Diviciacus (lateinische Form, keltisch: Diviciacos), auch Divitiacus, war ein haeduischer Stammesführer und Druide im 1. Jahrhundert v. Chr.

Diviciacus war den Römern freundlich gesinnt und besuchte 61 v. Chr. Rom, wo er im Senat Hilfe gegen die Sequaner erbat, die gemeinsam mit dem Germanen Ariovist die Haeduer besiegt hatten. Die Bitte blieb erfolglos, der Senat beauftragte lediglich den jeweiligen Statthalter der Provinz Gallia Narbonensis, die Haeduer und andere Bundesgenossen nach Möglichkeit zu unterstützen – praktische Auswirkungen hatte dies zunächst nicht.[1] In Rom traf er auch Cicero, der sich von Diviciacus über die keltische Wahrsagekunst unterrichten ließ.[2]

58 v. Chr. erbat Diviciacus als Vergobret (Stammesführer) die Hilfe des neuen gallischen Prokonsuls Caesar zuerst gegen die Helvetier, die, bedrückt von den Germanen unter Ariovist, beschlossen hatten, ihre Heimat zu verlassen und ihr Volk umzusiedeln. Später bat er Caesar um Hilfe gegen Ariovist selbst[3] und trug so zum Ausbruch des Gallischen Krieges bei. Dabei geriet er in Konflikt mit seinem römerfeindlichen Bruder Dumnorix, der ihm die Herrschaft streitig machte und einen Umsturz plante. Dumnorix wurde entmachtet, aber auf Bitten des Diviciacus begnadigt. Dieser unterstützte Caesar auch noch im folgenden Jahr beim Kampf gegen die Belger, wobei er die Begnadigung der Bellovaker erwirkte. Nach diesem Vorfall wird nicht mehr über Diviciacus berichtet, was darauf schließen lässt, dass er kurz darauf verstarb.

Literatur

  • Hans Georg Gundel: Divitiacus 2. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 2, Stuttgart 1967, Sp. 108 f.
  • Friedrich Münzer: Divitiacus 2. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band V,1, Stuttgart 1903, Sp. 1239 f.

Anmerkungen

  1. Caesar, de bello Gallico 1,35. Siehe dazu Karl Christ, Krise und Untergang der Römischen Republik, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1979, ISBN 3-534-08061-0, S. 325.
  2. Cicero, de divinatione 1,90: et in Gallia Druidae sunt, e quibus ipse Divitiacum Haeduum ... cognovi: „und in Gallien gibt es die Druiden, von denen ich selbst den Haeduer Divitiacus kennengelernt habe.“
  3. Caesar, de bello Gallico 1,31f.

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