Sima de los Huesos

Fundort: Sima de los Huesos, Atapuerca, Spanien
Spezies: Homo heidelbergensis
Geschätztes Alter: 615500 Jahre , Datierung basierend auf Uran/Thorium-Methode
Kultur: Acheuleen

Die Sierra de Atapuerca ist eine Karstregion in der Provinz Burgos in der Nähe von Atapuerca und Ibeas de Juarros in Spanien.

In der Region gibt es mehrere Höhlen, wo Fossilien und Steinwerkzeuge der frühesten bekannten Hominiden in West-Europa gefunden wurden, die bis zu 1,2 Millionen Jahre alt sind. Die archäologische Stätte von Atapuerca wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Die berühmteste Fundstelle in der Sierra de Atapuerca ist die Höhle Sima de los Huesos (die Knochengrube), in der seit 1983 Ausgrabungen stattfinden. Sie befindet sich am Grund eines 13 Meter tiefen Kamins und man kann sie nur kriechend durch das Höhlensystem der Cueva Mayor erreichen.

Ab 1997 brachten die Ausgrabungen mehr als 5.500 menschlichen Knochen ans Licht, die mindestens 350.000 Jahre alt sind und rund 28 Skelette der Art Homo heidelbergensis repräsentieren. Die Sedimente aus dem Mittelpleistozän sind hervorragend erhalten, neue Datierungen gehen von einem Alter von 600.000 Jahren aus. Unter anderem enthielten sie auch 180 Knochenreste des Bären Ursus deningeri und einen einzigen, unbenutzten Faustkeil, den man Excalibur nannte. Es wird vermutet, dass dieses dem Acheuléen zugeordnete Gerät aus rotem Quarzit eine Art rituelle Grabbeigabe war. Neunzig Prozent aller menschlichen Überreste von Atapuerca stammen aus der Sima de los Huesos.

Zu den Entdeckungen gehören ein vollständiges Cranium mit der Bezeichnung Schädel 5 und dem Spitznamen Miguelón, die Fragmente weiterer Schädel mit den Spitznamen Agamenon (Schädel 4) und Rui (Schädel 6, benannt nach El Cid, einem spanischen Nationalhelden). Desweiteren ein komplettes Becken (Pelvis 1) mit dem Spitznamen Elvis sowie Unterkiefer, Zähne und eine große Anzahl an postcranialen Elementen wie Oberschenkelknochen, Hand- und Fußknochen, Wirbelknochen, Rippen usw. Kindliche Überreste, bei denen man die Krankheit Kraniosynostose diagnostizieren konnte, sind 530.000 Jahre alt und lieferten den ältesten Hinweis auf Nahrungsteilung bei frühen Menschen.

Die Ausgräber sind der Meinung, dass die hohe Konzentration von Knochen in der Sima de los Huesos auf eine Art Bestattungspraxis hindeutet. Eine andere Theorie besagt, dass die menschlichen Überreste durch natürliche Vorgänge in die Höhle gewaschen wurden und stützt sich dabei auf das Fehlen kleiner Knochen an der Fundstelle.

Neben der "Sima des los Huesos" stellt die "Gran Dolina" eine der wichtigsten Fundstellen in der Sierra de Atapuerca dar.

Lesen Sie hier mehr über die Funde aus der Sierra de Atapuerca.


Homo_heidelbergensis-Cranium-Sima_de_los_Huesos,320.jpg
Der Schädel Nr. 5 ist einer der wichtigsten Funde in der Höhle Sima de los Huesos in Atapuerca. Erst einige Jahre nach diesem Fund entdeckte man auch den dazugehörigen Unterkiefer - ebenfalls fast komplett.

Literatur

  • Bischoff, J. L., Williams, R. W., Rosenbauer, R. J., Aramburu, A., Arsuaga, J. L., GarcÌa, N., et al. 2007. High-resolution U-series dates from the Sima de los Huesos hominids yields: implications for the evolution of the early Neanderthal lineage. Journal of Archaeological Science, 34(5), 763-770
  • Arsuaga, J.L., Martínez, I., Gracia, A., Carretero, J.M. und Carbonell, E. 1993. Three new human skulls from the Sima de los Huesos Middle Pleistocene site in Sierra de Atapuerca, Spain. Nature 362 (1993): 534-37
  • Gracia A, Arsuaga JL, Martínez I, Lorenzo C, Carretero JM, Bermúdez de Castro JM, Carbonell E. 2009. Craniosynostosis in the Middle Pleistocene human Cranium 14 from the Sima de los Huesos, Atapuerca, Spain. Proc Natl Acad Sci U S A. 2106(16):6573-8

Koordinaten

  • 42.350590° N, -3.519516° E von Henry Gilbert,

Fundstücke Nachfolgende Fotos © Human Evolution Research Center, (US-Lizenz Fair Use)

Homo heidelbergensis
ATAPUERCA B-9
ATAPUERCA B-9

Homo heidelbergensis

Elemente: R. MAN (C-M1)

Sima de los Huesos, Spanien

Homo heidelbergensis
ATAPUERCA B-1
ATAPUERCA B-1

Homo heidelbergensis

Elemente: MAN (R. M1-M3, L. M1-M3)

Sima de los Huesos, Spanien

Homo heidelbergensis
ATAPUERCA B-17
ATAPUERCA B-17

Homo heidelbergensis

Elemente: PAR

Sima de los Huesos, Spanien

Homo heidelbergensis
ATAPUERCA B-18
ATAPUERCA B-18

Homo heidelbergensis

Elemente: PAR

Sima de los Huesos, Spanien


Diese Artikel könnten dir auch gefallen



Die letzten News


Knochen des Tages
AL 333-13
AL 333-13

Australopithecus afarensis

Elemente: L. MT5 (prox. frag.)

