Northumbria zur Zeit Osreds

Osred I. (auch Osredus, Osrit, Osræd; * 696; † 716) war in den Jahren von 706 bis zu seinem Tod König des angelsächsischen Königreiches Northumbria.[1]

Leben

Familie

Osred war der Sohn des Königs Aldfrith (686–705) von Northumbria. Ob dessen einzige bekannte Frau Cuthburga (fl. um 700–718/725), die spätere Äbtissin von Wimborne Abbey, die Mutter seiner Kinder war, ist unbekannt.[2] Osreds Geschwister waren Offa († 750)[3] und möglicherweise auch Osric (718–729).[4] In religiösen Kontexten wird die Heilige Osanna von Jouarre als Osreds Schwester dargestellt. Von modernen Historikern wird die Verwandtschaft mit ihr als legendenhaft abgelehnt.[5]

Herrschaft

Als König Aldfrith 705 erkrankte war die Thronfolge nicht gesichert, da sein Sohn Osred erst etwa acht oder neun Jahre alt war.[6] Am 14. Dezember 705 starb Aldfrith in Driffield.[7] Einige Historiker datieren seinen Tod abweichend auf das Jahr 704. Es begann eine Zeit politischer Wirren in der sich zunächst Eadwulf, ein northumbrischer Adeliger, gegen die Anhänger Osreds durchsetzen konnte.[6] Zunächst wurde Eadwulf von Wilfrid, dem Bischof von York, unterstützt, der von Aldfrith ins Exil getrieben worden war und nun eine Wiedereinsetzung in sein Amt erhoffte. Nachdem entsprechende Annäherungen erfolglos blieben, unterstützte Wilfrid fortan Osred.[8] Eadwulfs Herrschaft dauerte nur zwei Monate. In der Nähe von Bamburgh kam es zu militärischen Auseinandersetzungen mit den Anhängern Osreds, zu denen dessen Tante Ælfflæd, Bischof Wilfrid und Ealdorman Beorhtfrith zählten.[2] Eadwulf unterlag und musste ins Exil gehen.[8]

Osred folgte auf den Thron. Er war der erste belegte minderjährige König in der angelsächsischen Geschichte.[9] Die dynastischen Streitigkeiten waren jedoch nur kurzfristig beigelegt und es begann eine Epoche des wirtschaftlichen und kulturellen Niedergangs.[6] Osred scheint finanzielle Probleme gehabt zu haben und konnte das hochwertige Münzwesen seines Vaters nicht aufrechterhalten.[2] Die als Regenten herrschenden Ealdormen Berhtred und Beorhtfrith nutzten ihre Position um sich zu Lasten des Staates zu bereichern.[10]

Wilfrid wurde Osreds Ziehvater, erhielt jedoch sein Bistum York dennoch nicht zurück. Auf der vom Erzbischof von Canterbury Bertwald (693–731) 706 am Fluss Nidd in North Yorkshire einberufenen Synode wurde Wilfrid als northumbrischer Bischof von Hexham und als Abt von Ripon bestätigt. Während Osreds Herrschaft wurden der Krieg gegen die Pikten fortgesetzt. Im Jahr 711 errang der Ealdorman (praefectus) Beorhtfrith einen Sieg zwischen den Flüssen Avon und Carron im heutigen Verwaltungsbezirk Falkirk im südlichen Schottland. Die eigenständige Herrschaft des jungen Osred dauerte nicht lange. Der Angelsächsischen Chronik folgend fiel er 716 in einer Schlacht, wahrscheinlich im Kampf gegen Pikten. Wilhelm von Malmesbury, ein Chronist des 12. Jahrhunderts, überlieferte hingegen, dass Osred einer Verschwörung zum Opfer fiel, doch ist das wohl nur eine Hypothese. Mit seinem Tod endete das fast ununterbrochene Königtum der Nachfahren von Æthelfrith (592–616) und ging auf Cenred über, dessen Herkunft sich auf eine Nebenlinie des Dynastiegründers Ida zurückführen ließ.[2]

Charakter

Osreds Charakter wurde ambivalent geschildert. Zu seinen Lebzeiten wurde Osred von Beda Venerabilis mit dem biblischen König Joschija, einem Förderer des Glaubens, verglichen. In späteren Schriften schrieb Beda hingegen von einem Verfall der kirchlichen Werte. Der zeitgenössische Bonifatius beschrieb ihn als unmoralischen Wüstling, der mit Nonnen Unzucht trieb. Quellen des 9. Jahrhunderts werfen ihm vor northumbrische Adlige ermordet oder in Klosterhaft verbannt zu haben. Im 11. Jahrhundert wurde er von Folcard im Zusammenhang mit John von Beverley (705–718), dem Bischof von York, erwähnt und als religiös und gläubig dargestellt.[2]

Quellen

Literatur

  • N. J. Higham: The Kingdom of Northumbria AD 350-1100. Stroud: Sutton, 1993. ISBN 978-0-86299-730-4
  • Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London-New York 2002, ISBN 978-0-415-16639-3. PDF (6,2 MB)
  • D. P. Kirby: The Earliest English Kings, Routledge, London-New York 2000, ISBN 978-0-415-24211-0.
  • D. P. Kirby: Saint Wilfrid at Hexham. Taylor & Francis, 1974, ISBN 0-85362-155-1.
  • James Earle Fraser: From Caledonia to Pictland: Scotland to 795 (New Edinburgh history of Scotland, Band 1), Edinburgh University Press, 2009, ISBN 978-0-7486-1232-1.
  • David W. Rollason: Northumbria, 500-1100: Creation and Destruction of a Kingdom. Cambridge University Press, 2003, ISBN 978-0-521-81335-8.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Simon Keynes: Kings of the Northumbrians. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 978-0-631-22492-1, S. 502–505.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 David W. Rollason: Osred I@1@2Vorlage:Toter Link/www.oxforddnb.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (kostenpflichtige Registrierung erforderlich). In: Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004. abgerufen am 13. November 2011
  3. Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London-New York 2002, ISBN 978-0-415-16639-3, S. 89.
  4. D. P. Kirby: The Earliest English Kings, Routledge, London-New York 2000, ISBN 978-0-415-24211-0, S. 123.
  5. Patricia Helen Coulstock: The collegiate church of Wimborne Minster (Studies in the history of medieval religion Vol 5), Boydell & Brewer, 1993, ISBN 978-0-85115-339-1, S. 31.
  6. 6,0 6,1 6,2 Rosemary Cramp: Aldfrith@1@2Vorlage:Toter Link/www.oxforddnb.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (kostenpflichtige Registrierung erforderlich). In: Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004. abgerufen am 11. November 2011
  7. Angelsächsische Chronik zum Jahr 705
  8. 8,0 8,1 Eddius Stephanus: Vita Wilfridi 59
  9. Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London-New York 2002, ISBN 978-0-415-16639-3, S. 87.
  10. Barbara Yorke: Kings and Kingdoms of early Anglo-Saxon England. Routledge, London-New York 2002, ISBN 978-0-415-16639-3, S. 92.

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