Cromm Cruach (der „Dunkle, schwarze Kopf“) ist ein Gott der Unterwelt und des Todes in der keltischen Mythologie Irlands. Er wird auch Cenn Crúach („Blutiger Kopf“) genannt und gilt als Hauptidol von Irland (ardídal na hÉrend). In der Vita des Heiligen Patrick von Irland wird er in dieser Funktion genannt.[1]

Mythologie

Die Standbilder des Cromm Cruach sollen den Frieden und die Fruchtbarkeit sicherstellen. In der Legende des Tigernmas wird erzählt, dass dessen Anhänger zu Samuin auf dem Mag Slécht („Feld der Anbetung“) dem Cromm Cruach so verzückt ihre Verehrung zeigten, dass sie sich die Köpfe auf den Steinen zerschlugen. Ein Text aus den Dindsenchas berichtet von diesem Vorfall.[2]

Zu Samuin öffnen sich die Tore zur Unterwelt in den Feenhügeln (sídhe). Als Totengott und Hüter der Unterweltssonne erwartet Cromm Cruach das Opfer der Erstgeborenen von Tieren und sogar Menschen. In Jahren der Missernte sollen ihm bis zu zwei Drittel aller Erstgeborenen geopfert worden sein. An diesem Tag besuchen die „Unterirdischen“, die Anderswelt-Bewohner, die Menschen und diese können ihrerseits ebenfalls in die Feenhügel eindringen.[3]

Cromm Cruach wird manchmal mit dem Cromm Dubh (der „Schwarzer Gebeugte“) genannten Fruchtbarkeitsgott zusammengeworfen, der sein Heiligtum auf dem Cnoe Bréannan (Mount Brandon, County Kerry) hatte. Auch dieser wird mit dem heiligen Patrick in Verbindung gebracht.[4]

St. Patricks-Vita

Patrick von Irland beschreibt das von ihm bekämpfte Standbild des Cromm Cruach als eine anthropomorphe Figur aus Gold und Silber, umgeben von zwölf „Idolen“ (cumdachta o umaí). Als Patrick den Cenn Crúach mit dem Kreuz bedrohte, wendete sich die Statue von ihm ab und die Idole versanken im Boden.[1]

Siehe auch

Literatur

  • Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997, ISBN 3-7001-2609-3.
  • Ingeborg Clarus: Keltische Mythen. Der Mensch und seine Anderswelt. Walter, Olten/Freiburg im Breisgau 1991, ISBN 3-530-13513-5 (2. Auflage: Patmos, Düsseldorf 2003, ISBN 978-3-491-69109-4).

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 575.
  2. H. d’Arbois de Jubainville: Cours de littérature celtique. Paris 1884–1902, S. 101 f.
  3. Ingeborg Clarus: Keltische Mythen. Der Mensch und seine Anderswelt. S. 91.
  4. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 794.

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