Estrecho del Quípar, Spanien

Fundort: Estrecho del Quípar, Cueva Negra de Estrecho del Río Quípar, Spanien
Spezies: Homo
Geschätztes Alter: 885000 Jahre, Datierung basierend auf Paläomagnetismus
Kultur: Acheuleen

Letzte Meldung:   Ein Festgelage vor 10.000 Jahren   –  Forschungen des Deutschen Archäologischen Instituts liefern neue Erkenntnisse zur Nahrungsproduktion frühneolithischer Jäger und Sammler am Göbekli Tepe in der Türkei....

Wir Europäer sind in der ganzen Welt für technische Spitzenprodukte und innovatives Design bekannt. Wenn es aber um prähistorische Steinwerkzeuge ging, hielten die Archäologen unsere frühen europäischen Vorfahren für Nachzügler. Beispielsweise wurde der Faustkeil vor mindestens 1,5 Millionen Jahren in Afrika erfunden, doch in Europa taucht er erst vor 500.000 Jahren auf. Neue Datierungen von zwei Fundorten in Spanien zeigen nun aber, dass die frühesten Faustkeile auf dem europäischen Kontinent fast doppelt so alt sind. Die Ergebnisse haben großen Einfluß auf unser Verständnis der frühen menschlichen Migrationen.

Faustkeile werden manchmal als Schweizer Messer der Steinzeit bezeichnet. Sie variieren in Form und Größe, aber die meisten sind zumindest grob symmetrisch, mit einer spitzen und einer abgerundeten Kante. Faustkeile waren sehr nützlich für das Schlachten von Tieren und das Schneiden harter Pflanzenstängel. Doch obwohl die frühen Menschen bereits zur Zeit der Erfindung des Faustkeils von Afrika nach Europa und Asien wanderten, fand man dieses Werkzeug nur an viel jüngeren Fundstellen. Ausnahmen bilden nur Ubeidiya mit einem Alter von 1,4 Millionen Jahren, Gesher Benot Ya'aqov mit 780.000 Jahren, beide in Israel, sowie das etwa 800.000 Jahre alte Bose-Becken in China. In Europa war der bislang älteste bekannte Faustkeil rund 500.000 Jahre alt und stammte aus Boxgrove an der englischen Südküste.

Die beiden Geologen Gary Scott und Luis Gibert vom Berkeley Geochronology Center in Kalifornien haben zwei Faustkeil-Fundorte im Südosten Spaniens - die offene Fundstelle Zamborino de Solana und das Felsdach von Estrecho del Quípar - neu datiert. Archäologen haben das Alter der dort ausgegrabenen Faustkeile bisher von der Verarbeitungstechnik abgeleitet, und so schätzten sie für die beiden Fundorte lediglich auf etwa 200.000 Jahre.

Scott und Gibert datierten die Fundorte mit einer Technik namens Paläomagnetismus. Dabei wird die magnetische Polarität von in Sedimenten eingebetteten Mineralien bestimmt, um ihr ungefähres Alter zu schätzen. Das Magnetfeld der Erde hat sich in regelmäßigen Abständen umgepolt. Das letzte Mal passierte dies vor 780.000 Jahren; dieses Ereignis nennt man Brunhes-Matuyama-Umkehr.

Als Scott und Gibert die magnetische Polarität der Sedimentschichten in Solana de Zamborino bestimmten - wo bereits in den 1970er Jahren mehrere Faustkeile und andere Werkzeuge ausgegraben wurden - erkannten sie, dass die Werkzeuge direkt oberhalb einer Schicht der Brunhes-Matuyama-Umkehr lagen. So konnten sie für die Faustkeile ein Alter von rund 760.000 Jahren bestimmen. Die Fundstelle Estrecho del Quípar, bei der seit den 1990er Jahren ausgegraben wird und bereits menschliche Zähne, ein Faustkeil und andere Werkzeuge gefunden wurden, lagen alle Sedimentschichten unterhalb der Brunhes-Matuyama-Umkehr. Aus der Position der Artefakte in den Sedimentschichten konnten die Forscher für Estrecho del Quípar ein Alter von mindestens 900.000 Jahre bestimmen.

Scott und Gibert sind der Meinung, dass die Existenz einer so alten und anspruchsvollen Werkzeugtechnologie in Westeuropa beweist, dass die frühen Menschen auf dem europäischen Kontinent viel früher anwesend waren, als viele Archäologen bisher angenommen haben.

Christian Tryon, Geoarchäologe an der New York University in New York City sagte, dass die Studie "handfeste Beweise" für einen frühen Zeitpunkt der Besiedlung beider Fundorte erbringt. "Die früheren Datierungen dieser Faustkeile zeigen, wie oft wir die technische Kompetenz der frühesten europäischen Werkzeugmacher unterschätzt haben."




Literatur

Koordinaten