Im Tudmirpakt (713) erwähnte Städte und ihre (teilweise unsichere) Zuordnung

Das Reich Todmir (oder Tudmir, Todmir/Tudmir war die arabische Bezeichnung des westgotischen Comes (Grafen) Theudemir) war eine westgotische Provinz, welche die Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Mauren ab 711 offenbar als eigenständige Herrschaft unter maurischer Oberhoheit bis ins Jahr 756 überstanden hat, ehe auch dieses Gebiet in die arabische Herrschaft eingegliedert wurde.

Dieses Reich (ursprünglich wohl eine Grafschaft) umfasste ein Gebiet mit den Städten Alicante, Lorca sowie Orihuela und damit wohl etwa 10.000 Quadratkilometer (etwa die gesamte heutige Provinz Alicante und die Osthälfte der Provinz Murcia). Der dortige Gouverneur Theudemir bekämpfte die arabischen Streitkräfte, schloss aber schließlich mit ʿAbd al-Azīz im April 713 den Vertrag von Orihuela ab. Danach wurde Theudemir in seiner Herrschaft eine gewisse Autonomie zugestanden. Gegen die Anerkennung der maurischen Oberhoheit und der Zahlung eines jährlichen Tributs wurde den Einwohnern der Herrschaft ihr Besitz und ihre Lebensweise garantiert. In diesem Sinne ist die klassische Bezeichnung „Reich“ („reino“) für diese Herrschaft wohl zu weitgehend, da das Gebiet keineswegs in vergleichbarer Weise unabhängig war wie etwa Asturien. In den Quellen wird daher auch von kura gesprochen.

Zunächst herrschte Theudemir über das Gebiet, nach seinem Tod im Jahre 743 folgte wohl Athanagild, möglicherweise sein Sohn, der die Eingliederung nach Al-Andalus im Jahre 756 nicht verhindern konnte. Noch bis 778 scheint das Gebiet jedoch eine autonome Provinz gewesen zu sein, die erst nach einem gescheiterten abbasidischen Invasionsversuch aufgelöst wurde. Mit der Gründung der Stadt Mursiyya (dem heutigen Murcia) geriet der Name der Region Tudmir dann allmählich in Vergessenheit.

Literatur

  • Klaus Herbers, Geschichte Spaniens im Mittelalter, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-018871-2, S. 79f

Weblinks

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