Taq-e Kisra


Datei:Ctesiphon, Iraq (2117465493).jpg
Der Taq-e Kisra (Chosrau-Torbau), 2007
Aufnahme aus dem Jahr 1932
Ruinen von Ktesiphon auf einer irakischen Briefmarke von 1923
Anlage im Jahr 1864
Anlage, 1824 (hier stand noch die nördliche Backsteinfassade)
Karte Seleucia Ktesiphon mit den Flussverlaufsänderungen des Tigris im Laufe der letzten Jahrhunderte

Der Taq-e Kisra (oft: Taq-i-Kisra geschrieben, übersetzt: Bogen des Chosrau, gelegentlich auch Bogen von Ktesiphon genannt), (persisch ‏ طاق كسرى‎) Ṭāq-e Kesrā oder (persisch ‏ إيوان كسرى‎) Ayvān-e Kesrā,[1] ist eine sassanidische Palastruine in Mahuza, die das einzige überirdische Überbleibsel der historischen Stadt Ktesiphon im Irak bildet. Die Ruine liegt etwa 35 Kilometer südöstlich von Bagdad.

Geschichte

Der Palast soll während der Regierungszeit des Sassanidenherrschers Chosrau I. (531–579)[2] entstanden sein. Diese weit verbreitete These ist allerdings nicht endgültig geklärt, denn Gegenauffassungen schreiben den Palastbau Schapur I. (auch: Šābuhr, Sapor; persisch ‏شاپورSchāpūr [ʃɔːˈpuːr]), einem Sassanidenherrscher (240/42-270) aus der Frühphase des Reiches zu, dessen Absicht es bereits gewesen sein soll, Ktesiphon zur Hauptstadt des Sassanidenreiches zu erheben, weshalb ein solches Gebäude benötigt worden sein soll.[3][4][5] Nachdem Chosrau I. 560 (der herrschenden Auffassung folgend) die Weißen Hunnen geschlagen und mit Ost-Rom Frieden geschlossen hatte, ließ er seinen Palast ausbauen, wobei der Torbogen Taq-e Kisra erst entstand.[6] Von dieser einst größten Sassanidenresidenz ist lediglich ein Bauwerkteil nebst dem Torbogen übriggeblieben.

637 wurde die Anlage von den Arabern im Rahmen der arabisch-islamischen Expansion eingenommen und geplündert. Zeitweilig wurde der Palast als Moschee genutzt.[2]

1888 fiel ein Drittel der Ruinen einem Hochwasser des Tigris zum Opfer. 1909 rissen weitere Überschwemmungen des Flusses den Nordflügel mit.[5] Saddam Hussein begann ab 1975 bis in die 1980er Jahren hinein die Wiederherstellung des Nordflügels. Nach dem zweiten Golfkrieg wurde das Vorhaben eingestellt.

Architektur

Von dem ehemals riesigen Bauwerk ist heute nur eine Ruine erhalten geblieben. Die Gesamtanlage war geprägt durch einen rechtwinkligen Hof, um den sich vier Gebäudetrakte gruppierten. Das mehr als 24,5 m breite und 33 m hohe Backsteingewölbe überdachte einst den 48 m langen Thronsaal, in welchem die Sassanidenfürsten in Brokat und Seide gewandet Audienzen gewährten. Die Konstruktion ist parabolisch, weshalb der Torbogen besonders groß wirkt. Im bodennahen Bereich misst der Bogen eine Dicke von sieben Metern, im Scheitel eine von einem Meter. Nach einer mesopotamischen Technik wurden die bodennahen Ziegel horizontal und die im Gewölbe hochkant verbaut. Experten des Kaisers Justinian halfen beim Bau. Gerüste wurden trotz der Höhe nicht verwendet. In die Gewölbehalle waren byzantinische Marmorreliefs und Mosaiken eingebracht, die die Eroberung von Antiochia zeigten. Weitere Machtinsignien bildeten ein 27 x 27 Meter großer Teppich (Bahār-e Kisra) zu Füssen des Sassanidenkaisers und eine prächtige gewaltige Krone, die von der Decke des Bogens an einer Goldkette befestigt, herabhing.[7] Der gewaltige Iwan wurde beidseits von je sechsstöckigen Backsteinfassaden mit Architraven eingefasst, wobei ungeklärt ist, ob diese römische oder hellenistische Anklänge haben. Geschmückt waren die Fassaden mit Blendzierbögen und -säulen. Hinter diesen verbargen sich die übrigen Räumlichkeiten des Palastanwesens. Der Torbogen ist der größte erhaltene Iwan der vorislamischen Zeit.[8] Das Ideal, dass Wohnräume zusammengefasst wurden und um einen befestigten Innenhof sich drapierten, wurde in der Folgezeit fester Bestandteil der iranischen Architektur und spiegelt sich auch in diesem Objekt. Die Quaderstein-Bauweise wurde seit dem 4. Jahrhundert zunehmend abgelöst durch feinere Bearbeitung des Ziegelsteins und dessen Verbauung mittels Gipsmörtel. Daneben kamen zunehmend Stuckornamente zum Einsatz.[9]

