Chongokni, Südkorea

Letzte Meldung:   Urmenschen mit Fingerspitzengefühl   –  Senckenberg-Wissenschaftlerin Katerina Harvati widerlegt gemeinsam mit ihrem Team der Universität Tübingen und in enger Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel die bisherige Annahme, dass sich Neandertaler bei dem Einsatz ihrer Hände hauptsächlich auf ihre Kraft verlassen hätten. In einer heute im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlichten Studie zeigen sie....

Fundort: Chongokni, Provinz Kyunggi, Südkorea
Spezies: Homo
Geschätztes Alter: 325.000 Jahre, Datierung basierend auf stratigraphicher Korrelation, Kalium-Argon-Methode
Kultur: Oldowan, Acheuléen

Chongokni ist ein offener Fundort in den Imjin- und Hantan Flussbetten (IHRB) in der Provinz Kyunggi an der Grenze der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea.

Die IHRB ist eine Region mit mehr als 30 offenen Fundorten des Paläolithikums, darunter Chongokni, Kumpari, Chuwolli und Kawolli. Chongokni, die bekannteste der IHRB Fundstellen, zog im Jahr 1978 die Aufmerksamkeit einer breiteren, internationalen Wissenschaftsgemeinde auf sich, als man dort Acheuléen-ähnliche, zweiseitig bearbeitete Steinwerkzeuge (Bifaces) fand. Diese Funde wurden von einigen Forschern herangezogen, um die Hypothese der Movius-Linie zu widerlegen.

Chongokni ist mit allen möglichen Verfahren datiert worden, was zu unzähligen Altersangaben führte. Die früheste Datierung der Chongokni-Steinwerkzeuge ergab ein Alter zwischen 350.000 und 300.000 Jahren, womit die Artefakte aus dem Mittelpleistozän stammen dürften.

Aufgrund des Säuregehalts des Bodens in Korea gibt es an offenen Fundorten kaum erhaltene Knochenreste von Menschen, doch Steinartefakte gibt es zuhauf. Mehr als 5.000 solcher Exemplare wurden bei Oberflächenuntersuchungen in den IHRB-Flussbetten gefunden. Die meisten Rohstoffe sind lokal verfügbar und bestehen aus Quarz und Quarzit-Flusskieseln von geringer Qualität. Die Sammlung von Chongokni besteht aus Kern- und Abschlagwerkzeugen.

Obwohl die meisten der zweiseitig bearbeiteten Faustkeile und Cleaver an der Oberfläche gefunden wurden, gibt es auch einige, die erst bei Ausgrabungen zum Vorschein kamen. Zweiseitig bearbeitete Werkzeuge machen weniger als 5% der Gesamtfunde aus, weswegen Kidong Bae, einer der Autoren von Chongokni, vorschlug, die Werkzeugtypen der Sammlung als "Chongoknien" zu klassifizieren.

Bei systematischen Ausgrabungen an Orten wie Chongokni stießen die koreanischen Forscher u. a. auch auf kleine Abfallstücke (Abschläge, Debitage), die darauf hindeuten, dass mindestens an einigen dieser Fundstellen das sogenannte "Stone knapping" praktiziert wurde, eine Technik, bei der Feuerstein oder Obsidian durch kräftige Schläge zu einem Werkzeug geformt wird. Die meisten der zweiseitig bearbeiteten Artefakte unterscheiden sich morphologisch von den typischen Acheuléen-Faustkeilen, die westlich der Movius-Line gefunden wurden. Eine kleine Minderheit von Forschern sieht jedoch auch eine Reihe von Ähnlichkeiten mit dem Acheuléen.


Literatur

  • Norton, C. J., Bae, K., Harris, J. W. K., & Lee, H. 2006. Middle Pleistocene handaxes from the Korean peninsula. Journal of Human Evolution, 51(5), 527-536

Koordinaten

  • 38.012020° N, 127.065521° E von Henry Gilbert,
     

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