Ubeidiya, Israel

Fundort: Ubeidiya, Jordantal, Israel
Spezies: Homo
Geschätztes Alter: 1500000 Jahre, Datierung basierend auf Biostratigraphie
Kultur: Oldowan, Acheuleen

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Der Fundort 'Ubeidiya (Tel-`Ubaydiyya; תל - עובידיה; تل العبيدية) befindet sich etwa 3 km südlich des Sees Tiberias im Jordantal in Israel. 'Ubeidiya ist eine bedeutende archäologische Fundstelle aus dem Pleistozän, etwa 1,5 Millionen Jahre alt, mit Spuren der frühesten Migration des Homo erectus aus Afrika.

Die Fundstelle wurde im Jahr 1959 entdeckt und zwischen 1960 und 1974 ausgegraben, hauptsächlich unter der Leitung von Ofer Bar-Yosef und Naama Goren-Inbar.

Ab einem Alter von etwa 1,5 Millionen Jahren tauchen in den etwa 60 Bodenschichten fossile Knochenreste von Menschen und Tieren auf. Die prähistorischen Funde in Form von Steinwerkzeugen gehen in die Zehntausende.

An der Fundstelle finden sich auch Areale mit felsigem Untergrund, auf dem prähistorische Mensch während des Pleistozäns lebte. Als Ergebnis geologischer Faltungen sind die Felsoberflächen heute in einem Winkel von 70 Grad geneigt. Es wird vermutet, dass das Gebiet zu einem See gehörte, an dessen Ufern sich der Homo erectus aufhielt, nachdem er aus Afrika auswanderte. Die Funde bei 'Ubeidiya scheinen diese Theorie des Exodus zu bestätigen.

Biostratigraphische Analysen ergaben ein Alter zwischen 1,5 und 1,4 Millionen Jahren. Dieses Alter steht im Einklang mit paläomagnetischen Untersuchungen, die eine Zeitspanne von 1,53 bis 1,2 Millionen Jahren ergaben.

Zu den menschlichen Überresten an der Fundstelle von 'Ubeidiya gehören Fragmente von zwei Scheitelbeinen sowie eines Schläfenbeins mit den Bezeichnungen UB 1703 bis UB 1706. Außerdem fand man einen linken Schneidezahn (I2) und einen rechten Molaren, die anfangs Homo sp. zugeordnet wurden, später Homo erectus cf. Allerdings scheinen diese homininen Überreste höchstwahrscheinlich durch Intrusion ? an ihren Fundort gelangt zu sein. Ein rechter Schneidezahn mit der Bezeichnung (UB 335) ist der einzige Fund aus dem Unteren Pleistozän, der in situ gemacht wurde (Belmaker et al 2002).

Die Werkzeuge von 'Ubeidiya stammen aus dem frühen Acheuléen und dem späten Oldowan. Diese Ansammlungen von Steinwerkzeugen haben die größte Ähnlichkeit mit dem entwickelten Oldowan B und dem frühen Acheuléen aus der Olduvai Schlucht in Tansania. Taphonomische Untersuchungen an Tierknochen zeigen, dass der frühe Mensch hier Tiere schlachtete oder Aas verwertete (Gaudzinski 2004).



Fundstücke Nachfolgende Fotos © Human Evolution Research Center, (US-Lizenz Fair Use)

Homo
UBEIDIYA_1.gif
UBEIDIYA

CRA (fragments, R. M2, L. I1?)


Literatur

Koordinaten