Engis, Belgien

Fundort: Engis, Awirs Höhle, Awir Höhle, Avir Höhle, Avirs Höhle, Liege, Belgien
Spezies: Homo neanderthalensis
Fossil: Engis 2, jugendliches Cranium, wissenschaftshistorisch der erste fossile Neandertalerfund überhaupt (C.H. Schmerling, 1829/1830)
Geschätztes Alter: 35000 Jahre, Datierung basierend auf Biostratigraphie

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Der Schädel des Neandertalerkindes Engis 2 wurde im Winter 1829/1830 durch Philippe-Charles Schmerling bei Ausgrabungen in einer ursprünglich als »Trou Caheur« bekannten Höhle nahe der Ortschaft Engis entdeckt. Seit 1939 trägt sie den Namen »Grotte Schmerling«.

Wissenschaftshistorisch ist die Fundstelle sehr bedeutend, da hier bereits um 1830 eindeutig die Fundvergesellschaftung von Tieren der Eiszeit, Menschen und Steinwerkzeugen belegt ist. Dass der Fund nicht so ein Aufsehen erregte wie später der Fund aus dem Neandertal liegt daran, dass er zu einer Zeit gemacht wurde, als die Wissenschaft der Urgeschichte noch in den Kindershuhen steckte und daran, dass die Anatomie des Kinderschädels nicht so besonders anders war, dass hier eine Abweichung vom Homo sapiens erkannt wurde.




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