Ndutu, Tansania

Fundort: Ndutu, Naisiusiu, Olduvai, Tansania
Spezies: Homo heidelbergensis, (rhodesiensis)
Fossil: Teilweiser Schädel eines Erwachsenen
Geschätztes Alter: 500000 Jahre
Kultur: Acheuleen

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Ndutu ist der Name einer Fundstelle aus See-Sedimenten an der westlichen Seite des Lake Ndutu, einem saisonalen Sodasee am westlichen Ende der Hauptschlucht von Olduvai, Nord-Tansania.

Während Ausgrabungsarbeiten im September und Oktober 1973 fand A. Mturi ein Teilcranium eines erwachsenen Menschen. Der Schädel wurde in einer Uferebene des Sees gefunden und ausgegraben, als während der Trockenzeit der Wasserspiegel besonders niedrig lag.

Diese Uferebenen sind an der Oberfläche übersät mit Steingeräten, deren Herkunft zu bestimmen das Ziel der Ausgrabungen war (Mturi, 1976). Der Schädel wurde im oberen von zwei, aus sandigem Lehm bestehenden archäologischen Horizonten gefunden, die im Norden durch erodiertem Tuffstein überlagert werden. Dieser Tuffstein könnte dem Norkilili Member der Upper Masek Beds (Bed IVB) in der nahe gelegenen Olduvai-Schlucht entsprechen (Clarke, 1990). Wenn die Tuffsteine also dem selben vulkanische Ereignis zugrunde liegen, dann könnte der Schädel etwa 400.000 Jahre alt sein.

Allerdings kann man derzeit nicht ganz ausschließen, dass der Tuffstein des Ndutu Sees der gleichen vulkanischen Episode entstammt, wie die Tuffe, die die Masek Beds in der Olduvai überlagern. So könnte der Schädel auch nur etwa 200.000 Jahre alt sein, obwohl archäologische Überlegungen das höhere Alter favorisieren.

Die Artefakte, die in Verbindung mit dem Schädel gefunden wurden, waren ziemlich unbestimmt (Mturi, 1976). Allerdings ermöglichte es im Jahr 1982 ein starker Abfall des Wasserspiegels A. Mturi an der Fundstelle Faustkeile zu bergen, die fast sicher aus dem gleichen Horizont wie der Schädel stammten. Mturi ist der Meinung, dass diese Geräte zur gleichen Werkzeugtradition gehören, wie die Geräte aus den Masek Beds - und damit etwa zwischen 500.000 bis 300.000 Jahre alt sein könnten.

Die Rekonstruktion und die erste Beschreibung des Ndutu Schädels wurden von Clarke (1976) durchgeführt, der in dieser Arbeit Ähnlichkeiten mit dem Homo erectus aus Zhoukoudian betonte. In einer späteren, ausführlicheren Beschreibung revidiert Clarke (1990) seine Meinung, und bezeichnet den Menschen von Ndutu als archaischen Vertreter des Homo sapiens, der sich aus Menschentypen wie z. B. OH 9 oder SK 847 entwickelte. Clarke sah eine afrikanische Abstammungslinie des Homo sapiens und bezeichnete den ostasiatischen Homo erectus als Seitenzweig in der menschlichen Evolution. Rightmire (1990) betonte ebenfalls, dass sich Ndutu vom Homo erectus unterscheidet, den er aber breiter definiert als Clarke, und stellt eine Zugehörigkeit zu Homo heidelbergensis fest.

Holloway (2000) gibt eine Schädelkapazität von 1.100 cm³ an.



Fundstücke Nachfolgende Fotos © Human Evolution Research Center, (US-Lizenz Fair Use)

Homo rhodesiensis
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NDUTU

CRA


Literatur

Koordinaten