Die Sinkiuse (auch Sinkiuse-Columbia oder Middle Columbia Salish, wie sie James Teit[1] bezeichnete) sind ein Indianerstamm in Washington. Sie leben am namengebenden Columbia.

Die Sinkiuse zählen kulturell zu den Binnen-Salish. Ihre nächsten Verwandten sind die Wenatchi und Methow. Sie selbst bezeichneten sich als .tskowa'xtsEnux oder .skowa'xtsEnEx bzw. als Sinkiuse. Letzteres soll „zwischen Völkern“ bedeuten.

Geschichte

Die Sinkiuse lebten am Ostufer des Columbia zwischen Fort Okanogan und Point Eaton. Später lebten sie in der Columbia Reservation.

James Mooney schätzte ihre Zahl für das Jahr 1780 auf rund 800, vermutete jedoch, dass sie zusammen mit den Pisquow vor den ersten Pockenepidemien[2] bis zu 10.000 zählten.

Teits unterscheidet drei Unterstämme, die .nkee'us oder .s.nkeie'usox im Umatilla Valley, die Stata'ketux um White Bluffs am Columbia, und die .tskowa'xtsEnux oder .skowa'xtsFnEx, auch Moses-Columbia oder Moses Band genannt.

Die ersten französischen Händler bezeichneten die Sinkiuse von Rock Island bei Wenatchee als „Isles des Pierres“. Sie selbst bezeichneten sich als Kawatchens, als „Leute von den Ufern“. Ein weiteres Dorf lag nahe Beverly.

Entsprechend der Überlieferung der Moses-Sinkiuse kamen ihre Vorfahren aus dem Norden. Ihr Schweifgebiet reichte nordwärts bis zu den Badger Mountains südlich des heutigen Waterville und östlich des Columbia, und nordostwärts bis zum heutigen Grand Coulee Dam und von dort südwärts bis zum Soap Lake, Ephrata und zum Moses Lake, von dort weiter bis in den Raum Beverly.

Im Juli 1811 traf David Thompson, Pelzhändler der North West Company, auf Rock Island wohl auf die Sinkiuse-Kawachen, die er „Sinkowarsin“ nannte. Ihr Führer war Sulktalthscosum oder Half-Sun (Halbsonne). Er starb im Kampf mit Prärieindianern auf der Bisonjagd um 1850. 1851 schätzte man die Zahl der Sinkiuse auf 300. Als Häuptling folgte Sulktalthscosums Sohn Quiltenenock oder Quiltomee, der 1858 von weißen Goldsuchern nahe der Mündung des Wenatchee umgebracht wurde. Ihm folgte sein Bruder Moses[3], der seinen biblischen Namen von den Missionaren des American Board of Commissioners for Foreign Mission erhalten hatte. Sie saßen bei Lapwai in Idaho.

Moses, der anfangs die weißen Siedler bekämpfte, hielt seine Männer von Feindseligkeiten ab und übernahm zugleich die Führung mehrerer Stämme, die mit den USA keinen Vertrag geschlossen hatten. So schätzte man die Zahl der Stammesangehörigen inzwischen auf rund 1000. Am 19. April 1879 erhielt diese Konföderation ein Reservat, das Moses Reservation hieß. Am 6. Mai 1880 wurde es südwärts erweitert und reichte nun vom Lake Chelan bis zur kanadischen Grenze und von den Kaskadenkette bis zum Okanogan River. Auf Druck der Siedler wurde zunächst im Norden ein Streifen abgetrennt, dann das Reservat weiter verkleinert, schließlich am 7. Juli 1883 aufgelöst. Am 1. Mai 1886 war es wieder öffentlicher Besitz. Während der ganzen Zeit bewohnte die Moses-Gruppe allerdings nicht das Reservat, sondern lebte in der Colville Reservation und bezog nur Abgaben von den weißen Siedlern.

Um 1900 schätzte man die Zahl der Sinkiuse auf 300 bis 400, 1910 zählte man nur noch 52. 1959 zählte man noch 94 „Vollblut“-Sinkiuse innerhalb des Reservats, und 52 weitere außerhalb. Eine kleine Gruppe führt sich noch heute auf die Moses-Gruppe zurück.

Literatur

  • Robert H. Ruby/John A. Brown: A Guide to the Indian Tribes of the Pacific Northwest, University of Oklahoma Press 1992, S. 204–206.

Weblinks

Siehe auch

  • Geschichte der Küsten-Salish
  • Geschichte Washingtons
  • Indianerpolitik der Vereinigten Staaten

Anmerkungen

  1. James Alexander Teit und Franz Boas: The Middle Columbia Salish, Seattle: University of Washington Press 1928
  2. Zu den Pockenepidemien vgl. Eugene S. Hunn: "N'CHI-WANA" (The Big River), Mid-Columbia Indians and Their Land, University of Washington Press, Seattle 1990, S. 28–30.
  3. Ein Foto findet sich hier.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.