Biache-Saint-Vaast, Frankreich

Fundort: Biache-Saint-Vaast, Pas-de-Calais, Frankreich
Spezies: Homo neanderthalensis
Fossil: Biache 1 und 2, Schädelfragmente
Geschätztes Alter: 175000 Jahre, Datierung basierend auf Elektronenspinresonanz-Verfahren (ESR), Thermolumineszenz-Methode (TL).
Kultur: Mousterien

Letzte Meldung:   Mutter-Kind-Bindung vor 2 Millionen Jahren   –  Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer hat mit einem internationalen Team Zähne der ausgestorbenen Vormenschen-Art Australopithecus africanus in Hinblick auf die Nahrungsaufnahme im Kindesalter untersucht. Analysen der Zahnchemie zeigen, dass die Mütter der afrikanischen Homininen-Art ihre Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten stillten und auch später – in Zeiten von Nahrungsknappheit – auf die Ernährung mit Muttermilch zurückgriffen. Die intensive, jahrelange Mutter-Kind-Bindung wird als eine der Ursachen für die geringe Nachkommen-Anzahl bei den Vormenschen gedeutet. Die Studie erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. ....

Biache-Saint-Vaast ist eine französische Gemeinde im Departement Pas-de-Calais in der Region Nord-Pas-de-Calais.

Während des Baus eines Hüttenwerks des französischen Stahlkonzerns Usinor wurde im April 1976 ein paläolithischer Fundplatz entdeckt. Rettungsgrabungen, die bis 1982 fortgeführt wurden, führten zur Entdeckung eines Neandertalerschädels, der bis heute der älteste in Nordfrankreich ist. Außerdem kamen zahlreiche Tierknochen und Steinwerkzeuge ans Licht, die alle in einem bemerkenswert guten Zustand waren. Der gesamte Fundplatz wurde durch den Bau der Hüttenanlage, die übrigens 25 Jahre später geschlossen wurde, zerstört.



Die beiden Schädelfunde von Biache-Saint-Vaast zeigen die unverwechselbare Anatomie der Neandertler. Sie stammen aus Terrassen des Flusses Scarpe. Saint-Biache-Vaast 1 wurde 1976 gefunden, später gefolgt von Saint-Biache-Vaast 2, der fragmentiert war und zusammen mit Überresten von Tieren gefunden wurde.

Biache 1 wurde knapp oberhalb der Schicht IIA gefunden. Pollen, Mikrofauna und Weichtiere aus dieser Schicht deuten auf eine Periode gemäßigten Klimas während der Saale-Kaltzeit hin. Die Schicht enthielt zahlreiche Moustérien-Werkzeuge des Typs La Ferrassie und wurde mittels Thermolumineszenz-Methode auf etwa 175.000 Jahre vor heute datiert.


Literatur

Koordinaten