La Ferrassie, Frankreich

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Fundort: La Ferrassie, Gemeinde Savignac-de-Miremont, Tal der Dordogne, Frankreich
Spezies: Homo neanderthalensis
Fossil: adultes maskulines Skelett
Geschätztes Alter: 50.000 Jahre, Datierung basierend auf verschiedenen Methoden
Kultur: Moustérien, Begräbnisse
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Das große Felsdach von La Ferrassie bei Savignac-de-Miremont im Département Dordogne, Frankreich. Hier lebten vor 35.000 Jahren Neandertaler.

An dem Schädel von La Ferrassie 1 sind alle charakteristischen Merkmale der Neandertaler zu erkennen: die fliehende Stirn, das lange, niedrige Schädeldach, die runde Form beim Betrachten von hinten, der kräftige Brauenwulst aus zwei Bögen, der vorspringende mittlere Gesichtsteil mit den nach hinten verlagerten Wangenknochen, das schwach entwickelte Kinn, die Lücke hinter den letzten Molaren (die entsteht, weil die Zähne mit dem ganzen Gesicht nach vorn verlagert sind), und das riesige Gehirnvolumen (in diesem Fall über 1600 Kubikzentimeter). Die Extremitäten zeigen die allgemein dicken, kräftigen Knochen der Neandertaler und ihre großen Gelenke.

Besonders interessante Aufschlüsse liefern die Zähne des Schädels. Im Kiefer beobachtet man nicht nur Abszesse und Knochenschwund, sondern auch sehr stark abgenutzte Zähne: Viele Zahnschmelzkronen sind überhaupt nicht mehr vorhanden, so dass vor allem links unten das Zahnbein oder sogar die Pulpahöhle freiliegen. Im Oberkiefer sind die Zähne auf der rechten Seite stärker abgeschliffen. Furchen an der Rückeite der Zähne weisen darauf hin, dass der Unterkiefer vorwiegend mit waagerechten Bewegungen kaute und weniger auf und ab ging; die Zähne zerkleinerten dabei grobe, körnige Nahrung.

Neben dem fast vollständigen Skelett eines Mannes im mittleren Alter fand man in dem Felsüberhang von La Ferrassie auch ein weitgehend unbeschädigtes weibliches Skelett und die Reste von fünf Kindern, vom Ungeborenen bis zum Zehnjährigen. Insgesamt handelt es sich hier um die größte Gruppe jugendlicher Fossilien in ganz Frankreich. Die Skelette befanden sich in sechs Gräbern. Die beiden Erwachsenen lagen bei der Entdeckung Kopf an Kopf, und den Schädel eines Kindes hatte man abgetrennt, allein unter einer Steinplatte mit seltsamen Vertiefungen bestattet. An den Berichten über die Neandertaler-Begräbnisstätte von La Chapelle-aux-Saints, die man einige Jahre zuvor gefunden hatte, waren immer wieder Zweifel laut geworden, aber die Befunde van La Ferrassie sprachen eindeutig dafür, dass die Neandertaler ihre Toten bestatteten.


Literatur

  • Captain, L. und D. Peyrony, 1909. Deux squelettes humains au milieu de foyers de l´époque moustérienne. Revue anthrop. 19: 402 - 409.

Koordinaten

  • 44.951996° N, 0.938016° E von Henry Gilbert,
     

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