Voccio († 16 v. Chr.) war der gewählte Rix des keltischen Stammes der Noriker und Herrscher der 13 keltischen Stämme von Noricum im letzten vorchristlichen Jahrhundert. Die Noriker scheinen der einflussreichste Stamm in Noricum gewesen zu sein. Voccio war politisch sehr informiert und wachsam und unterstützte Julius Caesar im römischen Bürgerkrieg, um eine Allianz gegen die Bedrohung der Daker aus dem Osten zu formen. Im Jahr 59 v. Chr. schlugen die Daker unter Burebista die keltischen Stämme der Boier und Taurisker, unter ihrem Anführer Kritasiros, vernichtend im heutigen Ungarn. Daraufhin zogen die Reste der Boier nach Westen um sich mit dem Großstamm der Helvetier zu verbinden. Auf dem Zug nach Westen durch Noricum belagerten die Boier die Hauptsiedlung Noreia. Voccio verheiratete 58. v. Chr. auch seine Schwester mit dem suebischen Fürsten Ariovist, um sich gegen Boier und Helvetier abzusichern.[1]

Voccio war ein guter Stratege und verstand es geschickt Verbündete für Noricum zu schaffen. Im Jahre 49 v. Chr. während des römischen Bürgerkrieges zwischen Caesar und Pompeius, und ein Jahr nachdem eine Invasion der Daker von den Norikern abgewehrt wurde, warfen die Noriker das ganze Gewicht ihrer bedeutenden Industrie hinter Caesars Sache. Voccio vertraute darauf dass Caesar sich durchsetzten würde und schickte ihm auch eine Einheit berittener Krieger zu Hilfe. Er dürfte aber nicht gewusst haben, dass seine Schwester zu dem Zeitpunkt schon von Römern getötet war. Sie wurde nach dem Sieg von Caesars Legionen über Ariovists Heer, beim Versuch den rettenden Rhein zu erreichen, niedergemacht.

Caesars letztendlicher Sieg im Bürgerkrieg hatte dazu beigetragen, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Noricum und Rom während der übrigen Geschichte des Reiches relativ zu sichern. Es hatte aber auch zur Folge, dass die Noriker, vom römischen Luxus angezogen, schon lange vor der Übernahme Noricums durch das Römische Reich anfingen sich zu romanisieren. Voccio spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte Noricums. Kurz vor dem Beginn und kurz nach dem Ende des römischen Bürgerkrieges war er maßgeblich daran beteiligt, die eingefallenen Daker um 50 v. Chr., und die Boier-Stämme um 40 v. Chr. aus Noricum zu vertreiben.[2][3]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. [1] Herwig Wolfram: Gotische Studien – Volk und Herrschaft im frühen Mittelalter, S. 49 – 50, Verlag C.H. Beck, München 2005. ISBN 3406529577.
  2. [2] Englische website bezüglich der Geschichte des Römischen Reiches mit detaillierter Erwähnung von Voccio.
  3. # Gerhard Herm: Die Kelten - Das Volk, daß aus dem Dunkel kam, Econ Verlag, Düsseldorf 1975, ISBN 978-3430-144537

Die News der letzten Tage

17.05.2022
Sprache | Primaten
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
12.05.2022
Genetik | Nach_der_Eiszeit | Wanderungen
Genetische Herkunft der ersten Bauern der Welt geklärt
Der genetische Ursprung der ersten Ackerbauern im Neolithikum schien lange Zeit im Nahen Osten zu liegen.
12.05.2022
Gehirn
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Genetik | Erdgeschichte
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Aufrechter Gang | Gehirn | Australopithecus
Schwierige Geburt und kognitive Fähigkeiten des Menschen sind Folge des aufrechten Ganges
Beim Menschen ist die Geburt schwieriger und schmerzhafter als bei Menschenaffen: Lange nahm man an, dass dies auf das grosse Gehirn und die engen Verhältnisse im mütterlichen Becken zurückgeht.
05.05.2022
Sprache | Gehirn | Kultur
Wie unser Gehirn die Veränderung von Sprache beeinflusst
Unsere Sprache verändert sich ständig: Wissenschafter*innen haben herausgefunden, dass jene Lautmuster, die häufig in unserer Sprache vorkommen, über Jahrhunderte hinweg noch häufiger wurden.