Sonnenheiligtum des Userkaf in Hieroglyphen
ra
O48
O25
[1]
Nechen-Rau
Nḫn Rˁ.w
Festung des Re

Userkaf Sun temple rendered Mk2.jpg
Rekonstruktion des Sonnenheiligtum des Userkaf
Die Nekropole von Abusir

Das Sonnenheiligtum des Userkaf ist ein in Abusir gelegenes altägyptisches Tempel-Bauwerk aus der Zeit der 5. Dynastie, welches unter dem König (Pharao) Userkaf erbaut wurde, der etwa von 2500 bis 2490 v. Chr.[2] regierte. Es ist neben dem Sonnenheiligtums des Niuserre das einzige der insgesamt sechs Exemplare dieses Tempeltyps, welches bisher archäologisch nachgewiesen wurde.

Forschungsgeschichte

Das Sonnenheiligtum wurde 1842 durch die Expedition von Karl Richard Lepsius entdeckt und kurz beschrieben. Dieser hielt das Bauwerk zuerst für eine Pyramide und gab ihr die Nummer XVII auf seiner Pyramidenliste. Eine weitere Untersuchung führte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Ludwig Borchardt im Zuge seiner Grabungen am benachbarten Pyramidenbezirk des Sahure durch. Die bislang ausführlichste Erforschung des Heiligtums erfolgte in den 1950er Jahren unter Leitung von Herbert Ricke.

Bauumstände

Userkaf begründete (etablierte) mit seinem Sonnenheiligtum einen völlig neuen Tempeltyp, den nach ihm noch fünf weitere Herrscher der 5. Dynastie aufgreifen sollten. Der Grund hierfür scheint ein Wandel im religiösen Weltbild gewesen zu sein, das nun nicht mehr den König als zentralen Weltgott hatte, sondern den Sonnengott Re (Ra). Der König wurde nur noch als dessen Sohn angesehen. Dies bedingte auch einen Wandel im königlichen Totenkult. Das Sonnenheiligtum bildete mit seiner westlichen Ausrichtung eine Kultstätte für den untergehenden (d. h. sterbenden) Sonnengott und war somit ein Teil der königlichen Pyramidenanlage – wenn auch zwischen beiden zum Teil erhebliche räumliche Distanzen lagen. Beide Bauwerke gemeinsam sollten dem König die Jenseitsreise und die Vereinigung mit seinem göttlichen Vater ermöglichen.[3]

Aufgrund der Verbindung zur Pyramidenanlage ähnelt das Sonnenheiligtum einer solchen teilweise in seinem Aufbau. So besitzt es einen Taltempel, einen Aufweg und einen oberen Tempel (welcher bei Pyramidenanlagen dem Totentempel entspricht). Weitere Ähnlichkeiten existieren allerdings nicht und die Gesamtkonzeption des Heiligtums unterscheidet sich deutlich von einer Pyramidenanlage.[4]

Das Sonnenheiligtum

Sonnenheiligtum des Userkaf und Taltempel
1 = Obelisk
2 = Obeliskensockel
3 = Statuenschreine
4 = Altar
5 = Bänke
6 = Nebenbau
7 = Aufweg
8 = Taltempel

Taltempel und Aufweg

Der Taltempel des Userkaf-Heiligtums weist keine Orientierung nach den Himmelsrichtungen auf, was für eine ägyptische Tempelanlage höchst ungewöhnlich ist. Er besitzt einen rechteckigen Grundriss und gliedert sich in vier Abschnitte: Eine Vorkammer, einen Mittelteil, einen offenen Pfeilerhof und einen Bereich mit sieben Nischen.

