Okanagan (Volk)


Die Okanagan, Okanogan oder Okanagan People sind eine der kanadischen First Nations in der Provinz British Columbia und gleichzeitig gehören sie im Bundesstaat Washington zu den US-amerikanischen Native Americans. In ihrer eigenen Sprache heißen sie Syilx.

Sie zählen zu den Binnen-Salish und sind damit nahe Verwandte der Spokan, Sinixt, Nez Perce, Pend d'Oreille, Shuswap und der Nlaka'pamux, vor allem aber der Sinkaietk, ihren nächsten Verwandten auf der Südseite der Grenze zwischen Kanada und den USA.

Sprache

Die Okanagan selbst bezeichnen sich in ihrer Sprache Nsyilxcen (n-seel-ick-CHEEN) als Syilx - 'Menschen' oder 'Volk'. Das Wort Syilx hat mehrere Wurzeln: Yil bezeichnet wörtlich das Fertigen eines Seils (also einer StammesEinheit) aus mehren einzelnen Fasern (Personen), das x am Ende von Syilx hat einen fordernden Charakter, der immer wieder die Einheit des Volkes von den einzelnen Stammesmitgliedern verlangt.[1]

Stammesgebiet

Das traditionelle Gebiet erstreckte sich vom Okanagan Lake und dem Okanagan River über das Becken des Similkameen River westwärts bis ins Okanagan Valley. Im Norden reichte ihr Stammesgebiet nahe an den Mica Creek bis zum Arrow Lake, nördlich des heutigen Revelstoke, im Osten bis zum Kootenay Lake, im Westen einige Täler am Nicola River, ein Name, der auf den Häuptling Nicola zurückgeht, der im 19. Jahrhundert eine Allianz zwischen Spaxomin und Nlaka'pamux schuf sowie im Süden bis nach Wilbur, im heutigen Washington. Zahlreiche Gruppen bilden heute die Okanagan Nation Alliance, eine grenzüberschreitende Allianz, zu der in den USA die Colville gehören, wo die Okanagans gelegentlich als Colvilles bezeichnet werden. Doch die Nicola-Gruppe bildet bis heute die Nicola Tribal Association. Die Syilx bewohnten traditionell ein Gebiet von rund 69.000 km².

Geschichte

Die halbnomadischen Gruppen waren Jäger und Sammler, die sich von Wild, Lachs, aber auch von Käfern ernährten. Dazu kamen Beeren, Wurzeln und andere Pflanzenteile. Im Tal des Nicola lassen sich Spuren menschlicher Anwesenheit rund 3000 Jahre zurückverfolgen.

Erste Kontakte mit Weißen

Die ersten Kontakte nahm man wohl mit den Leuten der Hudson’s Bay Company auf. Das erste überlieferte Treffen fand 1805 bei Fort Kamloops statt. Der Handelsweg der Company führte von diesem Fort nach Fort Colville, also quer durch das Gebiet der Okanagan. Auch Simon Fraser nahm Kontakt mit ihnen auf, und stellte fest, dass sie Pferde besaßen. Diese Pferde wurden zu einem Mittel, die Jagderfolge zu steigern, was wiederum Vorbedingung für eine Partizipation am Handel der Company-Forts war. So waren Weidegründe bald genauso wichtig wie Jagdgründe.

Bis zur Änderung der Siedlungspolitik durch Großbritannien, vor allem aber unter kanadischer Führung, gab es nur wenige Anlässe zu Auseinandersetzungen, doch der Druck, das Land zur Siedlung freizugeben, wuchs. Eine Ausnahme bildete hier der Fraser-Canyon-Krieg, bei dem die Nlaka’pamux oder Thompson mit Goldsuchern aneinander gerieten. So erhielten sie Reservate, doch es wurde nie ein Vertrag geschlossen. Zugleich brach die Bevölkerung vieler Stämme durch die Pockenepidemie von 1862 ein. Immerhin erwies sich der Besitz von Pferden und Vieh insofern als Vorteil, als den Stämmen größere Reservate zugesprochen wurden.

Als 1846 Großbritannien und die USA den Grenzverlauf entlang des 49. Breitengrades festlegten, musste der kleinere, südliche Teil, der nun in den USA lebte, sich unter Häuptling Tonasket neu organisieren (s. Sinkaietk).

Die Goldfunde und in ihrem Gefolge die massenhafte Zuwanderung von Schürfern führte zu Konflikten und Veränderungen. Bis dahin hatten bei den Thompson und den Nicola-River-Indianern der Amerikaner Mortimer Cook und sein Partner Charles Kimball ihren Unterhalt als Frachtführer für die Hudson’s Bay Company verdient. Sie bauten eine Seilfähre über den Thompson River, Cook's Ferry, die 1864 durch eine Brücke überflüssig gemacht wurde. An dieser Brücke zerstörte 1905 ein Erdrutsch, der den Fluss vier Stunden lang völlig blockierte, ein Indianerdorf.[2]

Reservate

Die Westbank First Nation besitzt heute fünf Reservate mit einer Gesamtfläche von rund 2.160 ha. Abgesehen vom nur 2  ha großen Mission Creek 8 liegen die je zwei Hauptreservate am Westufer des Okanagan Lake gegenüber von Kelowna bzw. am McDougall Creek einerseits, andererseits 10 bzw. 15  km südöstlich von Kelowna. Am Kelownasee, genauer in Tsinstikeptum leben die meisten Stammesangehörigen.

