Haeduer


Die Haeduer (Häduer, auch Aeduer; Haedui = die Feurigen) waren der größte keltische Stamm in Gallien. Wichtigster Ort war zuerst Bibracte, später das 10 v. Chr. gegründete Augustodunum (heute Autun). Weitere Orte waren Cavillonum, Decetia, Noviodunum Haeduorum und Matisco.

Ihr Besiedlungsraum in Zentralgallien dehnte sich über das Gebiet zwischen Saône und Loire bis in den Raum Lyon aus. Benachbarte Stämme waren im Westen die Biturigen, im Norden die Lingonen, Senonen und Karnuten, im Osten die Sequaner und im Süden einige kleinere Völker, die zum Klientel der Haeduer gehörten.

Vorgeschichte

Im 6. Jahrhundert v. Chr. nahmen die Haeduer an einem Feldzug nach Oberitalien teil.[1]

Im Jahr 121 v. Chr. erbaten sie bei den Römern Hilfe gegen die Arverner und Salluvier.[2]

Gallischer Krieg

Caesar, der in seinem Werk De Bello Gallico den Gallischen Krieg beschreibt, misst den Haeduern unter den gallischen Stämmen eine besondere Bedeutung zu, was sich allein an der häufigen Nennung gerade dieses Stammes zeigt: Die Haeduer werden innerhalb des De Bello Gallico 120mal erwähnt,[3] und insgesamt elf Haeduer sind uns namentlich bekannt: Cavarillus, Convictolitavis, Cotus, Diviciacus, Dumnorix, Eporedorix, Liscus, Litaviccus, Surus, Valetiacus, Viridomarus. Beide Zahlen werden innerhalb von Caesars Werk von keinem anderen gallischen Stamm erreicht.[4]

In der Nähe des Berges Beuvray schlug Caesar im Gallischen Krieg (58–51 v. Chr) eine seiner ersten siegreichen Schlachten (siehe Schlacht bei Bibracte). Die Haeduer und die verbündeten Sequaner stellten sich mit ihren Heeren zur Schlacht und unterlagen den Römern.

Nach langem Schwanken und Zögern schlossen sich die Haeduer 52 v. Chr. dem Aufstand gegen Caesar an. In Bibracte hielten sie eine Landtagsversammlung ganz Galliens, mit dem Namen Concilium totius Galliae ab. Auf dieser Versammlung wurde Vercingetorix als Oberbefehlshaber der gallischen Stämme bestätigt. Dieses Ergebnis verärgerte die Haeduer in großem Maße.

Nach der verlustreichen Schlacht von Alesia im Jahre 52/51 v. Chr. wurden die Völker der Arverner und Haeduer von der Versklavung ausgenommen. Die Arverner fielen politisch nicht mehr ins Gewicht und werden kaum noch erwähnt. Die Haeduer und die Remer übernahmen wieder die Vorherrschaft in Gallien.

Literatur

  • Maximilian Ihm: Aedui. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,1, Stuttgart 1893, Sp. 475.
  • Bernhard Kremer: Das Bild der Kelten bis in augusteische Zeit. Steiner, Stuttgart 1994, ISBN 3-515-06548-2, darin insbes. S. 219–246 (Kapitel: Die Haeduer als Sonderfall der Keltendarstellung Caesars).
  • Pierre Wuilleumier: Haedui. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 2, Stuttgart 1967, Sp. 912.
  • Hermann Reichert: Häduer. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 13, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1999, S. 274–277 (online).

Anmerkungen

  1. Livius, ab urbe condita, 5,34
  2. Livius, Periocha LXI; Florus, Epitoma 1,37,4
  3. M. Rambaud: Déformation historique. S. 312.
  4. Bernhard Kremer: Das Bild der Kelten bis in augusteische Zeit, S. 219.

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