Ebenfalls ungewöhnlich ist der Aufweg, da er sich weder auf der Hauptachse des Taltempels noch auf der des oberen Tempels befindet. Gewisse bauliche Ähnlichkeiten bestehen zu den Aufwegen der Grabanlagen von Userkafs Vorgängern Mykerinos und Schepseskaf.[4]

Obeliskentempel

Den zentralen Bestandteil des Heiligtums bildete der ostwestlich ausgerichtete obere Tempel, in dessen westlicher Hälfte einst ein Obelisk aus rotem Granit stand, der aber heute nur noch in Bruchstücken erhalten ist. Dieser Tempel wurde in insgesamt vier Bauphasen errichtet, die sein Aussehen erheblich veränderten. So wurde der ursprünglich quadratische Grundriss zu einem rechteckigen ausgebaut. östlich vor dem Obelisken befand sich ein Opferaltar für den Sonnengott, südlich und nördlich davon standen zwei Schreine, wahrscheinlich für Statuen des Re und der Hathor. Weitere Bestandteile des Tempels waren Magazinräume. Das Heiligtum war von einer Mauer umgeben, welche abgerundete Ecken besaß. Ob letzteres lediglich bautechnisch bedingt war oder ob eine symbolische Darstellung des Urhügels vorliegt, ist bisher nicht bekannt.

Bis heute nicht eindeutig geklärt ist die Frage, ob der Obelisk Teil der ursprünglichen Konzeption des Sonnenheiligtums war oder ob er erst in einer der späteren Bauphasen von einem Nachfolger Userkafs errichtet wurde. Letzteres wurde von Ricke aufgrund kursivhieroglyphischer Schreibungen des Namens des Heiligtums angenommen, bei der das Determinativ nur als Pyramidenstumpf mit einem oben verdickten Strich anstelle des Obelisken dargestellt ist. Ricke glaubte deshalb, dass in der ersten Bauphase auf dem Pyramidenstumpf nur eine Holzstange stand, an deren Ende eine goldene Scheibe befestigt war. Rickes Rekonstruktion ist in der Forschung mehrfach angezweifelt worden, jedoch scheint ein Vergleich sämtlicher Schreibweisen des Namens von Userkafs Heiligtum nahezulegen, dass es eine frühe Bauphase ohne und eine spätere mit Obelisken gab.[5]

Statuenfunde

Kopf einer Statue des Userkaf aus seinem Sonnenheiligtum; Ägyptisches Museum, Kairo

Im Userkaf-Heiligtum wurden die Reste mehrerer Statuen des Königs gefunden. Die bedeutendste von ihnen wurde von Ricke außerhalb des Taltempels entdeckt und befindet sich heute im ägyptischen Museum von Kairo (Inv.-Nr. JE 90220).[6] Er besteht aus Grauwacke und misst 45 × 26 × 25 cm. Der König ist bartlos dargestellt und trägt auf dem Kopf die rote Krone Unterägyptens. Der Ausgräber Herbert Ricke nahm ursprünglich an, es handle sich um ein Bildnis der Göttin Neith, die ebenfalls auf diese Weise dargestellt wurde. Später wurden allerdings Reste eines mit schwarzer Farbe aufgemalten Schnurrbartes ausgemacht, wodurch eindeutig bestätigt wurde, dass es sich um die Statue eines Königs handelt.[4]

Weitere Statuenfunde aus dem Userkaf-Heiligtum sind kleinere Fragmente aus Kalkstein, Granit und rotem Sandstein, die bereits 1907 von Ludwig Borchardt entdeckt wurden. Ein weiteres Stück aus Alabaster gehörte ursprünglich zu einer fast lebensgroßen Statue. Es zeigt Mund und Kinn des Königs und befindet sich heute im Ägyptischen Museum in Berlin (Inv.-Nr. 19774)[7]

