Gurgum (assyrisch Bit Pa'alla) war ein neo-hethitischer Stadtstaat in der Ebene von Maraş. Hauptstadt war Maqasi (heute Maraş).

Lage von Gurgum innerhalb der späthethitischen Staatenwelt des 1. Jahrtausends v. Chr.

Geschichte

Im ersten Regierungsjahr von Salmanasser III. (858 v. Chr.) war Gurgum Teil einer anti-assyrischen Koalition, die Sangara von Karkemiš, Haianu von Sam'al, Sapalulme von Unqi und Ahuni, Sohn des Adni, umfasste. Ahuni wurde bei Til Barsip geschlagen, und die assyrische Armee umging Karkemiš und überschritt den Euphrat bei Burmar'ana. Daraufhin ergaben sich Gurgum und Kummuh. Salmanasser nahm in Ina-Aššur-uttir-ebat den Tribut von Sangara, Karkemiš, Melid, Unqi und Gurgum entgegen, Silber, Gold, Blei, Kupfer und Kupfergefäße.

Tukulti-apil-Ešarra III. besiegte 743 v. Chr. ein Bündnis von Staaten, zu denen auch Gurgum gehörte. Der König von Gurgum war Tarḫulara.

Im Jahre 711 v. Chr. eroberten die Assyrer Gurgum und verleibten es als Provinz ihrem Reich ein.

Herrscher

Ein Torlöwe (Maraş 1) in späthethitisch-assyrischem Stil (Späthethitisch III nach Orthmann, späthethitisch IIIa nach Hawkins oder jungspäthethitisch nach Akurgal) trägt eine Hieroglyphen-Inschrift mit der Genealogie des Königs Halparuntiya III. Eine Stele (Maraş 8) gibt weitere genealogische Informationen. Außerdem werden einige Herrscher von Gurgum in assyrischen Texten erwähnt, die Gleichsetzung ist im Fall von Larama/Palalam jedoch nicht völlig sicher. Porter bezweifelt jedoch, ob es sich in jedem Fall um eine Vater-Sohn Beziehung handelt und hält auch eine Thronfolge durch Brüder für möglich.

Name Synchronismus mit Assyrien Datierung Anmerkungen
Astuwaramanza - spätes 11. Jahrhundert v. Chr.[1] Maraş 8, unsicher, ob König
Muwatalli I. - frühes 10. Jahrhundert v. Chr.[1] Sohn von Astuwaramanza[1], Maraş 8, unsicher, ob König
Larama I. - ca. 950 v. Chr.[1] Sohn von Muwatalli I.[1]
Muwizi - späteres 10. Jahrhundert v. Chr.[1] Sohn von Larama I.[1]
Halparuntiya I. - früheres 9. Jahrhundert v. Chr.[1] Sohn von Muwizi[1]
Muwatalli II. Mutallu[1], Salmanasser III. 858 v. Chr. Sohn von Halparuntiya I.[1]
Halparuntiya II. Qalparunda, Salmanasser III. 853 v. Chr. Sohn von Muwatalli II.[1]
Larama II. Palalam späteres 9. Jahrhundert v. Chr.[1] Sohn von Halparuntiya II.[1], unter Adad-Nirari III. als Vater von Qalparunda erwähnt
Halparuntiya III. Qalparunda, Adad-nīrārī III. 803/805 bis ca. 800 v. Chr.[1][2] Sohn von Larama II.[1]
Tarḫulara Tukulti-apil-Ešarra III., Sargon II. 743 v. Chr., ca. 711 v. Chr.[1][2]/ 11. palu Beziehung zu Halparuntija unklar, assyrische Quellen
Muwatalli III.[1] Mutallu, Sargon II. ca. 711 v. Chr.[1]/11. palu assyrische Quellen: Sohn Tarhularas, tötet seinen Vater und wird von den Assyrern unterworfen

Wilfried Orthmann schlug auf Grund kunstgeschichtlicher Kriterien ein anderes Schema vor, das den Löwen älter macht.

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms; A Political and Military History. Oxford, New York 2012, S. 305.
  2. 2,0 2,1 Christian Marek, Peter Frei: Geschichte Kleinasiens in der Antike. München 2010, S. 803.

Literatur

  • Ekrem Akurgal: Die Kunst der Hethiter. München 1961.
  • John David Hawkins: Cambridge Ancient History Nr. 3, Vol. 1, Cambridge 1982.
  • John David Hawkins: Maraş. In: Dietz Otto Edzard u. a. (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie, Bd. 7. Walter de Gruyter, Berlin / New York 1987–1990, S. 352–353.
  • John David Hawkins: Inscriptions of the Iron Age (= Corpus of the Hieroglyphic Luwian Inscriptions Vol. 1 = Untersuchungen zur indogermanischen Sprach- und Kulturwissenschaft NF 8, 1). Walter de Gruyter, Berlin / New York 2000, ISBN 3-11-010864-X, S. 249–281.
  • Winfried Orthmann: Untersuchungen zur späthethitischen Kunst. Bonn 1981.
  • R. M. Porter: Dating the Neo-Hittite Kinglets of Gurgum/Maraş. In: Anatolica 29 (2003), S. 7–16.
  • Shigeo Yamada: The Manipulative Counting of the Euphrates Crossings in the Later Inscriptions of Shalmaneser III. In: Journal of Cuneiform Studies 50 (1998), S. 87–94.

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