Koordinaten: 38° 22′ 55″ N, 38° 21′ 40″ O

Reliefkarte: Türkei
marker
Melid
Magnify-clip.png
Türkei
Lage von Kammanu innerhalb der späthethitischen Staatenwelt des 1. Jahrtausends v. Chr.

Melid (Urartäisch: Melitela, Akkadisch: Meliddu) war eine seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. existierende Siedlung in Kleinasien an der Stelle des heutigen Arslantepe und bereits den Hethitern bestens bekannt. Nach dem Fall des hethitischen Großreichs wurde das gleichnamige neohethitische Königreich von den Nachkommen Kuzi-Teššubs von Karkemiš, einem Enkel von Šuppiluliuma II., dem letzten sicher bezeugten Herrscher des hethitischen Großreichs, regiert und spielte in dieser Zeit eine wichtige Rolle im Handel. Land und Hauptstadt werden in assyrischen Quellen auch als Kammanu bezeichnet.[1] Seine Herrscherdynastie unterstand wohl zunächst noch Talmi-Teššub bzw. seinem Sohn Kuzi-Teššub von Karkemiš und wurde als Erbteil ein unabhängiger Staat.

Lage und Ausdehnung

Das Territorium umfasste die Ebene von Malatya am westlichen Euphratufer bis nach Elbistan. Es grenzte im Osten an Išuwa, Turira und Urartu, im Westen an Tabal und im Süden an Kummuh und Gurgum.

Geschichte

Die Besiedlung von Arslantepe selbst geht bis in Äneolithische Zeit zurück. In dieser Umgebung sind sehr frühe Zeichen von Ackerbau und Viehzucht entdeckt worden.

Assyrische Feldzüge sind unter Salmanasser III. (844, 836, 835) belegt. Unter Tiglat-Pileser III. wurde die Stadt tributpflichtig, bis Sargon II. die Stadt an den König von Kummuh übergab. Ab 708 herrschten die Assyrer direkt, was aber nur bis 705 Bestand hatte. Unter Sanherib und Asarhaddon sind Feldzüge gegen Melid überliefert. Schließlich wurde die Hauptstadt von den Assyrern niedergebrannt. Eine Inschrift des urartäischen Königs Menua in Palu erwähnt MATmat Hati(na) unter der Herrschaft des Königs Sulehawali. Argišti I. erwähnt einen Sohn des Tuate als Herrscher von Melitela.[2]

Herrscher

Als Herrscher sind überliefert:

  • Kuzi-Teššub (König von Karkemiš), ca. 1200/ frühes bis mittleres 12. Jahrhundert[3][4]
  • PUGNUS-mili I., Sohn von Kuzi-Teššub, späteres 12. Jahrhundert[3]
  • Runtiya, Sohn von PUGNUS-mili I., späteres 12. Jahrhundert[3]
  • Arnuwanti I., Bruder von Runtiya, späteres 12. Jahrhundert[3]
  • PUGNUS-mili II./Allumari, Sohn von Arnuwanti I., um 1100/spätes 12. bis frühes 11. Jahrhundert[3], zeitgleich mit (Tukulti-apil-Ešarra I.)
  • Arnuwanti II., Sohn von PUGNUS-mili II., spätes 12. bis frühes 11. Jahrhundert[3]
  • PUGNUS-mili III.?, evtl. 11. oder frühes 10. Jahrhundert, wenn überhaupt[3]
  • CRUS + RA/I-sa (Taras?), evtl. 11. bis 10. Jahrhundert[3]
  • Wasu(?)runtixa, Sohn von CRUS + RA/I-sa, evtl. 11. bis 10. Jahrhundert[3]
  • Halpasulupi, Sohn von Wasu(?)-Runtija, evtl. 11. bis 10. Jahrhundert[3]
  • Suwarimi?, evtl. 11. oder 10. Jahrhundert[5]
  • Mariti, Sohn von Suwarimi, evtl. 11. oder 10. Jahrhundert[5]
  • Lalli, min. 853 bis 835[5][6]
  • Gegner des Zakur von Hamath, frühes 8. Jahrhundert[5]
  • Šahu (Sahwi?), frühes 8. Jahrhundert[5]
  • Hilaruada (Sa(?)tiruntiya?), Sohn des Šahu, ca. 784/780 bis 760[5][6]
  • ŠIRZI (Lesung unklar)
  • Sulumal (Sulehawali), 743 bis 732[5]
  • Tuate
  • Gunzinanu, ca. 720/719[7][6]
  • Tarhunazi, ca. 719 bis 712[7]
  • Mugallu, 675 bis 651[7][6]
  • ...ussi, Sohn von Mugallu, ca. 640[6]