Literatur

  • Peter Jánosi: Die Sonnenheiligtümer. In: Christian Hölzl (Hrsg.): Die Pyramiden Ägyptens. Monumente der Ewigkeit. Brandstätter, Wien 2004, ISBN 3-85498-375-1, S. 101–107.
  • Mark Lehner: Geheimnis der Pyramiden. Orbis, München 1999, ISBN 3-572-01039-X, S. 150–151.
  • Herbert Ricke et al.: Das Sonnenheiligtum des Königs Userkaf. In: Beiträge zur Ägyptischen Bauforschung und Altertumskunde. Bände 7 und 8, Wiesbaden 1965 und 1969.
  • Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. Vom Ziegelbau zum Weltwunder (= Kulturgeschichte der Antiken Welt. Band 30). 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, von Zabern, Mainz 1991, ISBN 3-8053-1142-7, S. 163–164.
  • Miroslav Verner: Die Sonnenheiligtümer der 5. Dynastie. In: Sokar. Nr. 10, 2005, S. 39–41.
  • Susanne Voß: Untersuchungen zu den Sonnenheiligtümern der 5. Dynastie. Bedeutung und Funktion eines singulären Tempeltyps im Alten Reich. Hamburg 2004 (zugleich: Dissertation, Universität Hamburg 2000), S. 7–59, (PDF; 2,5 MB).
  • Richard H. Wilkinson: Die Welt der Tempel im Alten Ägypten. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-18652-4, S. 121.

Einzelnachweise

  1. Das letzte Zeichen ist durch einen Pyramidenstumpf mit aufgesetztem Obelisken zu ersetzen.
  2. Jahreszahlen nach Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3.
  3. Jánosi: Die Sonnenheiligtümer. Wien 2004, S. 101–104.
  4. 4,0 4,1 4,2 Verner: Die Sonnenheiligtümer der 5. Dynastie. In: Sokar. Nr. 10, 2005, S. 40.
  5. Verner: Die Sonnenheiligtümer der 5. Dynastie. In: Sokar. Nr. 10, 2005, S. 41.
  6. Rainer Stadelmann: Der Kopf des Userkaf im »Taltempel« des Sonnenheiligtums in Abusir. In: Sokar. Nr. 15, 2007, S. 56–61.
  7. Bertha Porter, Rosalind L. B. Moss: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings. III. Memphis. 2. Auflage, Oxford University Press, Oxford 1974, S. 333; Rainer Stadelmann: Der Kopf des Userkaf im »Taltempel« des Sonnenheiligtums in Abusir. In: Sokar. Nr. 15, 2007, S. 60.

Die News der letzten Tage

17.05.2022
Sprache | Primaten
Schimpansen kombinieren Rufe zu einer Vielzahl von Lautsequenzen
Verglichen mit dem menschlichen Sprachgebrauch erscheint Tierkommunikation einfach, doch unklar blieb bisher, wie sich unsere Sprache aus einem so einfachen System entwickelt haben könnte.
12.05.2022
Genetik | Nach_der_Eiszeit | Wanderungen
Genetische Herkunft der ersten Bauern der Welt geklärt
Der genetische Ursprung der ersten Ackerbauern im Neolithikum schien lange Zeit im Nahen Osten zu liegen.
12.05.2022
Gehirn
Das bewusstlose Gehirn ist alles andere als stumm
Die Grosshirnrinde gilt als zentrale Hirnregion für bewusste Verarbeitung: Während einer Vollnarkose wird dieser Bereich jedoch nicht lahmgelegt.
12.05.2022
Genetik | Erdgeschichte
Der Ursprung des Lebens: Eine neue Weltsicht
Chemiker schlagen ein neues Konzept vor, eine Mischung aus RNA-Molekülen und Peptiden brachten die Evolution hin zu komplexeren Lebensformen in Gang.
10.05.2022
Aufrechter Gang | Gehirn | Australopithecus
Schwierige Geburt und kognitive Fähigkeiten des Menschen sind Folge des aufrechten Ganges
Beim Menschen ist die Geburt schwieriger und schmerzhafter als bei Menschenaffen: Lange nahm man an, dass dies auf das grosse Gehirn und die engen Verhältnisse im mütterlichen Becken zurückgeht.
05.05.2022
Sprache | Gehirn | Kultur
Wie unser Gehirn die Veränderung von Sprache beeinflusst
Unsere Sprache verändert sich ständig: Wissenschafter*innen haben herausgefunden, dass jene Lautmuster, die häufig in unserer Sprache vorkommen, über Jahrhunderte hinweg noch häufiger wurden.