Gran Dolina, Spanien

Letzte Meldung:   Urmenschen mit Fingerspitzengefühl   –  Senckenberg-Wissenschaftlerin Katerina Harvati widerlegt gemeinsam mit ihrem Team der Universität Tübingen und in enger Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel die bisherige Annahme, dass sich Neandertaler bei dem Einsatz ihrer Hände hauptsächlich auf ihre Kraft verlassen hätten. In einer heute im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Studie zeigen sie....

Fundort: Gran Dolina, Level TD, Atapuerca, Spanien
Spezies: Homo erectus, (Homo antecessor)
Geschätztes Alter: 818.500 Jahre, Datierung basierend auf Uran/Thorium-Methode, Elektronenspinresonanz-Verfahren (ESR), Biostratigraphie, Paläomagnetismus
Kultur: Acheuléen
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Menschliche Schädelknochen aus der Gran Dolina, Atapuerca. Etwa 780.000 Jahre alt. Das Fossil wird dem Homo antecessor zugeordnet.

Der Höhlenkomplex von Atapuerca befindet sich in Nordspanien, etwa 15 Kilometer von der Stadt Burgos entfernt. Das Höhlensystem wurde Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt, als man in der Gegend eine Eisenbahnline baute. Professionelle Ausgrabungen fanden bereits in den 1960er Jahren statt, das bis heute andauernde Atapuerca-Projekt startete im Jahr 1978.

Neben der »Sima des los Huesos« stellt die »Gran Dolina« eine der wichtigsten Fundstellen in der Sierra de Atapuerca dar. Die Gran Dolina wurde im Alt- und Mittelpaläolithikum von Menschen bewohnt. In 18 Metern Sedimenten werden 11 stratigraphische Schichten unterschieden. Sie umfassen eine Zeitspanne von vor einer Million Jahren (Schicht TD1) bis vor 200.000 Jahren (Schicht TD11).

Die archäologisch wichtigste Schicht in der Gran Dolina trägt die Bezeichnung TD6. Hier fand man Steinwerkzeuge, Tierknochen und menschliche Überreste. Die Schicht TD6 konte mit der Elektronenspinresonanz (ESR) Untersuchung auf ein Alter von 780.000 Jahre datiert werden und ist damit eine der ältesten Fundstellen in Europa - nur Dmanisi in Georgien, wenn man Georgien zu Europa rechnet, ist älter.

Die Schicht TD6 brachte die Überreste von 6 Personen ans Licht, die ihre Finder der Art Homo antecessor zuordnen. Die Knochen aller sechs Individuen zeigen Schnittspuren, was die Gran Dolina zum ältesten Zeugnis von rituellem Kannibalismus macht.

Die Werkzeuge aus der Schicht TD10 in der Gran Dolina werden als Übergang vom Acheuleen zum Mousterien interpretiert. Aus dieser Schicht stammen mehr als 20.000 Artefakte, meist aus Feuerstein, Quarzit und Sandstein. Das Alter der Werkzeuge wird mit 330.000 bis 350.000 Jahren angegeben.

In den unteren Schichten wurden Reste von fleischfressenden Tieren gefunden, wie Säbelzahnkatzen und Tüpfelhyänen (in beiden Fällen die ältesten Nachweise der Art in Europa) sowie eine neue Bärenart, ein Vorfahr des Höhlenbären, der nach seiner Fundstelle als Ursus dolinensis klassifiziert wurde.


Literatur

  • Eudald Carbonell et al. 2008. The first hominin of Europe. Nature 452, pp 465–469. DOI: 10.1038/nature06815
  • Arsuaga, J.L., Martínez, I., Gracia, A., Carretero, J.M. und Carbonell, E. 1993. Three new human skulls from the Sima de los Huesos Middle Pleistocene site in Sierra de Atapuerca, Spain. Nature 362:534-37

Koordinaten

  • 42.350590° N, -3.519516° E von Henry Gilbert,
     

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