Hadar, Äthiopien

25.09.2020
Vor 120.000 Jahren: Älteste sicher datierte Nachweise von Menschen auf der arabischen Halbinsel
Unter Verwendung hochauflösender paläoökologischer Informationen, die aus versteinerten Fußabdrücken gewonnen wurden, präsentiert eine neue, in ...
25.09.2020
Neandertaler haben männliches Geschlechtschromosom vom modernen Menschen übernommen
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Martin Petr und Janet Kelso vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipz...
21.09.2020
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald: Forscherteam entschlüsselt fossile Mikrowelten
Paläontologen des Museums für Naturkunde Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg führen aktuell in Manebach bei Ilmenau wissenschaftliche Grabung...
21.09.2020
Auch Schimpansen leiden ein Leben lang, wenn sie im Kindesalter die Mutter verlieren
Der Tod eines Elternteils ist für ein Kind traumatisch und Waisenkinder leiden häufig für den Rest ihres Lebens unter diesem Verlust – ein verzö...
21.09.2020
Älteste Spermien der Welt
In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses 100 Millionen Jahre alte Riesenspe...
17.09.2020
Schimpansenverhalten und -kultur sind in variabler Umwelt am vielfältigsten
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrat...
15.09.2020
Weinpresse aus der Eisenzeit gibt Aufschluss über Bautechnik der Phönizier
Forschungsteam der Universität Tübingen entdeckt seltenen Nachweis der frühen Weinherstellung an der Ausgrabungsstätte Tell el-Burak im Libanon.
09.09.2020
Die älteste Neandertaler-DNA Mittelosteuropas
Ein internationales Team berichtet in einer neuen Studie über das älteste mitochondriale Genom eines Neandertalers aus Mittelosteuropa. Das aus eine...
09.09.2020
Das letzte Zucken der Eiszeit
Ein internationales Team von Forschenden blickt präzise wie nie in das Ende der letzten Eiszeit. Wann und wo genau die Jüngere Dryaszeit begann und ...
03.09.2020
Milchverträglichkeit hat sich in wenigen Tausend Jahren in Mitteleuropa verbreitet
Paläogenetiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz finden nur in wenigen Knochen vom bronzezeitlichen Schlachfeld an der Tollense Hinweise auf ...
03.09.2020
Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert
Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universit...
03.09.2020
Künstliche Intelligenz hilft in der Archäologie
Künstliche Intelligenz ist besser als bisherige Softwareanwendungen in der Lage, den Ursprung archäologischer Funde aus naturwissenschaftlichen Unte...
26.08.2020
Bronzezeit: Fremde Ernährungstraditionen in Europa
Nicht nur Metalle, hierarchische Gesellschaften und befestigte Siedlungen: In der Bronzezeit beeinflusste auch ein neues Lebensmittel die ökonomische...
26.08.2020
Wie sich Neandertaler an das Klima anpassten
Klimaveränderungen kurz vor ihrem Verschwinden lösten bei den späten Neandertalern in Europa eine komplexe Verhaltensänderung aus: Sie entwickelte...
17.08.2020
Radiokarbonuhr zur C-14 Datierung neu geeicht
Die Radiokarbondatierung wird genauer als je zuvor: Als Teil eines internationales Forschungsteam trug die Universität Hohenheim dazu bei die Technik...
06.08.2020
Langer Hals half Saurier bei Unterwasserjagd
Sein Hals bestand aus dreizehn extrem verlängerten Wirbeln und war dreimal so lang wie sein Rumpf: Der Giraffenhalssaurier Tanystropheus lebte vor 24...
06.08.2020
Ein Riesenkranich aus dem Allgäu
Forschungsteam beschreibt rund elf Millionen Jahre alten Vogelschädel von der Fundstelle Hammerschmiede als frühesten Nachweis eines großen Kranich...
04.08.2020
Jonah’s Mausmaki: Internationales Forscherteam entdeckt in Madagaskar neue Primatenart
Ein Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus sechs Ländern hat in Madagaskar eine neue Mausmaki-Art entdeckt. Das Forscherte...
31.07.2020
Bisher älteste Bissspuren von Säugetieren auf Dinosaurierknochen entdeckt
Forschungsteam der Universität Tübingen belegt, dass kleine Säuger aus dem Nordwesten Chinas vor 160 Millionen Jahren Aas nicht verschmähten.
30.07.2020
Wie die Landwirtschaft ins Ammertal einzog
Forschungsprojekt erstellt geoarchäologisches Archiv der ersten Mensch-Umwelt Interaktionen in Tübinger Region: Landschaft wandelte sich vom Feuchtg...
30.07.2020
55 Millionen Jahre altes Skelett einer Eule
Senckenberg-Wissenschaftler Gerald Mayr hat mit Kollegen aus Belgien und den USA eine neue fossile Eulenart beschrieben. Das Skelett von Primoptynx po...
25.07.2020
Kluge Köpfe entwickeln geschickte Hände
Affenarten mit grossen Gehirnen beherrschen schwierigere Handgriffe als solche mit kleinen Hirnen. Doch das Erlernen feinmotorischer Fähigkeiten wie ...
25.07.2020
Neandertaler besaßen niedrigere Schmerzschwelle
Schmerz wird durch spezielle Nervenzellen übertragen, die aktiviert werden, wenn potenziell schädliche Einflüsse auf verschiedene Teile unseres Kö...
20.07.2020
Werkzeug-Satz aus Elfenbein
Meißel aus Mammutstoßzähnen wurden vor 38.000 Jahren multifunktional eingesetzt – Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgesc...
16.07.2020
Schwanz wog zweieinhalb Tonnen
Ein Forscherteam unter der Leitung von Verónica Díez Díaz, Postdoktorandin an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Museum für Naturkunde Be...