Nemetona („die zum Heiligtum Gehörige“) war eine keltische Göttin, die besonders von den Treverern und Vangionen verehrt wurde. Ihr Partner war Loucetius.

Name

Der gallische Name Nemetona leitet sich ab von nemeton („Heiliger Hain“) (vergleiche: altirisch nemed) ein Wort das auch in Ortsnamen vorkommt, so in Nemetacum (heute: Arras), Nemetodurum (heute: Nanterre), Nemeden oder Drynemeton („Heiliger Eichenhain“), welcher der Versammlungsort der Galater in Kleinasien war.

Der Névet Wald bei Locronan in der Bretagne war ein heiliger Ort der Druiden, der später christianisiert und dem Heiligen Ronan, einem irischen Wanderbischof und Einsiedler in der Bretagne geweiht wurde. Das Wort 'Névet' ist die Französisierung des bretonischen neved (plural nevedoù, kymrisch nyfed) 'heiliger Ort', das selbst auf das keltische nemeton zurückgeht.

Verehrung

Nemetona hatte zusammen mit Loucetius einen Tempel in Klein-Winternheim bei Mainz (Mogontiacum)[1] im Gebiet der Aresaken, einem Teilstamm der Treverer und ein zweiter Tempel des Götterpaares stand in Trier, dem Hauptort der Treverer[2]. Auch aus anderen Orten der Region stammen Weiheinschriften an Nemetona, so aus Altrip (Alta Ripa)[3]. Eine Inschrift aus Bath (Aquae Sulis) in England wurde von einem Treverer gestiftet[4].

Nemetona wird auch als Stammesgottheit der Nemeter gesehen, einem möglicherweise germanischen Stamm (mit keltischem Namen!), der seine Wohnsitze im Gebiet um Speyer hatte. Sie wird mit der römischen Siegesgöttin Victoria gleichgesetzt, ihr Partner Loucetius mit dem römischen Kriegsgott Mars.

Siehe auch

Literatur

  • Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3, S. 652.
  • Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur (= Kröners Taschenausgabe. Band 466). Kröner, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-46601-5, S. 249.

Einzelnachweise

  1. CIL XIII, 7253: A(ulus) Didius Gallus / [F]abricius Veiento co(n)s(ul) / III XVvir sacris faciend(is) / sodalis Augustal(is) sod(alis) Flavial(is) / sod(alis) <T=I>i<t=I>ialis et Attica eius / Nemeton(ae) v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)
  2. Finke 324
  3. CIL XIII, 6131: Marti et Nemeto/nae / Silvini Iustus / et Dubitatus / v(otum) s(olverunt) l(ibentes) l(aeti) p(osuerunt)
  4. CIL VII, 36: Peregrinus / Secundi fil(ius) / civis Trever / Loucetio(!) / Marti et / Nemetona / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)

Die News der letzten Tage

17.05.2022
Sprache | Primaten
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
12.05.2022
Genetik | Nach_der_Eiszeit | Wanderungen
Genetische Herkunft der ersten Bauern der Welt geklärt
Der genetische Ursprung der ersten Ackerbauern im Neolithikum schien lange Zeit im Nahen Osten zu liegen.
12.05.2022
Gehirn
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Genetik | Erdgeschichte
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Aufrechter Gang | Gehirn | Australopithecus
Schwierige Geburt und kognitive Fähigkeiten des Menschen sind Folge des aufrechten Ganges
Beim Menschen ist die Geburt schwieriger und schmerzhafter als bei Menschenaffen: Lange nahm man an, dass dies auf das grosse Gehirn und die engen Verhältnisse im mütterlichen Becken zurückgeht.
05.05.2022
Sprache | Gehirn | Kultur
Wie unser Gehirn die Veränderung von Sprache beeinflusst
Unsere Sprache verändert sich ständig: Wissenschafter*innen haben herausgefunden, dass jene Lautmuster, die häufig in unserer Sprache vorkommen, über Jahrhunderte hinweg noch häufiger wurden.
03.05.2022
Genetik | Wanderungen | Archäologie
Die Ausbreitung der Hausratte war eng mit den Römern verknüpft
Neue DNA-Analysen haben Aufschluss darüber gegeben, wie sich die Hausratte, die unter anderem für die Ausbreitung des Schwarzen Todes mitverantwortlich gemacht wird, in Europa ausbreitete.