Die Lower Similkameen besitzen neun Reservate im Similkameen District mit über 15.000  ha Fläche. Der überwiegende Teil befindet sich am gleichnamigen Fluss unweit des Ortes Keremeos, doch Range 13, mit 6.768,1  ha das größte Reservat, befindet sich am Susap Creek. Die Upper Similkameen besitzen sieben Reservate mit einer Gesamtfläche von rund 2.700  ha. Ihr größtes Reservat, Chuchuwayha 2, umfasst 2.277,1  ha und liegt an der Mündung des Hedley Creek in den Similkameen River.

Die Osoyoos wohnen eigentlich in einem Reservat, Osoyoos 1, das 12.987,6  ha umfasst und am Osoyoos Lake liegt. Dazu kommt Osoyoos 2, das allerdings nur 64,7  ha umfasst.

Die Penticton sind hierin in einer ähnlichen Situation. Das größte Reservat ist Penticton 1 mit 18.539,8  ha, dazu kommen zwei weitere Reservate mit 145,7 und 13,1  ha.

Auch bei den Okanagan gibt es ein Hauptreservat, Okanagan 1, das 10.302  ha umfasst und zwischen Okanagan Lake und Salmon River liegt. Dazu kommen fünf weitere Reservate mit zusammen rund 980  ha. Sie liegen am Swan, Otter, Okanagan und Ellison Lake.

Da die Upper Nicola in mehrere Stämme gegliedert sind, ist die Situation bei ihnen komplizierter. Sie leben am Spaxomin (Douglas Lake) und am Quilchena (Nicola Lake).

Landwirtschaft und die Mascot Gold Mine (1936-49)

760 m oberhalb von Hedley fand sich auf dem Gebiet der Similkameen in den 1930er Jahren Gold, das ab 1936 für 14 Jahre ausgebeutet wurde. Die meisten Arbeitsstellen bot jedoch die Landwirtschaft, die bis in die Weltwirtschaftskrise hinein prosperierte. 1974 verbanden sich die fünf Stämme im Nicola-Tal zur Nicola Valley Indian Administration. Aus ihr ging 1995 die Nicola Valley Tribal Association hervor.

Aktuelle Situation

Die ethnische Gruppe der Okanagan Nation Alliance setzt sich aus sieben Bands, First Nations bzw. Confederated Tribes zusammen, daneben bilden die Upper Nicola einen eigenen Stammesrat, die Nicola Tribal Association. Dabei ist die Westbank First Nation dank des zunehmenden Tourismus am Lake Okanagan die am stärksten prosperierende Gruppe, zumal sie seit 2005 die Selbstregierung erreicht hat. Lower und Upper Similkameen Indian Band leben in und um die Kleinstadt Keremeos im gleichnamigen District. Die Osoyoos Indian Band lebt in der namengebenden Stadt im Okanagan-Tal, wo auch die nach Penticton benannte Penticton Indian Band lebt. Die Okanagan Indian Band lebt um Vernon, während die Upper Nicola Indian Band im Nicola Country um Merritt am Douglas Lake lebt. Sie selbst nennen sich Spaxomin. Bei der im Colville-Reservat lebenden Gruppe handelt es sich um Mitglieder zwölf verschiedener ethnischer Gruppen, die jedoch in einem Reservat leben und sich konföderierte Stämme nennen. Diese Gruppe ist als Indianerstamm anerkannt und besteht neben den Colville aus den Nespelem, den Sanpoil, aus Sinixt, Palus, Wenatchi, Chelan, Entiat, Methow, dazu den südlichen Okanagan, den Sinkiuse-Columbia und den Nez Perce of Chief Joseph's Band. Insgesamt zählen sie rund 9.000 Mitglieder, die kanadischen .

Die sieben kanadischen Okanagan-Gruppen zählten im August 2009 über 5.250 registrierte Angehörige. Diese verteilten sich auf solche, die im eigenen Reservat (rund 3.000), in anderen Reservaten oder außerhalb der Reservate (über 2.000) lebten:

  • Westbank First Nation 685 (406, 20, 269)[3]
  • Lower Similkameen Indian Band 464 (231, 58, 175)[4]
  • Upper Similkameen Indian Band 71 (50, 11, 10)[5]
  • Osoyoos 468 (316, 45, 107)[6]
  • Penticton 946 (515, 74, 357)[7]
  • Okanagan Indian Band 1761 (800, 91, 870)[8]
  • Upper Nicola Indian Band 854 (-,-,473) (Juni 2005, nach eigenen Angaben[9]

Hierzu gehören wiederum acht Gruppen, nämlich die

    • Coldwater
    • Cook's Ferry
    • Lower Nicola
    • Nicomen
    • Nooaitch
    • Shackan
    • Siska
    • Upper Nicola

Die Lower Nicola haben beispielsweise 10 Reservate.

Anmerkungen

  1. The Syilx People
  2. Vgl. Spence's Bridge.
  3. Nach den Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development: First Nation Profiles, Westbank First Nation
  4. Nach den Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development: First Nation Profiles, Lower Similkameen
  5. Nach den Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development: First Nation Profiles, Upper Similkameen
  6. Nach den Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development: First Nation Profiles, Osoyoos
  7. Nach den Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development: First Nation Profiles, Penticton
  8. Nach den Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development: First Nation Profiles, Okanagan
  9. Website der Upper Nicola Band. Im Reservat lebten zu diesem Zeitpunkt 333 Menschen.

Literatur

  • Carstens, Peter. The Queen's People: A Study of Hegemony, Coercion, and Accommodation Among the Okanagan of Canada. Toronto: University of Toronto Press, 1991. ISBN 0-8020-5893-0
  • Robinson, Harry, and Wendy C. Wickwire. Nature Power: In the Spirit of an Okanagan Storyteller. Vancouver: Douglas & McIntyre, 1992. ISBN 1-55054-060-2

Siehe auch

 <Lang> Commons: Okanagan people – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks


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