Literatur

  • John Garstang: Šamuḫa and Malatia. Journal of Near Eastern Studies, 1942, Nr. 1, Vol 4, S. 450–459.
  • John David Hawkins: Hieroglyphic Hittite Inscriptions of Commagene. Anatolian Studies, 1970, Nr. 20, S. 69–110.

Einzelnachweise

  1. John David Hawkins: Melid A In: MELID.B In: Bruno Meissner, Erich Ebeling, Wolfram von Soden, Dietz-Otto Edzard, Michael P. Streck (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie 8, Berlin, Leipzig. S. 35–41.
  2. Richard David Barnett: Hittite hieroglyphic Texts at Aleppo. In: Iraq 10/2, 1948, S. 129
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 3,8 3,9 Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms; A Political and Military History. Oxford, New York 2012, ISBN 978-0-19-964667-8, S. 302 f.
  4. Christian Marek, Peter Frei: Geschichte Kleinasiens in der Antike. München 2010, S. 803–804.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 5,6 Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms; A Political and Military History. Oxford, New York 2012, ISBN 978-0-19-964667-8, S. 303.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 Christian Marek, Peter Frei: Geschichte Kleinasiens in der Antike. München 2010, ISBN 978-3-406-59853-1, S. 804.
  7. 7,0 7,1 7,2 Trevor Bryce: The World of the Neo-Hittite Kingdoms; A Political and Military History. Oxford, New York 2012, ISBN 978-0-19-964667-8, S. 304.

Die News der letzten Tage

17.06.2022
Archäologie | Kultur
Neue Zeugnisse aus der Tempelstadt Heliopolis
Ein ägyptisch-deutsches Grabungsteam hat bei gerade abgeschlossenen Ausgrabungen im Nordosten Kairos bedeutende Zeugnisse aus der Geschichte der Tempelstadt Heliopolis gefunden.
14.06.2022
Wanderungen | Archäologie | Kultur
Die Römer brachten das Maultier mit
Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt.
10.06.2022
Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt
Bereits vor 3500 Jahren lebten die Menschen in einer globalisierten Welt.
09.06.2022
Genetik | Wanderungen | Homo sapiens
Das prähistorische Wallacea – ein genetischer Schmelztiegel menschlicher Abstammungslinien
Die Inseln Wallaceas im heutigen Ostindonesien wurden bereits vor langer Zeit von modernen Menschen besiedelt.
18.05.2022
Sprache | Primaten
Tierisch flexibel: Wie Orang-Utan-Mütter mit ihrem Nachwuchs kommunizieren
Ein Forschungsteam hat Mutter-Kind-Interaktionen bei Orang-Utans untersucht.
17.05.2022
Paläoökologie | Nach_der_Eiszeit | Ernährung
Zündeln vor 9.500 Jahren
Schon vor 9500 Jahren setzten die Menschen in Europa Brandrodung ein, um Land für sich nutzbar zu machen.
17.05.2022
Nach_der_Eiszeit | Archäologie | Kunst
Spektakuläre Deckengemälde im Tempel von Esna entdeckt
Deutsche und ägyptische Forscher haben im Tempel von Esna in Oberägypten eine Serie farbenprächtiger Deckenbilder freigelegt.