Bereich befinden sich Geländeterrassen, im Nordostviertel ist der Wall deutlicher ausgeprägt. Teilweise befindet sich vor dem Graben ein zweiter, nur noch ca. 0,3 m hoher Außenwall. Die Ostseite lässt nur Schlüsse zum kaum noch vorhandenen Wallverlauf zu, der hier durch wohl mittelalterliche Ackerterrassen nicht mehr sichtbar bzw. zerstört ist.[3]

Geschichtliche Einordnung

Wie auch die Anlage der Burg Holdersberg ist die Geschichte der Ringwallanlage Nack nicht erforscht. Dies ist darauf zurückzuführen, dass bis dato keine Ausgrabungen durchgeführt wurden und sich auch keine Erwähnungen in historischen Dokumenten finden. Die Pioniere nassauischer Wallgrabenforschung Karl August von Cohausen und Christian Ludwig Thomas, wie später auch Ferdinand Kutsch, erwähnen den Ringwall Nack gar nicht, trotz dessen vergleichsweise guten Erhaltungszustands. Tatsache ist, dass die Existenz des Ringwalls Nack erst 1958 durch den Wörsdorfer W. Mankel bekannt gemacht wurde.

Auf Basis der Anlagen wird davon ausgegangen, dass der Ringwall Nack keinen Siedlungsplatz darstellt, sondern es sich hier wahrscheinlich um eine Sammel- bzw. Fluchtburg handelt. Aufgrund von Funden im weiteren lokalen Umfeld ordnete man die Anlage in Fachkreisen der fränkischen Epoche zu. Neuere, noch zu hinterlegende Funde, von keltischen Keramiken stellen die zeitliche Einordnung wieder in Frage.

Denkmalschutz

Der Bereich der Wallanlage ist ein Bodendenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden.

Literatur

  • Fritz-Rudolf Herrmann: Der Ringwall auf dem Nack bei Idstein-Wörsdorf, Rheingau-Taunus-Kreis. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Archäologische Denkmäler in Hessen. Nr. 35, 1983.
  • Fritz Geisthardt: Idsteins Geschichte. In: Magistrat der Stadt Idstein (Hrsg.): Idstein – Geschichte und Gegenwart. 1987.

Weblinks

Commons: Ringwallanlage Nack – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Eintrag von Reinhard Friedrich zu Nack, Ringwall in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts

Einzelnachweise

  1. 11. hessenARCHÄOLOGIE-Tag 2019 in Idstein: Sabine Schade-Lindig, Kai Mückenberger: „Archäologielandschaft Rheingau-Taunus, dem Hintertaunus und dem Idsteiner Land“
  2. Die ähnliche Anlage der etwa 15 km westlich liegenden latènezeitlichen Alteburg Singhofen ist sicher reiner Zufall.
  3. Eintrag zu Nack, Ringwall in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts

Die News der letzten Tage

17.05.2022
Sprache | Primaten
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
12.05.2022
Genetik | Nach_der_Eiszeit | Wanderungen
Genetische Herkunft der ersten Bauern der Welt geklärt
Der genetische Ursprung der ersten Ackerbauern im Neolithikum schien lange Zeit im Nahen Osten zu liegen.
12.05.2022
Gehirn
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Genetik | Erdgeschichte
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Aufrechter Gang | Gehirn | Australopithecus
Schwierige Geburt und kognitive Fähigkeiten des Menschen sind Folge des aufrechten Ganges
Beim Menschen ist die Geburt schwieriger und schmerzhafter als bei Menschenaffen: Lange nahm man an, dass dies auf das grosse Gehirn und die engen Verhältnisse im mütterlichen Becken zurückgeht.
05.05.2022
Sprache | Gehirn | Kultur
Wie unser Gehirn die Veränderung von Sprache beeinflusst
Unsere Sprache verändert sich ständig: Wissenschafter*innen haben herausgefunden, dass jene Lautmuster, die häufig in unserer Sprache vorkommen, über Jahrhunderte hinweg noch häufiger wurden.