Circeo, Italien

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Fundort: Circeo, Grotte Guattari, Monte Circeo, Latium, Italien
Spezies: Homo neanderthalensis
Geschätztes Alter: 57.000 Jahre
Kultur: Moustérien

Die Grotte Guattari ist ein prähistorischer Höhlenfundort in Latium, Italien. Sie öffnet sich zur Küste des Tyrrhenischen Meeres und liegt am Osthang des Monte Circeo.

Im Jahr 1939 entdeckte ein Archäologenteam um Alberto Carlo Blanc den Schädel eines Neandertalers. Die Höhle wurde durch Zufall entdeckt, als Arbeiter damit beschäftigt waren, Steine vom Grundstück des Herrn Guattari zu entfernen. Ein Erdrutsch hatte den Eingang zur Höhle verschüttet.

Der guterhaltene Schädel lag am Boden der Höhle und war von einem Steinkreis umgeben, auch der dazugehörige Unterkiefer konnte auf der Oberfläche gefunden werden. In den 1950ern wurden die Ausgrabungen bei Monte Circeo von A. G. Segre fortgeführt.

Ausgrabungen innerhalb und besonders außerhalb der Höhle haben Mousterien Werkzeuge vom Typ Pontinien (Mittelpaläolithikum) zutage gefördert. Diese Industrie ist weitgehend durch Verwendung kleiner Werkzeuge charakterisiert, die mit der Levallois-Abschlagtechnik hergestellt wurden.

Die Fauna am Monte Circeo, deren Überreste man ebenfalls in der Grotte Guattari zusammen mit dem Neandertalerschädel fand, besteht aus Rindern, Hirschen Pferden und Hyänen. Das Alter der fossilführenden Schichten konnte auf etwa 57.000 Jahre bestimmt werden.

Der Paläontologe A. C. Blanc und der Anthropologe S. Sergi glaubten auf der Oberfläche des Schädels Hinweise für rituellen Kannibalismus gefunden zu haben, auch deuteten sie die Erweiterung des Foramen magnum als Beleg für die Entnahme des Gehirns. Der Steinkreis wurde ebenfalls als ein Zeugnis für ein kannibalisches Ritual gesehen. Die Höhle wurde lange als "Heiligtum" der Neandertaler zitiert, vor allem seitdem ritueller Kannibalismus und Schädelverehrung bei Neandertalern allgemein akzeptierte Verhaltensmuster sind.

In den frühen 1990er Jahren haben amerikanische und italienische Forscher eine neue Erklärung vorgeschlagen: die Knochen wurden von Fleischfressern, vor allem durch Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta), in die Höhle verbracht, denn die oben erwähnten Deformationen sind kompatibel mit Zahneindrücken dieser Tiere. Der Steinkreis könnte zufällig durch natürliche Phänomene entstanden sein, und so wird für die Guattari Höhle heute die Hypothese des rituellen Kannibalismus von den meisten Forschern aufgegeben.


Literatur

  • Piperno, M., et Giacobini, G., « A taphonomic study of the paleosurface of Guattari Cave », Quaternaria Nova, Vol. I, 1990-1991, Proceedings of the International Symposium « The fossil man of Monte Circeo : fifty years of studies on the neandertals in Latium », Bietti, A. et G. Manzi Eds., (1992), pp. 143-161
  • Stiner, M., « The Guattari faunas then and now », Quaternaria Nova, Vol. I, 1990-1991, Proccedings of the International Symposium « The fossil man of Monte Circeo : fifty years of studies on the neandertals in Latium », Bietti, A. et G. Manzi Eds., (1992), pp. 163-192
  • Toth, N. et White, T., « Assessing the ritual cannibalism hypothesis at Grotta Guattari », Quaternaria Nova, Vol. I, 1990-1991, Proccedings of the International Symposium « The fossil man of Monte Circeo : fifty years of studies on the neandertals in Latium », Bietti, A. et G. Manzi Eds., (1992), pp. 213-222

Koordinaten

  • 41.233299° N, 13.050000° E von Henry Gilbert,
     

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