„Frühling von Chosrau“

Im Palast lag einst ein Gartenteppich mit schachbrettartigen Feldermustern, der die gewaltigen Abmessungen von 27 x 27 Metern aufwies. Er hieß Bahār-e Kisra. Der Teppich beinhaltete Blumenbeete, Obstbäume, Wege und Wasserkanäle und an den Wegkreuzungen, Pavillons. Das Prachtstück war mit Preziösen besetzt und war von Edelmetallen durchwirkt. Die Äste der Baumstämme waren in Gold und Silber dargestellt. Blumen und Obst wurden durch Edelsteine verkörpert. Wasserläufe waren aus Kristallglas.[10] Zu Ehren des Sassanidenkönigs berichtet der Volksmund heute noch vom Teppich als dem „Frühling von Chosrau“, beziehungsweise „Baharestan“.[11]

Einzelnachweise

  1. Eintrag in der EIr
  2. 2,0 2,1 Julian Reade, in: Chris Scarre (Hrsg.): The Seventy Wonders of the ancient world. The Great Monuments and how they were built. Thames & Hudson, London 1999, S. 185–186, ISBN 0-500-05096-1.
  3. Digital Library, Taq-i Kisra
  4. stellvertretend für den wissenschaftlichen Streit aus vorgenannter Quelle: "Although it is not clear which of the Sasanian kings built this palace, two hypotheses exist. Highlighting the classical motifs used in the facade, Oscar Reuther argues for a late antique date. Herzfeld, believing that Western methodology cannot be adopted to date buildings of the East, uses historical sources to date the construction. Herzfeld points to a passage from a Sasanian Chronicle, Khudhay-Nama, translated by the great Persian translator Ibn Muqaffa (721-757/9) in which the ruins of the Taq-i Kisra have been attributed to the reign of Shapur I (241-72), the first Sasanian King. Although the destruction of the palace is blamed on different individuals by various sources, Abbasid caliph Al-Mansur (754-775) is most commonly mentioned for its ruin."
  5. 5,0 5,1 Denis Wright: Persien. Atlantis Verlag, Zürich/Freiburg i. B. 1970, S. 75
  6. Peter Kerber, Iran: Islamischer Staat mit jahrtausendealter Kultur
  7. Chris Scarre, Der Bogen von Ktesiphon - Nr. 42 (s. LIT.)
  8. Mahmoud Rashad, Iran: Geschichte, Kultur und Traditionen : antike Stätten und islamische Kunst in Persien
  9. History of Humanity: From the seventh century B.C. to the seventh century A.D.
  10. Hakan Baykal, s. Lit. (S. 62)
  11. Teppichlegende (Feldermusterteppich) im Taq-e Kisra

Literatur

  • André Godard: The Art of Iran. Translated by Michael Heron. Allen and Unwin, London 1965.
  • Ernst Herzfeld: Damascus: Studies in Architecture - II. In: Ars Islamica 10 (1943), S. 59–61.
  • Oscar Reuther: Sasanian Architecture. In: A Survey of Persian Art from Prehistoric Times to the Present. Hrsg. von Arthur U. Pope / Phyllis Ackerman. Oxford University Press, London/New York 1964, S. 515–517, 543–544.
  • Chris Scarre: Die 70 Weltwunder, Die geheimnisvollsten Bauwerke der Menschheit und wie sie errichtet wurden, 3. Auflage, 2006, Frederking & Thaler, ISBN 3-89405-524-3
  • Hakan Baykal, Vom Perserreich zum Iran, 3000 Jahre Kultur und Geschichte, Konrad Theiss Verlag Stuttgart, 2007, ISBN 978-3-8062-2035-3

Weblinks

33.09372444.581001Koordinaten: 33° 5′ 37″ N, 44° 34′ 52″ O


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